Vor 500 Jahren: Bauern-Heer nahm Wassertrüdingen ein | FLZ.de

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Veröffentlicht am 05.05.2025 08:30

Vor 500 Jahren: Bauern-Heer nahm Wassertrüdingen ein

Beim Vorbereitungstreffen zum Jubiläum (von links): Gerhard Beck, Vorsitzender der Rieser Kulturtage, Schirmherr Dr. Ludwig Spaenle und Westheims Bürgermeister Herbert Weigel vor dem Brunnen am Westheimer Rathaus, den ein Bauernkriegskämpfer ziert. (Foto: Frieder Laubensdörfer)
Beim Vorbereitungstreffen zum Jubiläum (von links): Gerhard Beck, Vorsitzender der Rieser Kulturtage, Schirmherr Dr. Ludwig Spaenle und Westheims Bürgermeister Herbert Weigel vor dem Brunnen am Westheimer Rathaus, den ein Bauernkriegskämpfer ziert. (Foto: Frieder Laubensdörfer)
Beim Vorbereitungstreffen zum Jubiläum (von links): Gerhard Beck, Vorsitzender der Rieser Kulturtage, Schirmherr Dr. Ludwig Spaenle und Westheims Bürgermeister Herbert Weigel vor dem Brunnen am Westheimer Rathaus, den ein Bauernkriegskämpfer ziert. (Foto: Frieder Laubensdörfer)

Im Mai vor 500 Jahren hatten die Unruhen des Bauernkrieges auch den Hesselbergraum erreicht. So sammelte sich am 5. Mai 1525 ein Haufen primitiv bewaffneter Bauern aus der Region bei Obermögersheim. Die Aufständischen nahmen unter der Führung von Thomas Schmalz, dem Schmalzmüller, kampflos das Städtchen Wassertrüdingen ein.

Die Bauernkriege 1525 waren die erste Sozialrevolution auf deutschem Boden. Es ging um die Aufhebung des kleinen Zehnten und der Leibeigenschaft, um die freie Pfarrerwahl, die weitgehende Ablösung der Feudallasten, das Jagdrecht, die Waldnutzung und andere Erleichterungen, die die Bauern in Süd- und Mitteldeutschland, aber auch in angrenzenden Regionen der heutigen Schweiz sowie von Österreich und Frankreich forderten.

Die Aufständischen beriefen sich auf eine Schrift von Reformator Martin Luther über die „Freiheit eines Christenmenschen“ und auf die „Zwölf Memminger Artikel“, in denen die erwähnten Forderungen niedergeschrieben waren.

Kloster in Auhausen wird geplündert

Um sich gegen die Unterdrückung durch Landesherren, Adel und Kirchenmacht zu wehren, organisierten sich die Bauern, zum Teil unterstützt vom niederen Volk, einigen wenigen Adeligen und Städtern. Vom Schwarzwald über das Allgäu, Schwaben bis in das nördliche Ries breiteten sich die Unruhen aus und erreichten schließlich auch Franken.

Am 5. Mai vor 500 Jahren formierten sich die Hesselberg- und Hahnenkammbauern bei Obermögersheim. Nach der Einnahme Wassertrüdingens plünderten sie am Tag darauf zusammen mit Bauern aus dem Ries das Kloster Auhausen. Sie verwüsteten den für die Mönche vorbehaltenen Chorraum, nicht aber das für die einfache Gemeinde bestimmte Kirchenschiff. Die Bauern unterschieden also zwischen der kirchlichen Botschaft, von der sie sich Befreiung versprachen, und der als Unterdrückungsorgan erlebten Kirchenhierarchie.

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Vom Erfolg ermutigt, zogen die ungeordneten Haufen in Richtung Heidenheim, wo man dem dortigen Kloster ebenfalls einen „Besuch abstatten“ wollte. Angeblich führten sie 200 Wagen an Beutegut aus dem Kloster Auhausen mit.

Ritter Balthasar von Rechenberg seinerseits befürchtete, dass auch sein Herrschaftssitz, 700 Meter östlich von Ostheim gelegen, in Gefahr sein und von den Bauernhaufen „zerrissen“ werden könnte. Das veranlasste ihn, den Markgrafen von Ansbach um Hilfe zu bitten. Markgraf Casimir bewegte sich von Gunzenhausen mit seinen Soldaten in Richtung Hahnenkamm.

Der Markgraf griff ein

An der ersten Anhöhe des Hahnenkamms, kurz vor Ostheim, wurden die völlig unzureichend bewaffneten Bauern am 7. Mai 1525 von den Reitern des Ansbacher Markgrafengestellt. Trotz zahlenmäßiger Überlegenheit hatten die rund 8000 kampfunerfahrenen Landmänner gegen die gut bewaffneten und kriegserprobten Söldner keine Chance. Etwa 1000 Aufständische wurden von den Markgräflern sofort niedergemacht, andere ergaben sich, viele flohen in ihre Heimatdörfer.

Die Niederlage bei Ostheim markierte das Ende der Bauernkriege im schwäbisch-fränkischen Grenzland. Bezüglich der Größe der Bauernhaufen und der tatsächlichen Opferzahlen gibt es unterschiedliche Angaben. Noch Monate später wurde nach mutmaßlichen Teilnehmern gefahndet; es wurden harte Strafen verhängt.

Unter dem Eindruck der verheerenden Niederlage verhielten sich die Untertanen für die folgenden Jahrhunderte ruhig – die Revolution war gescheitert. Eine Verbesserung der Lebensverhältnisse stellte sich nicht ein. Erst 1807 wurde die Leibeigenschaft abgeschafft.

Veranstaltungen zum Thema:

Am Mittwoch, 7. Mai, erinnert die Gemeinde Westheim im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen an das historische Ereignis. Um 18 Uhr wird die neue Gedenkstätte am Gailbuck ihrer Bestimmung übergeben. Mit dabei ist Schirmherr Dr. Ludwig Spaenle, Bayerns Beauftragter für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus. Mit Mitteln aus dem Regionalbudget wurde die Gedenkstätte, die in den 1960er Jahren oberhalb des Schlachtfeldes unweit des Altmühl-Wörnitz-Radweges errichtet worden war, ertüchtigt. Die zentrale Gedenkveranstaltung findet dann am Sonntag, 11. Mai, statt. Sie beginnt um 9.30 Uhr mit einem Gottesdienst in der Marienkirche in Ostheim. Das Programm sieht im Weiteren ein historisches Schauspiel vor.


    Von Frieder Laubensdörfer
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