Ungewöhnliche Häufung im Landkreis NEA: Gleich drei Losentscheide nach der Wahl | FLZ.de

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Veröffentlicht am 21.03.2026 10:00

Ungewöhnliche Häufung im Landkreis NEA: Gleich drei Losentscheide nach der Wahl

Bürgermeister Claus Seifert (links) zieht in seiner Funktion als Wahlausschussvorsitzender eines der Lose, die Georg Münich (rechts) vorbereitet und in eine Papiertüte geworfen hatte. Hans Müller, CSU-Vertreter im Wahlausschuss, beäugt den Vorgang. (Foto: Andreas Reum)
Bürgermeister Claus Seifert (links) zieht in seiner Funktion als Wahlausschussvorsitzender eines der Lose, die Georg Münich (rechts) vorbereitet und in eine Papiertüte geworfen hatte. Hans Müller, CSU-Vertreter im Wahlausschuss, beäugt den Vorgang. (Foto: Andreas Reum)
Bürgermeister Claus Seifert (links) zieht in seiner Funktion als Wahlausschussvorsitzender eines der Lose, die Georg Münich (rechts) vorbereitet und in eine Papiertüte geworfen hatte. Hans Müller, CSU-Vertreter im Wahlausschuss, beäugt den Vorgang. (Foto: Andreas Reum)

„Ich hab da mal was vorbereitet”, sagte Georg Münich augenzwinkernd bei der abschließenden Wahlausschuss-Sitzung in Scheinfeld und zückte zwei Handvoll Lose.

Der Wahlfachmann in der Scheinfelder Verwaltungsgemeinschaft war nominell zwar „nur” der Protokollant. Den Vorsitz in dem fünfköpfigen Gremium hatte eigentlich der scheidende Bürgermeister Claus Seifert. Aber weil ein Losverfahren keineswegs Alltag ist, assistierte Münich dem Gremium, das diese Woche das amtliche Endergebnis feststellte. Dazu gehörte: Wer zieht als zweites Grünen-Mitglied in den Stadtrat? Denn Nadine Sammetinger und Luise Fröhlich hatten beide dieselbe Stimmenzahl.

Der eher seltene Fall, dass bei einer Liste ausgerechnet beim letzten ihr zustehenden Sitz Stimmengleichheit herrscht, kam im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim diesmal gleich in drei Kommunen vor – neben Scheinfeld auch in Bad Windsheim und Wilhelmsdorf. In Bad Windsheim war die Gruppierung WiR betroffen. Dort lagen Dr. Wolfgang Stadler und Matthias Flory gleichauf. Das Los entschied am Donnerstagvormittag für Flory, der zusammen mit dem bisherigen Bürgermeister Jürgen Heckel und der WiR-Vorsitzenden Erika Löblein die auf drei Mitglieder geschrumpfte Fraktion vervollständigt. Allerdings hatte Stadtler ohnehin seinen Verzicht auf den Ratssitz bekundet.

In puncto Frauenanteil war die Sache in Scheinfeld klar

In Wilhelmsdorf fiel das Los auf Christian Ittner. Er hatte bei der Gemeinderatswahl am 8. März auf der Liste der Freien Wählergemeinschaft (FWG) genauso viele Stimmen wie Christine Wehr. Die FWG sind somit im neuen Rat mit genau den vier Ratsmitgliedern vertreten wie schon bisher. Dass der Zufall gegen Wehr entschied, hat auch zur Folge, dass der Anteil der gewählten Frauen im Wilhelmsdorfer Rat von bislang einem Drittel (der bisherige Top-Wert im Landkreis zusammen mit Langenfeld und Marktbergel) auf ein Viertel sinkt (das entspricht knapp dem Durchschnittswert).

In puncto Frauenanteil war die Sache in Scheinfeld von vornherein klar. Münich warf für jede der beiden Kandidatinnen fünf gleichartig gefaltete Lose (um jeglicher Spekulation über eine eventuelle Unfairness vorzubeugen) in eine Papiertragetüte. Seifert pflückte unter den Augen der übrigen Wahlausschussmitglieder und der gleich vier anwesenden Grünen (neben Fröhlich und Sammetinger auch Stefan Jordan und Alfred Munzert vom Ortsvorstand) ein Los heraus: Es fiel auf Fröhlich, die somit neben ihrem bereits sicheren Kreistagsmandat auch Stadträtin wird. Die beiden Kandidatinnen umarmten sich.

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Die Grünen und auch die Bad Windsheimer WiR-Liste waren im Übrigen noch von weiteren Losverfahren betroffen, ebenso die SPD und die Freien Wähler. Dabei ging es am Donnerstag in Neustadt um die Reihenfolge auf den Kreistagslisten. Allerdings standen nicht die Kreistagssitze infrage, sondern „nur” weiter hinten gelegene Nachrückerplätze. Auch für diese muss zur Feststellung des Wahlergebnisses eine Entscheidung getroffen werden, wie Kreiswahlleiter Matthias Hirsch unserer Redaktion erläuterte. Bei WiR ging es um die Plätze 26 und 27, bei der SPD und der FWG jeweils um die Plätze 38 und 39 sowie bei den Grünen um die Plätze 53 und 54. Realistische Chancen, tatsächlich in den Kreistag nachzurücken, hat keiner der betreffenden Platzinhaber.

Renate Hans (Lehrberg), Eileen Gillwald (Oberdachstetten) und Margarita Kerschbaum (Steinsfeld, von links) wünschen sich mehr Frauen in der Kommunalpolitik. (Foto: Thomas Schaller/Agnes Schächer/Simone Hedler)
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Das erste politische Gremium mit Frauenmehrheit

Neben Dr. Stadler in Bad Windsheim hat nach dem Kenntnisstand unserer Redaktion noch ein weiterer der 506 im Landkreis gewählten Ratsmitglieder seinen Mandatsverzicht erklärt: Dominic Stellmacher in Langenfeld. Er ist aktuell amtierender Rat für die Liste Freie Wähler/Dorfgemeinschaft (FW/DG) und wurde bei den Wahlen am 8. März in dem Ehrenamt bestätigt. Durch seinen Verzicht rückt nun jedoch Michaela Schmoranzer ins neue Gremium nach, ebenfalls eine bereits amtierende Rätin.

Das hat im Übrigen historische Folgen. Der Langenfelder Rat ist somit künftig mit je sechs Männern und Frauen besetzt. Da das Bürgermeisteramt künftig ebenfalls in weiblicher Hand – Anna Ebener – sein wird, ist Langenfeld das erste politische Gremium im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim mit einer Frauenmehrheit.

Der Wahlausschuss für Langenfeld stellte am Donnerstag die Zusammensetzung fest. Für die FW/DG ziehen in den zwölfköpfigen Rat demnach sieben Mitglieder ein: Michaela Hüttl, Martin Hecht, Christina Biedermann, Mona Teufel, Silke Schiefer, Sascha Lehmann und Michaela Schmoranzer – fünf Frauen und natürlich Anna Ebener als Bürgermeisterin. Die CSU stellt Wolfgang Huprich, Holger Hofmann, Martina Gundel-Stieb, Tobias Baumer und Johannes Köhler – eine Frau.

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