Der bayerische Umweltminister Thorsten Glauber hat die Kurbel am Grundablass-Schieber im Damm des Hochwasserrückhaltebeckens Obernzenner See betätigt und die Hochwasserschutzeinrichtungen wieder in Betrieb genommen.
Denn damit wurden die Schieber am Grundablass wieder verschlossen, so dass das Wasser nun beginnt, sich aufzustauen. Bis zum Beginn der Badesaison wird voraussichtlich der frühere Wasserstand erreicht sein. Der genaue Zeitpunkt hängt von der Menge an Niederschlag in den kommenden Monaten ab. Da sich viele Bauwerke dauerhaft unter Wasser befinden, war für die Überprüfung und Sanierung die Trockenlegung des Stauraumes notwendig. Im Rahmen der umfassenden Überholung wurden etwa der Zustand und die Standsicherheit des Dammbauwerkes sowie des Massiv- und Stahlwasserbaus geprüft, die Grundablassleitung saniert und die Grundablassschieber sowie die 380 Meter lange Sickerleitung erneuert. Das Mess- und Kontrollsystem wurde ebenfalls modernisiert.
Außerdem wurden dem See 23.000 Kubikmeter Sediment entnommen – das entspricht einer Schlammhöhe von über drei Metern auf einem Fußballfeld. Das verbessert nach Angaben des Wasserwirtschaftsamts den ökologischen Zustand des Sees und der Zenn. Es erhöht sowohl das Rückhaltevolumen als auch die Betriebssicherheit der Stauanlage. Das entnommene Sediment wurde in Schlammpoldern entwässert und anschließend auf landwirtschaftlichen Flächen verwertet. Dafür hatten landwirtschaftliche Betriebe ihre Ackerflächen zur Verfügung gestellt.
An den Kosten der Sedimenträumung beteiligt sich die Marktgemeinde mit 25 Prozent. Die Kosten der Sanierung in Höhe von 1,15 Millionen Euro trägt der Freistaat Bayern. Die Politiker verschiedener Ebenen sowie die Behördenvertreter betonten die Bedeutung des Sees für den Hochwasserschutz der Ortschaften im Zenntal sowie die gute Zusammenarbeit aller Akteure. Vor allem der Markt Obernzenn und das Wasserwirtschaftsamt hätten konstruktiv an einem Strang gezogen, um die Sicherheit der Siedlungen für die nächsten Jahrzehnte zu gewährleisten. Der Leiter des Wasserwirtschaftsamts, Thomas Keller, dankte der Staatsregierung, dass diese sich der baulichen Erneuerung und Sicherheit des Damms verpflichtet fühle und bereit gewesen sei, sich finanziell zu engagieren.
Besonders Westmittelfranken müsse sich künftig verstärkt den Herausforderungen stellen, zum einen die Wasserversorgung und zum anderen den Hochwasserschutz sicherzustellen, hob Umweltminister Thorsten Glauber hervor: „Meist regnet es zu wenig, und dann schlagartig sehr viel in kurzer Zeit.“ Aus den Starkregen- und Hochwasserereignissen der vergangenen zehn Jahre habe man die richtigen Schlüsse gezogen und begonnen, nicht nur in Obernzenn eine Sanierung der Stauanlagen zu planen.
„Den eingeschlagenen Weg möchten wir in Bayern weitergehen. Dafür ist es uns gelungen, im Doppelhaushalt 2026/27 weitere Mittel für den Erhalt und den Ausbau des Hochwasserschutzes bereitzustellen.“ Auch die Wasser-Novelle, in deren Zuge der Hochwasserschutz als überragendes öffentliches Interesse definiert wurde, sei ein wichtiger Baustein.
Der stellvertretende Landrat Reinhard Streng wies darauf hin, dass es im Landkreis eine Vielzahl weiterer Hochwasserschutz-Einrichtungen gebe, für die oftmals allein die Kommunen zuständig seien. „Hier werden wir auch weiterhin auf Fördermittel angewiesen sein“, gab Streng den Vertretern der Landespolitik mit auf den Weg. Sehr zu schätzen wisse man die kompetente, fachliche Unterstützung des Wasserwirtschaftsamts. „Hier haben wir Ansprechpartner, die unsere Anliegen ernst nehmen und nach Lösungen suchen, die unseren Interessen entgegenkommen.“ Bürgermeister Reiner Hufnagel betonte die konstruktive Mitarbeit der Akteure und Menschen vor Ort. Der Fischereiverein habe die Entnahme der Fische durchgeführt und bereite aktuell die Wiederbesetzung vor. Die Landwirte hätten das Sediment auf ihren Flächen verwertet.
„Eine Badesaison musste komplett entfallen, aber auch die Bevölkerung hat großes Verständnis für die Notwendigkeit der Maßnahme gezeigt.“ Dies gelte besonders für die Betreiber der Gaststätte und des Campingplatzes, die aufgrund des eingeschränkten Naherholungswerts des Sees mit Einnahmeeinbußen zurechtkommen mussten. „Die Hochwasserschutzeinrichtungen als wichtiger Pfeiler der Sicherheit des Markts Obernzenn in den kommenden Jahrzehnten sind aber nun wieder voll funktionstüchtig.“