Wie ein griechischer Tempel thront die Walhalla über der Donau nahe Regensburg. Das Baudenkmal zieht mehrere hunderttausend Besucher im Jahr an. Die mächtigen Stufen rund um die Säulenhalle sind bei Ausflüglern ein beliebter Ort zum Sitzen und Verweilen. Die Aussicht ist nicht nur bei Sonnenuntergang eindrucksvoll. Die Stufen sind aber auch nicht ungefährlich. Es gibt kaum Geländer und an manchen Kanten geht es mehrere Meter in die Tiefe. Nach dem tödlichen Sturz eines Mannes im Juli 2025 hat die Schlösserverwaltung Absperrungen anbringen lassen. Ein umstrittenes Provisorium.
Die Frage nach Absperrungen auf der Walhalla ist eine Abwägung von Denkmalschutz, Sicherheit und Eigenverantwortung. Seit Jahren gibt es auf dem Steinboden rund um die Säulenhalle bereits eine weiße Linie, die Besucher nicht übertreten sollen. Schilder mahnen zur Vorsicht.
Seit vergangenem Sommer hängen nun zwischen den mächtigen steinernen Säulen weiße Ketten aus Kunststoff, daran baumeln in Plastik gefasste Warnhinweise: Achtung Absturzgefahr. Zusätzlich sind Metallgitter und weiß-rot gestreifte Warnbarken aufgestellt worden.
Auf diese Weise sollen die Besucher zusätzlich sensibilisiert werden, wie die Schlösserverwaltung vergangenen Sommer mitteilte. All diese Maßnahmen halten viele Besucher aber nicht davon ab, sich auf die Stufen zu setzen, die Beine - und vielleicht auch die Seele - ein wenig baumeln zu lassen. Sie steigen über die Kunststoffketten oder schlüpfen unten durch.
Wolfgang Vogel und Hans Sauerer, erster und zweiter Bürgermeister von Donaustauf, haben Verständnis dafür, dass die Sicherheit verbessert werden soll. Von den provisorischen Maßnahmen sind sie aber nicht überzeugt. „Die Besucher wollen hier sitzen und die Aussicht genießen“, sagen die beiden Kommunalpolitiker bei einem Ortstermin. In der Marktgemeinde sei der Tenor: keine Absperrungen an der Walhalla.
Sicherlich müsse man die steigenden Besucherzahlen berücksichtigen, sagt Wolfgang Vogel. An besonders gefährlichen Stellen könnten eventuell Geländer angebracht werden. Aber: „Sie müssen zum Bauwerk passen.“ Die Walhalla sei schließlich ein historisches Gebäude. „Es soll nicht aussehen wie auf einer Baustelle.“
Die Treppenstufen seien gerade für ältere Menschen nicht einfach zu gehen, räumt Hans Sauerer ein. Bei Nässe seien sie zusätzlich rutschig. Jedoch müsse man auch auf die Eigenverantwortung der Leute setzen. „Das ist wie im Gebirge. Man kann nicht alles abriegeln.“ Es gebe ein allgemeines Lebensrisiko. Ohne die Vernunft der Besucher müsste man die Walhalla schließen und dürfte die Menschen nur mit Führungen auf das Gelände lassen, ergänzt Vogel.
In den vergangenen Jahren gab es vereinzelt schwere Unfälle: 2020 starb ein 65 Jahre alter Mann, nachdem er auf einer Treppe das Gleichgewicht verloren hatte und drei Meter tief auf eine Terrasse gefallen war. Im selben Jahr stürzte eine 67-Jährige mehrere Meter tief und wurde schwer verletzt. Vergangenen Sommer verunglückte dann ein 32-Jähriger: Der Mann fiel am späten Abend rund achteinhalb Meter in die Tiefe, schlug auf einem Steinplateau auf und starb.
Kurz darauf initiierte das Finanzministerium eine Arbeitsgruppe mit Fachleuten aus Denkmalschutz, Bau, Justiz und Schlösserverwaltung. Ziel: mögliche Verbesserungen an der Walhalla unter baulichen und sicherheitstechnischen Aspekten zu evaluieren. Dabei soll der „herausragende Baudenkmalcharakter“ berücksichtigt werden.
Ein Ergebnis liegt noch nicht vor, wie die Schlösserverwaltung mitteilt: „Die Expertenkommission befasst sich intensiv mit der Thematik sowie verschiedenen Handlungsalternativen und trifft sich bedarfsabhängig.“
Nach „noch erforderlichen weiteren Vorklärungen und der anschließenden Abstimmung mit dem Landesdenkmalrat“ soll das Thema dem Landtag zur abschließenden Beratung und Entscheidung vorgelegt werden.
Die Walhalla wurde im 19. Jahrhundert im Auftrag von König Ludwig I. im klassizistischen Stil errichtet und gilt als eines der bedeutendsten deutschen Baudenkmäler seiner Zeit. Sie erinnert mit Büsten und Gedenktafeln an bedeutende Persönlichkeiten. In dem Ruhmestempel sind Kaiser und Könige, Künstler, Forscher und Politiker verewigt, darunter der Auftraggeber Ludwig I., der Dichter Johann Wolfgang von Goethe, der Komponist Richard Wagner, der Physiker Albert Einstein und die NS-Widerstandskämpferin Sophie Scholl.
Errichtet wurde der Bau durch den bevorzugten Architekten Ludwigs I., Leo von Klenze. Inspiriert ist das Gebäude von einem der berühmtesten Denkmäler Griechenlands, dem Parthenon auf der Akropolis in Athen. 1842 wurde die Walhalla eröffnet. Der Name bezieht sich nach Angaben der Schlösserverwaltung auf das gleichnamige Kriegerparadies der germanischen Mythologie.
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