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Veröffentlicht am 21.07.2023 13:14

Verein erfüllt letzte Wünsche todkranker Kinder und Jugendlicher

Eine Begegnung mit Thomas Müller wünschte sich Liam Maier. Der Fußballer erfüllte dem todkranken Kind diesen Wunsch. Auch Schwester Elaina freute sich über die Begegnung. (Foto: Gerd Hartmann)
Eine Begegnung mit Thomas Müller wünschte sich Liam Maier. Der Fußballer erfüllte dem todkranken Kind diesen Wunsch. Auch Schwester Elaina freute sich über die Begegnung. (Foto: Gerd Hartmann)
Eine Begegnung mit Thomas Müller wünschte sich Liam Maier. Der Fußballer erfüllte dem todkranken Kind diesen Wunsch. Auch Schwester Elaina freute sich über die Begegnung. (Foto: Gerd Hartmann)

Alexander möchte mit seiner Familie noch einmal zu Hause essen, Valentin einen Tag bei der Berufsfeuerwehr erleben, Achim nach einem Konzert den Künstler treffen, Victoria ein professionelles Model-Shooting erleben. Die Wünsche dieser Kinder sind höchst unterschiedlich, doch eines haben sie gemeinsam: Sie werden voraussichtlich nicht mehr lange leben.

Es geht um Kinder, um schwerkranke Kinder, um Träume und letzte Hoffnungen, um Erlebnisse, Sehnsüchte und den Kampf gegen die Angst vor dem Tod. Sich darum zu kümmern, das hat sich der Verein „TraumRitter“ vorgenommen. Vorsitzender ist der Neustädter Gerd Hartmann, der zusammen mit seiner Frau Lena die Idee hatte – sein Stellvertreter ist Stephan Vonderlind. Am Anfang ging es „nur“ ums Helfen, dann ging es um die Menschen der Region. „Auch hier gibt es viel Leid“, sagt der 34-jährige Hartmann

Ehrenamtliche unterstützen Ärzte, Pfleger und Therapeuten

Unter den rund 120.000 Menschen, die jährlich in Bayern sterben, sind etwa 7000 Kinder. Für die Region Würzburg, Erlangen und Bamberg werden sie und 144 Familien palliativ betreut, 96 Minderjährige erhalten Sterbebegleitung. Viele von ihnen, die im Kinder-Hospiz sind oder daheim gepflegt werden, haben ganz eigene, sehr persönliche Wünsche, erzählt Hartmann.

„Es gibt aber Dinge, die kann man mit Geld nicht kaufen. In anderen Fällen sind die bürokratischen Hürden einfach zu hoch, um sie erfüllen zu können“, erklärt der erfolgreiche Geschäftsmann, selbst zweifacher Vater. In solchen Fällen werden die „TraumRitter“ aktiv. Sie verfügen über gute Netzwerke, ein „Geht nicht“ lassen sie nicht gelten. Zum rund 30-köpfigen Team gehören unter anderem Personen des öffentlichen Lebens, aber auch medizinisches Fachpersonal wie Ärzte, Pfleger und Therapeuten.

Gute Erinnerungen für den letzten Abschnitt

Sie alle haben ein Ziel: Sie wollen Kindern und Jugendlichen die letzten Lebensphasen mit unvergesslichen Erinnerungen füllen und Barrieren einreißen. „Wir können die Situation nicht ändern, aber wir können etwas Bleibendes, Unbezahlbares hinterlassen“, sagt Gerd Hartmann.

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Dinge, die für die meisten Menschen selbstverständlich sind, sind für Schwerstkranke oft etwas Besonderes. Hartmann bewegt nach wie der Herzenswunsch von Alexander. Die Oberärztin, die ihn behandelt, rief ihn an und sagte, dass der Junge gerne an Weihnachten mit seiner Familie daheim essen würde. Doch einfach hinfahren und sich an den Tisch setzen – das war in Alexanders Fall längst nicht mehr möglich.

„Für ihn war es das schönste Geschenk“

Die Übernahme der Kosten des Spezialtransports hatte die Krankenkasse bereits abgelehnt, zudem stand kein entsprechendes Fahrzeug zur Verfügung. Die TraumRitter fanden ein Fahrzeug, fanden das Personal – fanden einen Weg, es möglich zu machen: Ehrenamtliche brachten das Kind zur Familie, Ehrenamtliche übernahmen den Rücktransport. „Für ihn war es das schönste Geschenk“, erinnert sich Hartmann.

Ein Mädchen, das an einem unheilbaren Gehirntumor erkrankt und bereits erblindet war, lebte mit ihrer Schwester in einem SOS Kinderdorf. Ihr Traum, Sängerin zu werden, ließ sich nicht erfüllen, aber der Wunsch, Karaoke zu singen. Dank einer Spielkonsole mit Karaoke-Funktion wurde dies möglich, auch die gesunde Schwester freute sich darüber. „Wir versuchen, auch die Geschwister einzubeziehen“, sagt Hartmann – die familiären Bande seien schließlich in dieser Situation oft die einzigen Sozialkontakte, die blieben.

Thomas Müller nahm sich nach dem Spiel viel Zeit

Gern denken Hartmann und seine Mitstreiter an Liams Begegnung mit dem Fußballer Thomas Müller zurück. „Er kam direkt nach dem Spiel und hat sich viel Zeit genommen.“ In einem anderen Fall schickte ein FC Bayern-Spieler eine Video-Botschaft nebst Trikot und von allen Spielern unterschriebene Autogrammkarten – das Größte für das kranke Kind.

„So was klappt im Fußball- und Musikbereich nur mit herausragenden Kontakten und Vitamin B“, so Hartmann. Folgerichtig würde sich der Verein über Frauen und Männer freuen, die Kontakte haben, über die nicht jeder verfügt – etwa zu Promis. „Melden Sie sich bei uns“, rührt Hartmann die Werbetrommel. Mit im Team ist übrigens bereits ein prominenter Name: Der langjährige Fußball-Bundesligatrainer Felix Magath.

Einmal im Lamborghini unterwegs

Ein Junge wünschte sich eine Spritztour im Lamborghini. Im Netzwerk fand sich der Eigentümer eines solchen Wagens und stellte sich spontan als Chauffeur zur Verfügung. „Die strahlenden Augen der Kinder nach der Erfüllung ihres Wunsches zu sehen, geht ans Herz“, sagt Hartmann und dankt all jenen, die sich für diese ungewöhnliche Wunscherfüllung ins Zeug legen. Stellvertretend nennt er auch eine Fotografin und eine Visagistin, die alles stehen und liegen ließen, um einem todkranken Mädchen einen Tag den Traum vom Model-Dasein zu erfüllen.

„Wichtig ist bei uns immer, dass es unbürokratisch und schnell geht.“ Denn eines haben die Kinder und Jugendlichen nicht – und das ist Zeit. Es sei schon vorgekommen, dass Kinder auf dem Weg zur Wunscherfüllung gestorben sind – Erlebnisse, mit denen Hartmann schwer zu kämpfen hat.

Neben Leuten mit guten Kontakten freut sich der Verein auch über finanzielle Unterstützung – zum Beispiel, um den Wünschewagen oder Gutscheine bezahlen zu können.

„Damit die Träume noch wahr werden können“

Was Hartmann und seine Mitstreiter tief beeindruckt, ist die Lebensfreude, die viele Kinder trotz ihres Schicksals haben. „Das motiviert uns zusätzlich.“ 24 Wünsche habe man seit Vereinsgründung den Fünf- bis 20-Jährigen bereits erfüllen können, aber „wir haben den Ehrgeiz, alles zu verwirklichen.“ Begleitet werden die TraumRitter dabei stets von Palliativ-Teams. „Sie tun ebenfalls alles Mögliche, damit die Träume noch wahr werden können.“

Etliche Familien meldeten sich bei den TraumRittern, nachdem Sohn oder Tochter gestorben waren, bedankten sich, für die Erfüllung des Herzenswunsches. Der Dank ist Hartmann nicht wichtig, doch jeder dieser Anrufe spornt ihn an. Überall zugleich kann der Verein allerdings nicht sein – aktuell beschränkt sich sein Wirkungskreis auf Nordbayern und die angrenzenden Regionen.

Wer Wunsch-Erfüller werden oder die TraumRitter mit einer Spende unterstützen möchte, kann sich unter www.traum-ritter.de melden.

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