Zwei Marschall-Bilder unterm Hammer – aber ohne Gebot | FLZ.de

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Veröffentlicht am 24.04.2024 15:27

Zwei Marschall-Bilder unterm Hammer – aber ohne Gebot

Sabine Knappmann, Enkelin des Malers, mit einem Gemälde von Georg Marschall, das den Bäuerlinsturm von Dinkelsbühl zeigt. (Foto: Roman Kocholl)
Sabine Knappmann, Enkelin des Malers, mit einem Gemälde von Georg Marschall, das den Bäuerlinsturm von Dinkelsbühl zeigt. (Foto: Roman Kocholl)
Sabine Knappmann, Enkelin des Malers, mit einem Gemälde von Georg Marschall, das den Bäuerlinsturm von Dinkelsbühl zeigt. (Foto: Roman Kocholl)

Seit dem 19. Jahrhundert ziehen Städte wie Dinkelsbühl Maler aus Nah und Fern an. Immer wieder tauchen Gemälde mit regionalem Bezug auf dem Kunstmarkt auf. Vor wenigen Monaten wechselte ein Spitzweg-Gemälde für 165.100 Euro den Besitzer. Jüngst gab es auf einer Auktion Bilder von Georg Marschall.

Wer in der Altstadt von Dinkelsbühl die Russelberggasse entlang schlendert, entdeckt an einer Fassade den Schriftzug „Georg Marschall Haus“. Heute befindet sich darin ein Hotel Garni. Von 1943 bis 1947 wohnte hier ein renommierter Maler, der in den Kriegswirren die Hauptstadt Berlin verlassen hatte. In Dinkelsbühl fand er vorübergehend eine neue Bleibe, bevor er nach Feuchtwangen zog.

Beim Frühstück Blick auf den Bäuerlinsturm

Um das Hotel kümmert sich heute Sabine Knappmann, die Enkelin des Malers. Besuchern des Hauses bietet sich ein Blick auf großflächige Gemälde. Landschaften, Porträts und eine Ansicht der historischen Altstadt von Dinkelsbühl zieren die Wände. Wer hier sein Frühstücksei verzehrt, blickt auf den markanten Bäuerlinsturm an der Stadtmauer.

Sabine Knappmann hat ihren 1956 in Feuchtwangen verstorbenen Großvater nicht mehr persönlich kennengelernt. Doch durch Erzählungen ihres älteren Bruders war der Künstler in der Familie sehr präsent. „Der Bruder hat gut seinen Dialekt nachmachen können“, berichtet die Enkelin des Malers.

Und sie erinnert sich, dass der einstmals berühmte Berliner Künstler für ihren Bruder ein Bild mit einem Rehbock gemalt hat, dass dieser als Kind für Schießübungen nutzen sollte. Mit Gummiaufsatz durfte der Bruder, der auf diese Art frühzeitig an die Jagd herangeführt werden sollte, auf das Gemälde zielen. „Das war nur für den Hausgebrauch“, sagt Sabine Knappmann. Das Bild existiert nach wie vor im Haus an der Russelberggasse. Einschussstellen sind auf dem Rehbock nicht zu erkennen.

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In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich Marschall in eine Welt mit idyllischen Motiven geflüchtet. Das war nicht immer so.

Georg Marschall wurde als neuntes Kind einer Brandenburgischen Familie in Wittstock/Dosse am 18. August 1871 geboren. Bereits im Alter von 16 Jahren erhielt er einen Platz in der Königlichen Akademie der Künste in Berlin. Nach Ablauf eines Jahres errang er einen Staatspreis für Bildhauerei. Er wurde Meisterschüler von Adolph von Menzel. Als Schöpfer gewaltiger Historienbilder und Porträts machte er sich im In- und Ausland einen Namen.

Im „Feuchtwanger Kalender“, in dem zweimal Bilder des Malers zu sehen waren, heißt es: „Er schuf etwa 180 große Gemälde, die nicht nur Kaiser Wilhelm II., sondern auch deutsche Fürsten erworben haben.“ Auf Einladung des Königs von Portugal porträtierte er die Königsfamilie. 1915 hatte er den sogenannten „Eisernen Hindenburg“, die damals größte Nagelfigur aus Holz im Deutschen Kaiserreich, entworfen. Dieses aus 25 Tonnen Erlenholz gefertigte Werk stand in Berlin zwischen Reichstagsgebäude und Siegessäule.

Liebe zu Heimat und Jagd prägten seinen Stil

Über den Stil des Malers heißt es im „Feuchtwanger Kalender“: „Die Liebe zur Heimat und zur Jagd prägten Marschalls altmeisterlichen Stil und so durfte er auch unter den Nationalsozialisten seiner Profession nachgehen.“ Bei der Bombardierung Berlins hatte Marschall viele Bilder und sein Atelier verloren. Im Dezember 1943 kam er nach Dinkelsbühl, 1947 zog er nach Feuchtwangen, wo er 1956 starb. Dort wurde er auf dem Friedhof beigesetzt.

Vor drei Jahren zeigte das Fränkische Museum in Feuchtwangen eine Ausstellung mit Werken von Georg Marschall. Zur Vernissage war sogar die Urenkelin des Malers, Sarah Rigal, gekommen. Zu sehen waren Landschaftsgemälde und Jagdszenen, Historiendarstellungen und Porträts sowie fantastisch, märchenhaft anmutende Bilder.

Im Bericht der FLZ hieß es: „Die Motive hatte Marschall in Brandenburg und dem Umland Berlins, an der Ostsee, im Rheinland und in den Alpen entdeckt. Zudem zeigen in Franken entstandene Bilder Schloss Hirschbrunn, Weiher rund um Dinkelsbühl und Feuchtwangen, Ansichten aus dem Hesselbergraum sowie ein Stadtpanorama von Feuchtwangen.“

Ein regionaler Bezug kennzeichnet auch eines der Gemälde, das jüngst im Bamberger Auktionshaus Schlosser zum Aufruf kam. Dazu heißt es: „Junge Frau am Flügel, durch das geöffnete Fenster blickt man auf das Wörnitztor in Dinkelsbühl.“ Zusammen mit einem zweiten Bild, das einen Musiker in Biedermeierinterieur zeigt, wurde das Gemälde zum Startpreis von 2500 Euro angeboten.

Jedoch: Das war offenbar zu hoch angesetzt. Anders als bei der Versteigerung des Spitzweg-Gemäldes, das ein Bietergefecht auslöste, fand sich für die Marschall-Bilder kein Käufer. Die Musizierenden gingen zurück an den Einlieferer.

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