Manchmal muss man die Dinge groß denken – zum Beispiel, wenn es um erneuerbare Energien geht. Unter dieser Devise wollen sich vier Steigerwald-Gemeinden bei der Planung von Windkraftstandorten zusammentun: Markt Bibart, Oberscheinfeld, Baudenbach und Scheinfeld.
Mit dem Wind-an-Land-Gesetz soll bundesweit der Bau von Windkraftanlagen vorangebracht werden. Die Standortfragen sollen in Bayern dadurch gelöst werden, dass die Regionalverbände Vorrangflächen für Windräder bestimmen. Das Verfahren dafür läuft in der Region 8 Westmittelfranken derzeit. Bis spätestens Ende 2032 sollen 1,8 Prozent der Gesamtfläche entsprechend ausgewiesen werden.
Der Regionalverband möchte jedoch gerne schneller sein. Und dass das Tempo auch für die Wirtschaftlichkeit eine Rolle spielt, hatte Oberscheinfelds Bürgermeister Peter Sendner bereits Anfang des Monats in einer Bürgerversammlung erläutert. Für ihn wie auch für seine Amtskollegen geht es vor allem auch darum, die Wertschöpfung in der Region zu halten.
Für Windkraftprojekte ist zum einen der Planungsaufwand hoch, zum anderen kämpfen viele Vorhaben mit der Frage, wo der produzierte Strom eingespeist werden kann. Unter anderem um diese beiden Themen geht es bei der angestrebten Kooperation, für die am Mittwoch in Baudenbach eine Art Absichtserklärung gegeben wurde – bei einer nicht-öffentlichen Zusammenkunft der vier Ratsgremien. Mit dabei waren etwa auch ein Markt Erlbacher Windkraftprojektierer und die N-Ergie als Netzbetreiber für die hiesige Region. Denn bei der Zusammenarbeit will man möglichst alle mit im Boot haben, die ohnehin für solch ein Windkraftprojekt vonnöten sind.
Baudenbachs Bürgermeister Wolfgang Schmidt erhofft sich dadurch, dass die Verfahren „schlanker und effektiver“ über die Bühne gebracht werden können. Ferner setzt er auch auf Synergieeffekte beim Einkauf und der Wartung der Windräder.
Dabei geht es um eine gewaltige Hausnummer. Allein im Oberscheinfelder Bereich könnten es sieben oder acht Anlagen werden (dabei nicht mitgerechnet sind Pläne des Fürstenhauses Castell für fünf weitere Windräder bei Oberscheinfeld), hieß es in der dortigen Bürgerversammlung. Im Baudenbacher Bereich könnte es dem Vernehmen nach in eine ähnliche Größenordnung gehen, wobei Schmidt keine Auskünfte aus der nicht-öffentlichen Mittwochssitzung seines Rates gab und auf die öffentliche Ratssitzung Anfang Dezember verwies. In Markt Bibart wäre eventuell noch ein Windrad möglich, zusätzlich zu den bisher vier, künftig fünf am Enzlarer Berg, erklärte Bürgermeister Klaus Nölp.
Markt Bibart wäre aber voraussichtlich der Standort für ein zentrales Element des Kooperationsprojektes: Denn dort könnten die Anlagen ans Stromnetz andocken. Nölp sprach von einem Netzkuppler, sein Scheinfelder Amtskollege Claus Seifert von einem neuen Umspannwerk, „mehrere Fußballfelder groß“. Das Gesamtvolumen der Investitionen könne allein für den Anlagenbau in die Größenordnung von 150 Millionen Euro gehen, schätzte Seifert.
Er verglich das Stromnetz mit dem Verkehrsnetz. Dabei seien die „Landstraßen“, also das 20-Kilovolt-Mittelspannungsnetz, ziemlich dicht. Jedoch habe die Scheinfelder Region die Möglichkeit, sich direkt ans Höchstspannungsnetz anzuschließen, also an die „Autobahn“ unter den Stromleitungen. Dies wäre für einzelne Anlagen eher nicht machbar, in der geballten Form, die man als Zusammenschluss anbieten kann, ergäbe dies aber sehr wohl Sinn.
Die Überlegungen zu der Kooperation müssen nun zunächst durch die Ratsgremien der vier Kommunen. Voraussichtlich im Frühjahr könnte das Vertragswerk ausformuliert und in trockene Tücher gebracht werden. Bis das erste Windrad errichtet wird, werden aber noch etliche Jahre ins Land ziehen – schätzungsweise frühestens 2028, hieß es seitens der Bürgermeister.