Viele Menschen wurde befragt, Wünsche und ausgemachte Defizite von Einzelhändlern, Fieranten, Ladenbesitzern und Kunden notiert und dann in den Gesamtkontext einer Studie gesetzt. Klar ist: Um Ansbachs Innenstadt zu beleben, ist ein Maßnahmenpaket erforderlich. Viel dreht sich dabei um die Identifikation der Bürger mit ihrer Stadt.
Im vergangenen Jahr war die in Aalen beheimatete Agentur Imakomm mit einer Bestandsaufnahme zu den Gegebenheiten in der Ansbacher City beauftragt worden. Diese daraus resultierenden Entwicklungsziele und Handlungsfelder wurden nun mit den Ergebnissen des Einzelhandelsentwicklungskonzepts (EEK) und den Erfahrungen der Citywerkstatt kombiniert.
Dabei ist die Kernaussage des Dienstleisters für das Innenstadtmanagement deutlich formuliert. „Ansbach hat die Herausforderung, ein neues Miteinander finden zu müssen“, hatte Jörg Markert, Chef von Imakomm, im Interview gegenüber der FLZ deutlich gemacht. Ein weiteres Defizit ist „die fehlende Profilierung der Innenstadt“. Auch und gerade im Vergleich mit der Strahlkraft des Brücken-Centers, wie Wirtschaftsförderer Christoph Albrecht ausführte.
„Es wird empfohlen, in der Innenstadt stärker räumlich-funktional zu denken, die Wegeverbindungen zu verbessern und Defizite in der Aufenthaltsqualität zu beheben“, fasste Albrecht in der Vorlage für den Haupt-, Finanz,- und Wirtschaftsausschuss zusammen. Ferner wurde festgestellt, dass „Besuchsgründe abseits des Einkaufens fehlen, die Menschen in die Innenstadt ziehen.“
Ein Innenstadtmanagement in Ansbach wird viele Aufgaben wahrnehmen müssen, stellte der Bericht fest. Als eine zentrale Herausforderung gilt „die Verbesserung der Wahrnehmung und die Identifikation der Bürgerschaft mit ihrer Stadt“. Ansonsten bestehen laut Gutachter „hohe Hürden für eine erfolgreiche Innenstadtentwicklung“.
Das Einzelhandelsentwicklungskonzept sieht als städtebauliches Instrumentarium Handlungsbedarf in der Stärkung der Einzelhandelslagen sowie der Sicherung und Stärkung des historischen Altstadtkerns.
Aus den Erfahrungen der Citywerkstatt, die Prototypen-Projekte aus der Bürgerschaft etabliert, zeigt sich laut Albrecht, wie wichtig auch der Blick von außen ist. Der Empfehlung der Agentur sowie des EEK folgend, beantragte Albrecht im Ausschuss, die Ausschreibung der Innenstadtmanagement-Leistungen für einen Zeitraum von drei Jahren mit einem Gesamtvolumen von 600.000 Euro.
„Leute, die sich mit Ansbach identifizieren, finden wir auch in Ansbach“, votierte Offene-Linke-Stadtrat Uwe Schildbach für die Schaffung dieser Stelle in der Verwaltung. Diesen Plan hatte einst Oberbürgermeister Thomas Deffner (CSU) verfolgt, hatte bei seinen Parteifreunden dafür aber keine Mehrheit gefunden. „Davon bin ich aber abgekommen. Ein Mitarbeiter bei der Stadt wäre nur ein Prellbock“, liefe es nicht nach Wunsch, meinte der OB.
Hans-Jürgen Eff (Die Ansbacher) spielte auf Versäumnisse der Stadt in der Vergangenheit an, die bei diversen Innenstadtakteuren für Frust gesorgt hätten. „Viele wollen gar nicht mit der Stadt reden“, befand Eff und sprach sich für einen Nicht-Ansbacher Innenstadtmanager aus: „Der Externe bekommt klare Vorgaben. Der kann nicht machen, was er will.“ Zudem wurde Wirtschaftsförderer Christoph Albrecht von mehreren Stadträten in die Pflicht genommen, als Ansprechpartner des City-Managers zu fungieren.
Während Grünen-Stadträtin Meike Erbguth-Feldner einen Kümmerer favorisierte, vor teuren Doppelstrukturen warnte und die Bedeutung der Aufenthaltsqualität hervorhob, sahen sich die Stadtrats-Recken Friedmann Seiler (ÖDP) und Hannes Hüttinger (BAP) an die Vergangenheit erinnert. „Solche Vorträge habe ich schon zwei Dutzend Mal gehört“, meinte Hüttinger, während Seiler das „Prinzip Hoffnung“ bemühte.
Dr. Paul Kupser (Freie Wähler) benannte mit Gregor Heilmaier, Moderator der Citywerkstatt, bereits einen Wunschkandidaten für den Job. Über die finanziellen Folgen für die Kommune, deren Haushalt eine Unterdeckung aufweist, machte sich Martin Porzner (SPD) Gedanken. „Wie machen wir das, wenn die Mittel nicht vorhanden sind?“
Kämmerer Christian Jakobs verwies dabei auf den Kosten-Nutzen-Effekt. Wolle man „einen schnöden Beamten als Innovationstreiber oder jemanden, der derartige Projekte schon erfolgreich gesteuert hat?“ Gegen zwei Grünen-Stimmen sprach sich der Ausschuss für einen externen Experten aus. Die Entscheidung obliegt dem Stadtrat.