„Wir werden vernachlässigt”: Gefrustete Bürger in Lipprichhausen | FLZ.de

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„Wir werden vernachlässigt”: Gefrustete Bürger in Lipprichhausen

Die Kosten für den renovierten und jüngst eingeweihten Jugendraum in Hemmersheim waren unter anderem Thema bei der Bürgerversammlung in Lipprichhausen. (Foto: Gerhard Krämer)
Die Kosten für den renovierten und jüngst eingeweihten Jugendraum in Hemmersheim waren unter anderem Thema bei der Bürgerversammlung in Lipprichhausen. (Foto: Gerhard Krämer)
Die Kosten für den renovierten und jüngst eingeweihten Jugendraum in Hemmersheim waren unter anderem Thema bei der Bürgerversammlung in Lipprichhausen. (Foto: Gerhard Krämer)

Zufriedenheit sieht anders aus: Bei der Bürgerversammlung in Lipprichhausen machten einige Bürger ihrem Unmut Luft. Ein Vorwurf: „Die Gemeinde tut nichts!“

Für die vier Ortsteile von Hemmersheim gibt es immer wechselnd zwei Bürgerversammlungen, heuer machte Lipprichhausen den Auftakt, der zweite Ort ist in diesem Jahr der Hauptort Hemmersheim selbst.

Knapp eine dreiviertel Stunde lang trug Bürgermeister Karl Ballmann an diesem Abend die Abschlusszahlen aus dem Haushalt 2023 vor. Zu einzelnen gab es kurze Hinweise. Die 23.467 Euro an Zuschüssen bei den Ausgaben im Verwaltungshaushalt für die auswärtigen Kindergärten wurden gleich hinterfragt. Dies sei der Betrag für zwei Kinder, die einen anderen Kindergarten als den in Hemmersheim besuchten, erläutere Ballmann. Erst als Gemeinderat Manuel Lehner vorrechnete, dass für jedes Kind im eigenen Kindergarten eine vergleichbare Summe bezahlt werde, war dieses Thema erledigt. Doch das nächste folgte zugleich.

Ein „unter anderem“ sorgt für Diskussion

Diesmal ging es um 26.639 Euro für Investitionen in gemeindliche Anwesen. Als Hinweis stand hinter der Summe „Jugendraum unter anderem“. Doch das „unter anderem“ wurde überlesen, als sich ein Besucher aufregte, dass für den Jugendraum in Hemmersheim so viel Geld da sei, für einen Maibaumständer in Lipprichhausen keines. Auch hier bedurfte es einer längeren Erklärung, dass nämlich der Jugendraum über das Regionalbudget gefördert worden sei, in der Gesamtsumme Aufwendungen für das Gebäude enthalten seien, das auch von der Feuerwehr genutzt werde. Bürgermeister-Stellvertreter Bernhard Breunig bat, dass die Jugend diesmal den Antrag beim Regionalbudget einreichen solle. Er versicherte, dass, wie auch immer, im nächsten Jahr eine Aufstellhilfe vorhanden sein werde.

Als Ballmann die Schlussbemerkungen des diesjährigen Haushalts verlesen und darauf hingewiesen hatte, dass der Vermögenshaushalt vor allem durch die Kosten für die Überarbeitung der Abwasserentsorgungseinrichtungen, des Breitbandausbaus, der Sanierung von Gemeindeverbindungsstraßen, der Anschaffung eines Feuerwehrautos, der Kanalsanierung in Hemmersheim sowie der Umgestaltung des Areals „Am Riesenberg“ in Hemmersheim geprägt sei, legten die Zuhörenden los.

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Wie geht's mit den Kläranlagen weiter?

Da war zunächst die Frage, wohin der Weg bei den Kläranlagen führt. „Die in Auftrag gegebene Studie deutet darauf hin, dass es nach Winterhausen geht“, erklärte Ballmann. Zum Glück gebe es Zuschüsse für das Projekt. Ein Bürger konnte wieder beruhigt werden, nachdem er sich beschwert hatte, dass jetzt nach der Dorferneuerung wohl wieder alles aufgegraben würde. Das Kanalnetz bleibt aber unberührt.

„Was spricht dagegen, dass das Abwasser in einem Güllebehälter nach Winterhausen gefahren wird?“ wollte ein Bürger wissen und sorgte damit für ungläubiges Staunen. Dazu sagte ein anderer Bürger: „Mit einem Lastwagen? – Das ist jenseits von Gut und Böse.“ In dieser Form sei das wohl auch nicht zulässig und kaum machbar, wenn man zum Beispiel an Starkregenereignisse denke, hieß es.

Bewohner zählen zahlreiche Mängel auf

Angesprochen wurde beim Wegebau die schlechte Ausführung, die einer Korrektur bedürfe. Ebenso bemängelt wurden nicht ausgeputzte Gräben, nicht aufgestellte Parkbänke, verschmutzte Straßen, die Missachtung des Lastwagen-Durchfahrtsverbots oder die Parkplatzsituation beim Arzt.

Heftige Kritik übte ein Bürger: „Wir werden von der Gemeinde vernachlässigt.“ Er begründete dies damit, dass noch immer ein Kinderspielplatz in Lipprichhausen fehlt. Zudem würden andere sagen, wie schlampig es in der Gemeinde aussieht. „Warum haben wir keinen Gemeindearbeiter?“, fragte er. Eine Frage, die auch andere stellten. Der fehlende Gemeindearbeiter war auch Thema beim Winterdienst, der nach Ansicht einer Bürgerin mehr als schlecht gelaufen sei. Ballmann wies darauf hin, dass dann ein Bauhof aufgebaut werden müsste. Und diese wiederum koste sehr viel Geld.


Von Gerhard Krämer
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