Die Freistellung für das Bad Windsheimer Bahnhofsgebäude steht in Aussicht. Fokussieren will man sich deshalb nun auf die Sanierung des Erdgeschosses und das dort geplante Inklusionscafé, das in Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe realisiert werden soll. 1,5 Millionen Euro sind veranschlagt. Im Herbst sollen die Arbeiten starten.
Jennifer Münch, Leiterin des Sachgebiets Hochbau in der städtischen Verwaltung, stellte in der Stadtratssitzung die überarbeitete Planung samt Kosten vor. Zur Erinnerung: Ursprünglich vorgesehen war, im Erdgeschoss das Café entstehen zu lassen, im ersten Obergeschoss Verwaltungsräume und im Dachgeschoss Beratungsräume. Das Dach sollte angehoben werden, um eine ausreichende Raumhöhe zu schaffen. Westlich des Gebäudes sollte ein Aufzug- und Treppenturm gebaut werden, um einen barrierefreien Zugang zu den oberen Stockwerken zu bekommen, wird die bisherige Planung in den Sitzungsunterlagen zusammengefasst.
Für die Umsetzung der Maßnahmen ist die Freistellung nach dem Allgemeinen Eisenbahngesetz nötig. Lange wurde diese verwehrt. Aufgrund der Reform des Gesetzes, die mittlerweile auch in Kraft getreten ist, geht Münch nun von einer zeitig eintreffenden Freistellung aus. Es gelte eine Übergang- und Altfallregelung, die zur Folge habe, dass alle Freistellungsanträge, die vor 2023 gestellt worden waren, vornehmlich behandelt werden müssen. Hierzu zählen auch die Bad Windsheimer Anträge, so Münch.
Mit dem Eisenbahnbundesamt (EBA) stehe man „in regem Austausch”, auch dieses habe sich „zuversichtlich” gezeigt und sei der Stadt „wohlgesonnen”. Die Sachgebietsleiterin hofft derweil, dass das Gebäude und das Grundstück, auf dem der Anbau vorgesehen war, in einem Zug freigestellt werden. Für den Baustart sei dann noch die Baugenehmigung seitens des Landratsamtes nötig. Auch hier stehe man in engem Kontakt.
Mittlerweile drängt die Zeit, sollen die Arbeiten doch bis zum Start der Landesgartenschau im Jahr 2027 erfolgt sein. Deshalb ist geplant, sich nur auf das Erdgeschoss des Bahnhofsgebäudes samt Wintergarten und Terrassen sowie auf die energetische Fassadensanierung zu konzentrieren. Der Anbau mit Treppenturm, Aufzug und öffentlichem WC werde vorerst nicht ausgeführt. Die zwei Obergeschosse sollen unberührt bleiben, das Dach wird nicht erhöht. Das sei auch mit der Lebenshilfe so besprochen, betonte Bürgermeister Jürgen Heckel (WiR). Um rechtzeitig fertig zu sein, müsse man im Herbst mit dem Bau beginnen.
Alles, was wichtig für die Funktionalität des Gebäudes und des Erdgeschosses ist und im Anbau vorgesehen war, wird nun im Keller untergebracht. Die Treppe, die derzeit ins Obergeschoss führt, soll verschwinden. Eine Art Bodeneinschubtreppe sei vorgesehen, um theoretisch ins Obergeschoss gelangen zu können. Die Fassade soll energetisch saniert werden, dabei sollen auch die Fenster im Obergeschoss berücksichtigt werden. Thermisch sollen die Geschosse getrennt betrachtet werden. Eine Lösung müsse noch für das wegfallende öffentliche WC gefunden werden, erklärte Jürgen Heckel. Eine Container-Lösung werde angestrebt.
Rund anderthalb Millionen Euro sind für das Projekt angesetzt. 500.000 Euro davon sind bereits im laufenden Haushaltsjahr eingestellt. Eine hohe Förderung steht außerdem in Aussicht.
Bernhard Kisch (CSU) bat darum, sich den Eingangsbereich mit fast 50 Zentimetern Höhenunterschied nochmals anzuschauen. Er bat, zu prüfen, ob man ihn von vornherein so anlegen könne, dass keine Rampe nötig werde.
Kisch bedauerte zudem, dass das erste Obergeschoss ungenutzt bleiben soll. In dem Grundriss stecke sicherlich schon viel Planung, deshalb finde er es schade, dass es nicht gelingt, es zu erschließen. „Das tut wirklich weh. Ich bitte, alles daran zu setzen, zu prüfen, ob eine Erschließung nicht doch noch möglich ist.” Das sah auch Matthias Oberth (SPD) so. Schwer vermittelbar sei es, ein ganzes Stockwerk leerstehen zu lassen.
Münch versprach, das Anliegen nochmals mitzunehmen. Sie betonte allerdings, dass Alternativen für die Treppe untersucht worden seien. „Dieser Grundriss ist quadratermetermäßig mit der Lebenshilfe Spitz auf Knopf gerechnet.” Die Deckenhöhe sei hoch, weshalb die Treppenabwicklung sehr lange sein würde. Die Konsequenz wäre, einen Raum wegzulassen. Heckel schätzte zudem, dass man den Turm wahrscheinlich irgendwann sowieso brauchen werde. Denn auch ein WC-Container sei keine Dauerlösung.
Der Stadtrat entschied letztlich einstimmig, die vorgestellte Planung weiterzuverfolgen, die Gelder einzustellen und beauftragte die Verwaltung, weitere Gespräche mit dem EBA, dem Landratsamt und der Städtebauförderung zu führen.