Vom Ei bis auf den Teller: Rundfahrt zeigt das Leben der Aischgründer Karpfen | FLZ.de

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Veröffentlicht am 03.12.2024 09:09

Vom Ei bis auf den Teller: Rundfahrt zeigt das Leben der Aischgründer Karpfen

Ein Karpfen im Netz: Drei Jahre müssen Aischgründer Karpfen heranwachsen. (Foto: Daniel Karmann/dpa)
Ein Karpfen im Netz: Drei Jahre müssen Aischgründer Karpfen heranwachsen. (Foto: Daniel Karmann/dpa)
Ein Karpfen im Netz: Drei Jahre müssen Aischgründer Karpfen heranwachsen. (Foto: Daniel Karmann/dpa)

Ehe die Karpfen in der Gaststätte auf dem Teller landen, haben sie ein Leben in mehreren Weihern hinter sich. Was in dieser Zeit alles passiert und wie der Lebensraum der Fische aussieht, das erklärt Museumsführer Erich Herndl seinen Gästen bei Weiherfahrten durch den Aischgrund.

„Wenn ihr das Fähnchen seht, denkt dran, was alles dahinter steckt“, sagt Erich Herndl den Teilnehmenden seiner Touren durch die Aischgründer Teichlandschaft. Seit etwa zehn Jahren leitet der 76-Jährige Busfahrten entlang von Karpfenweihern. Gedacht sind die Touren als Ergänzung zur Ausstellung im Karpfenmuseum in Neustadt. Hier arbeitet der Rentner auch als Museumsführer. „Es gibt einige gehbehinderte Gäste, die kommen schwer in den oberen Stock der Ausstellung. Damit sie trotzdem etwas über Karpfen erfahren, haben wir für sie die Weiherfahrten konzipiert“, erklärt Herndl.

Die Weiher sind im Aischgrund wie Perlen auf einer Kette

Eine Busfahrt dauert zwischen einer und drei Stunden. Die Route führt durch den Aischgrund von Neustadt (Landkreis Neustadt-Aisch/Bad Windsheim) bis nach Herzogenaurach (Landkreis Erlangen-Höchstadt). Da Karpfenteiche in der Regel Teil landwirtschaftlicher Betriebe sind, liegen sie häufig von der Straße uneinsehbar an abgelegenen Wirtschaftswegen. Um eine Tour zusammenzustellen, ist Erich Herndl zahlreiche Wege abgefahren. „Insgesamt gibt es in Mittelfranken rund 7000 Karpfenteiche. Würde man sie zusammenlegen, ergäbe das eine Wasserfläche, die etwa so groß ist, wie der Chiemsee“, so der Museumsführer. In seine Tour hat er die Weiherstücke aufgenommen, die ihn am meisten beeindrucken.

Von Neustadt kommend, biegt Erich Herndl bei Emskirchen Richtung Wald ab. Hinter der nächsten Kurve liegen zwei Karpfenweiher aneinandergeschmiegt. Hier beginnt einer Weiherkette – so wird es genannt, wenn sich mehrere Weiher aneinanderreihen – wie Perlen auf einer Kette. „Vom Laichen bis zum Fisch auf dem Teller ist es ein sehr aufwendiges Verfahren. Das ist vielen Menschen gar nicht bewusst“, meint Herndl.

Vom Laichteich bis zum Abwachsteich

Bei seinen Touren – nicht immer mit dem Bus, sondern auf Anfrage auch mit weniger Menschen im Pkw – legt er immer wieder Stopps an den Teichen ein und erzählt über die Fische. Dass das Leben der Karpfen als K0 im Laichteich beginnt, das „K“ für Karpfen steht und die Zahl dahinter für die Anzahl der Sommer, die die Fische im Teich verbracht haben, zum Beispiel. Von Sommer zu Sommer werden die Karpfen in unterschiedliche Gewässer umgesetzt. Vom Laichteich über Streckteiche bis sie nach ihrem dritten Sommer aus dem Abwachsteich abgefischt werden.

Viele Teiche, in denen verschiedene Karpfengenerationen leben und gelebt haben, liegen auf Herndls Tour. Man fährt über Sintsmannbuch, wo die längste Weiherkette auf über sieben Kilometer aufgefädelt ist. Besonders liebt er die malerische Weiherlandschaft rund um Gottesgab. Der Weiler liegt im Zentrum von Herndls Tour.

Gerade hat der Rentner die letzten Touren für dieses Jahr hinter sich gebracht. Im Frühling, wenn es wärmer ist, und wieder mehr Leben in der Natur, startet die neue Saison.

Jetzt im Winter kommen die Karpfen auf die Teller

Aktuell sind es immer mehr Teiche, die nach dem Abfischen den Winter über ausgelassen sind. Auch Lukas Jakob, Fischzüchter aus Rohensaas, hat schon abgefischt. Der 30-Jährige hat die Zucht von Christian Proske (82) übernommen. Wer Glück hat, trifft die beiden bei einem Tourenstopp mit Erich Herndl.

Rund fünf Millionen Karpfen im Jahr züchtet Christian Proske und verkauft diese als Satz- und Speisefische weiter. Abgelegt werden Karpfen in seinem Betrieb an Borsten, gewogen werden die kleinen Satzfische mit einem Teelöffel für den Weiterkauf.

Doch dieses Geschäft beginnt erst wieder im nächsten Frühjahr, wenn wieder Laichzeit ist. Jetzt, im Winter, kommen die Fische erstmal auf den Teller. Und wer weiß, was sie für einen Lebensweg hinter sich haben, kann den Preis auf dem Fähnchen gut nachvollziehen.

Kontaktdaten zu Erich Herndl für dessen Bustouren gibt es über die Internetseite des Neustädter Karpfenmuseums.

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