Mit einer zusätzlichen Station zu dem Ökumenischen Projekt wollen Sabine Nollek und Tina Bönsch ein strahlendes Signal setzen.
Vom Dunkel ins Licht, vom Grab in den Himmel oder gar „per aspera ad astra“ – für das, was sich im christlichen Verständnis in diesen Tagen vollzieht, gibt es viele Umschreibungen. Eine passende Bildsprache haben die Dinkelsbühler Künstlerinnen Sabine Nollek und Tina Bönsch gefunden. Mit ihrer 15. Station haben sie den Abschluss des Ökumenischen Kreuzwegs geschaffen.
Was eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit ist, denn üblicherweise zählt ein Kreuzweg 14 Stationen. Doch in Dinkelsbühl geht man einen eigenen Weg. Wie Sabine Nollek im Gespräch mit der FLZ berichtet, sei es der Wunsch der beiden Geistlichen, Pfarrer Joachim Pollithy und Dekan Uland Spahlinger, gewesen, dass der Ökumenische Kreuzweg nicht mit dem Grab, sondern mit einem Zeichen der Hoffnung endet. Oder wie es Pfarrer Pollithy formuliert: „Wir wollen zum Ausdruck bringen, dass Jesu Weg hier nicht zu Ende ist.“ Die Hoffnung soll größer sein als das Leiden.
Und sie wird in Dinkelsbühl vor allem strahlend hell sein. Anders als bei den Kreuzwegstationen eins bis 14 wird es von der 15. Station zwei Versionen geben. Schließlich will – in guter ökumenischer Tradition - sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche jeweils mit einem farbenprächtigen Auferstehungsgemälde bedacht sein. Das gelb-weiße Bild wird im Münster St. Georg zu sehen sein, das orangefarbene wird seinen Weg in die St. Pauls-Kirche finden. Im katholischen Münster soll das Bild an einer Säule rechts vom Eingangsbereich angebracht werden, in der evangelischen Kirche soll es unter die Kanzel gestellt werden, wo es am Ostersonntag enthüllt werden wird.
Entstanden sind die beiden großflächigen Arbeiten im Atelier der Künstlergruppe Art + Farbe im Alten Bauhof in Dinkelsbühl. Auf dem Boden an ihrem Bild kniend spricht Sabine Nollek von der ungeheuren Energie, die aus dem Grab in den Himmel oder den Kosmos führt. Dass ein Toter auferweckt wird, habe es noch nie gegeben. Sie ist fasziniert von der Idee, dass dieser Kreuzweg nicht mit dem Grab, sondern mit der Hoffnung enden soll.
Ursprünglich war für die 15. Station ein anderer Künstler vorgesehen, der dann aber abgesagt hat. Als dies vor wenigen Wochen auf der Vernissage bekannt gegeben wurde, hatten Sabine Nollek und ihre Künstlerkollegin Tina Bönsch offenbar den selben Gedanken. „Wir haben uns nur angeguckt und hatten wohl sprechende Köpfe.“ Jedenfalls wurden die beiden sogleich von Dekan Uland Spahlinger angesprochen und verpflichtet.
Die Künstlerinnen kennen sich schon seit mehr als 20 Jahren. „Wir sind uns malerisch vertraut“, sagt Sabine Nollek und so habe man beschlossen, die beiden Acrylbilder in einer Gemeinschaftsarbeit zu malen. Was nicht mit jedem Menschen möglich wäre, wie sie sagt. „Wir konnten es zulassen“, ergänzt Tina Bönsch, die in diesem ökumenischen Malerinnenduo quasi die katholischen Farben hochhält, während Sabine Nollek zur evangelischen Seite zählt.
Die 14 Stationen des ökumenischen Kreuzwegs waren in der Passionszeit an mehreren Orten in der Altstadt zu sehen. Ab Ostersonntag werden sich die Dinkelsbühler und Dinkelsbühlerinnen selbst ein Bild davon machen können, ob die malerische Umsetzung des österlichen Ereignisses gelungen ist.