Monatelange Trockenheit auf der einen, schlagartiger Starkregen und Hochwasser auf der anderen Seite. Die Nachrichten von immer extremer werdenden Wetterphänomenen haben sich in den vergangenen Jahren gehäuft. Auch die Kommunen in Westmittelfranken sind davon betroffen.
Zu diesem Spannungsfeld referierte in der Ansbacher Feuerbach Akademie Thomas Keller, der Leiter des Ansbacher Wasserwirtschaftsamts. Die Behörde betreut in Fachfragen rund um das Thema Wasser die Stadt Ansbach und die Landkreise Ansbach, Neustadt/Aisch-Bad Windsheim und Weißenburg-Gunzenhausen.
Durch den Klimawandel gibt es laut Keller immer häufiger lokale Niederschlagsgebiete mit Starkregen. Dies führt immer öfter zu Hochwassern in Gebieten, die vor Jahren noch niemand für gefährdet gehalten habe. Keller erinnert in diesem Zusammenhang an das schwere Hochwasser im Mai 2016, als es vor allem über Obernzenn und Flachslanden nicht mehr aufhörte zu regnen: „Das war eine Monsterwolke, die sich einfach nicht vom Fleck bewegt hat. Für die Kommunen hier in der Region war das etwas völlig Neues. Flachslanden hätte ich vorher nie als potenzielles Hochwassergebiet angesehen“, gibt der Behördenleiter zu.
Keller verweist auf die Hinweiskarte „Oberflächenabfluss und Sturzflut“, die seit wenigen Wochen online abrufbar sei. Diese soll zeigen, an welchen Stellen lokale Überflutungen infolge von Starkregenereignissen wahrscheinlich sind.
Damals stand auch der Sonnensee nahe Flachslanden im Fokus. Dort hatte es laut Keller Unmengen an Wasser hineingedrückt. Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks mussten stundenlang abpumpen, anderenfalls wäre der See wohl übergelaufen. Für das nur wenige hundert Meter entfernte Kettenhöfstetten hätte das fatale Folgen haben können. Doch die Situation am Sonnensee bezeichnete Keller als „Riesenproblem, das auch heute noch nicht gelöst ist“. Der Weiher verfüge nach wie vor über keine Hochwasserentlastung.
Grundsätzlich seien Hochwasser nicht vermeidbar. „Auch hundertprozentigen Schutz gibt es nicht. Es kann immer etwas passieren, das über das hinaus geht, was es bisher gab“, verdeutlicht Keller. Ziel müsse es aber sein, die Schäden so gering wie möglich zu halten.
Besonders problematisch für Kommunen sei es, wenn nach einem Hochwasser der Schlamm in die Kanalisation eindringt. „Da muss man schnell handeln, sonst bekommt man den dort nie wieder heraus“, sagt Keller.
In Westmittelfranken gibt es laut dem Behördenleiter außerdem eine weitere Problematik: Während sich großflächige Hochwasserereignisse an großen Flüssen oft mit mehreren Tagen Vorlauf ankündigen, steigt das Wasser der Fränkischen Rezat oder der Zenn im Ernstfall deutlich schneller. „Wir haben hier einen Vorlauf von vier bis sechs Stunden. Da reichen mobile Elemente nicht aus“, so Keller. Aus diesem Grund werde der Hochwasserschutz beispielsweise in Ansbach nun auch „massiver ausgebaut“ als zunächst geplant.
Keller befürchtet allerdings, „dass es beim Warnen Grenzen gibt“. So sei zum Beispiel das Hochwasser in Obernzenn im Juli 2021 so schnell da gewesen, dass die Warnmeldestufen gar nicht mehr ausgelöst werden konnten. Wichtig sei daher neben der Warnung im Ernstfall, dass die Kommunen präventiv denken und bei der Bevölkerung ein Bewusstsein für die Gefahren schaffen. Keller wünscht sich hier auch eine verstärkte interkommunale Zusammenarbeit, „denn das Wasser bleibt nicht an der Gemeindegrenze stehen“. Im Kampf gegen den Klimawandel hofft er auf eine gesamtgesellschaftliche Kraftanstrengung: „Wir werden diesem Thema nicht Herr werden, wenn nicht jeder seine Scheuklappen abnimmt, auch der Staat.“
Auch wenn Hochwasser oft zu deutlich dramatischeren Bildern führt: Die zweite große Herausforderung, die Dürre, wird laut Keller in Zukunft wohl ein noch größeres Problem darstellen. Denn während Hochwasser lokal auftreten, gibt es inzwischen immer häufiger Sommermonate mit flächendeckender Trockenheit in fast ganz Deutschland.
Dürre betreffe daher alle Menschen, vor allem natürlich dann, wenn das Grundwasser knapp wird und bei Waldbränden. Auch auf die Landwirtschaft kann sie verheerende Auswirkungen haben.
Immerhin gab es diesbezüglich vergangenes Jahr ausnahmsweise einmal gute Nachrichten: Die Grundwasserbestände haben sich durch den vielen Regen gut erholt. Michael Menke, Fachbereichsleiter Wasserversorgung und Oberflächengewässer am Wasserwirtschaftsamt Ansbach, erklärt dazu: „2023 war zwar nass, aber auf lange Sicht sieht man beim Grundwasser eine klar sinkende Tendenz.“
Westmittelfranken gehört dabei zu den niederschlagärmsten Regionen Bayerns. Besonders gefährdet ist in trockenen Jahren der Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim. Dort gibt es laut Behördenleiter Keller eine „verdammt niedrige Grundwasserbildung“.
Laut einer Pressemitteilung des Bayerischen Umweltmininsteriums weisen aktuell nur noch zehn Prozent der oberflächennahen Grundwassermessstellen niedrige oder sehr niedrige Stände auf. Im März 2023 waren es noch 65 Prozent.
An der Messstelle Uffenheim-Hinterpfeinach gilt der Grundwasserstand aber selbst nach dem vielen Regen der vergangenen Monate aktuell immer noch als niedrig. Das liegt daran, dass es im Raum Neustadt und Bad Windsheim besonders wenig Niederschlag gibt. Außerdem versickert beispielsweise im Raum Uffenheim das Wasser in den dort auftretenden Tonböden nur sehr langsam.