Zur Gesellschafterversammlung trafen sich unlängst die Anteilseigner des Windparkes Hemmersheim. Rund 80 Prozent der Eingeladenen waren gekommen – und wurden von den beiden Geschäftsführern Otto W. Gillig und Kilian Lesch mit aktuellen Zahlen versorgt.
Die beiden Firmen, die Naturkraft Gollachtal GmbH&Co.KG und die größere WFBE GmbH&Co.KG (WestFränkische BürgerEnergie), sind Bürgergesellschaften mit einem Eigenkapitalanteil von 55 Prozent, der von insgesamt 228 Personen (Kommanditisten) eingebracht wurde. Diese kommen aus der Region, von Neustadt bis Bad Mergentheim.
2022 war laut den Wetterbeobachtungen in Sachen Windaufkommen ein 92-Prozent-Jahr, also etwas unterdurchschnittlich. Der Windpark Hemmersheim mit seinen drei Maschinen hat laut Gillig und Lesch trotzdem 19 Millionen Kilowattstunden sauberen Strom produziert – rund acht Prozent über Plan. Das entspricht in etwa dem Stromverbrauch von 6000 Privat-Haushalten.
Deswegen und wegen der allgemein hohen Energiepreise war die Kassenlage beider Gesellschaften durchgehend gut und es gab zusätzliche Ausschüttungen. Die Gesellschafter erteilten den Geschäftsführungen einstimmig die Entlastung. Die Gemeinde Hemmersheim bekommt darüber hinaus eine Nachzahlung bei der Gewerbesteuer in Höhe von rund 260.000 Euro für das Jahr 2022.
Die Geschäftsführer erläuterten den Strommarkt des vergangenen Jahres. Wegen des Darniederliegens der französischen Atomstromproduktion und dem Ukrainekrieg glichen die Börsenpreise einer Achterbahnfahrt. Ab Oktober beruhigten sie sich und sind seitdem auf einem Normal-Niveau mit nur noch geringen Ausschlägen. Zudem wurde vom Gesetzgeber ab Dezember die Übererlösabschöpfung eingeführt, so dass die Gesellschaften zusätzliche Einnahmen grösstenteils abführen müssen.
Leider blinken die Windenergieanlagen nachts noch immer, so Gillig und Lesch. Die Maschinen selbst seien zwar bereits seit einem Jahr für die bedarfsgerechte Befeuerung (BNK) umgerüstet und die Genehmigung des Luftamtes liege vor. Aber wegen der angespannten Beschaffungslage bei Elektronikteilen konnte die Bereitstellung der Abschaltsignale, und die dafür erforderliche komplizierte Überwachung und Berechnung, bislang nicht installiert werden. Bis zum Herbst soll dies aber erfolgt sein.
Nach den Worten der Geschäftsführer seien die häufigen Abregelungen durch den Verteilnetzbetreiber „ein großes Ärgernis“. Weil der es versäumt habe, sein Netz zu verstärken, müssten nun, selbst an Werktagen und wenn wenig Sonne scheint, die Windräder abgeregelt – also vom Netz genommen – werden. Und dies geschehe, obwohl anderswo in Deutschland Gas und Kohle zur Stromerzeugung verfeuert werden.
Dessen ungeachtet und in der Hoffnung auf einen Ausbau der Netze plant Kilian Lesch für die WFBE die Erweiterung des Windparks nach Osten. Eine entsprechende Anfrage liege dem regionalen Planungsverband Mittelfranken vor.
Wie in den Vorjahren wurden auch in 2022 wieder gemeinnützige Aktivitäten in den umliegenden Gemeinden unterstützt. Partner war diesmal der Museumsverein Frauental. Im Klostermuseum wurde eine Stube zur Erinnerung an die Exulanten eingerichtet. Das waren über 100.000 evangelische österreichische Bürger die von 1590 bis 1670 von ihren katholischen Landesherren vertrieben wurden. Viele davon durften sich auf Einladung des evangelischen Marktgrafen von Ansbach in unserem Gebiet, das durch den Dreissigjährigen Krieg stark entvölkert war, niederlassen. Offenkundig klappte die Integration gut.
Insgesamt läuft der Windpark Hemmersheim rund und es gibt keine Probleme mit den Bewohnern der Nachbarorte. Otto W. Gillig und Kilian Lesch führen dies auf das Geschäftsmodell zurück: Das Kapital kommt nur aus der Region, und die Wertschöpfung bleibt hier.