Mit den warmen Frühlingssonnenstrahlen endet auch für die Karpfen die Winterruhe. Nachdem sie die kalten Monate in Winterungen verbracht haben, werden sie nun nach und nach in ihre Sommerteiche umgesetzt.
700 Fische in 20 Minuten. „Keiner schwimmt oben, das ist gut gelaufen“, Teichwirt Harald Siller lässt seinen Blick zufrieden über den Pfaffenweiher bei Ansbach gleiten. Unter der sich vom Wind leicht kräuselnden Wasseroberfläche sind hier gerade seine K2-Karpfen abgetaucht. K2 steht für „zweisömmrige Karpfen“. Diese Tiere haben also bereits zwei Sommer gelebt.
Ihren dritten, der sie zum K3 macht und damit zum Karpfen, der in Franken im Herbst als Speisefisch auf den Tellern landet, werden sie hier im Pfaffenweiher verbringen.
In zwei großen Wasserbottichen hat Harald Siller, der nicht nur Teichwirt, sondern auch Obmann der Weihergemeinschaft Ansbach ist, die Fische aus ihrer Winterung hierher transportiert. Rasch und in kleinen Portionen hat er sie mit dem Netz von den Bottichen in den Weiher umgesetzt.
Die Lufttemperatur beträgt an diesem Tag um die acht Grad. „Das ist optimal“, freut sich Siller. 15 bis 20 Grad wären ungünstiger, denn in der Wärme könnten die Schleimhäute der Fische austrocknen. Die Winterung, aus der Siller seine Tiere gerade geholt hat, ist ein Teich, der etwas kleiner, aber dafür tiefer ist als ein Sommerteich. Das tiefe Wasser friert auch bei Frost am Grund nicht zu. „Bei den niedrigen Temperaturen bewegen sich die Karpfen wenig“, erklärt Siller. Dicht gedrängt ruhen sie am Teichboden. Im Idealfall ist die Winterung auch mit einem Netz überspannt, um die ruhenden Fische vor Fressfeinden zu schützen.
Die Teiche, in denen die Karpfen den Sommer über geschwommen sind, lagen in den vergangenen Monaten größtenteils ohne Wasser da. „Es ist optimal, wenn sie komplett abtrocknen und es kein stehendes Wasser gibt“, so Teichwirt Siller.
Unerwünschte Gelege von Kleinstlebewesen oder auch Algen und Keime werden durch das Ablassen minimiert. „Das UV-Licht ist das beste Desinfektionsmittel“, ist der Obmann der Weihergemeinschaft überzeugt.
Damit er im Sommer den kompletten Teich gut im Blick hat, hat er auch die Vegetation an den Uferrändern ausgedünnt. Sollten Fische wegen Krankheiten, Wasserverunreinigungen oder anderen Problemen sterben, ist das Ufer frei – und die verendeten Tier werden sofort entdeckt.
„Man muss die Vegetation im Griff haben, sonst verlandet der Teich“, sagt Siller. Um dem Verlanden vorzubeugen, wird im Winter außerdem überschüssiger Schlamm aus dem Teich entfernt.
Nachdem die Teichwirte ihre Flächen gereinigt und vorbereitet haben, wurden diese in den letzten Wochen nach und nach wieder „bespannt“. Will heißen: Es wurde Wasser eingelassen. Im Idealfall passiert das einige Wochen bevor die Fische eingesetzt werden. „Dann kann sich Plankton entwickeln, den die Karpfen dann direkt fressen können“, erläutert Harald Siller.
Besonders hungrig sind die Fische jetzt aber noch nicht. Nachdem sie Monate quasi ohne Bewegung verbracht haben, zehren sie noch von ihrem Fett, beziehungsweise ernähren sich von dem, was sich in ihrem frisch eingelassenen Sommerquartier schon entwickelt hat.
In den kommenden Tagen werden sie dann angefüttert. Teichwirt Harald Siller wird seinen K2 dann eine Wanne Futter ins Wasser stellen. Verfeinert mit ein bisschen Vanillezucker. Denn kleine Karpfen lieben – ganz ähnlich wie kleine Kinder – Süßes.