Auflagen, Auflagen, Auflagen: Beim Abwasser werden Städte und Gemeinden in die Pflicht genommen, müssen Millionen Euro investieren. „Es kommt immer mehr dazu, das macht mir Angst”, sagt Uffenheims Bürgermeister Wolfgang Lampe. „Sonst gehen die Kommunen irgendwann pleite.” Um das aufzuzeigen, lud er Carsten Träger ein.
Denn der ist als Parlamentarischer Staatssekretär schließlich Entsandter des Bundesumweltministeriums. Lampe hatte heimlich gehofft, dass der SPD-Mann vielleicht mit einem Koffer voller Fördergelder aufkreuzt. Aber den suchte er vergeblich. Trotzdem hörte Träger zu, fragte nach, während ihn Abwasser-Chef Witali Franz über die Uffenheimer Kläranlage führte – einmal den Weg des Abwassers nach, von der dreckigen Ankunft bis zur sauberen Ausleitung in die Gollach.
Dazwischen nutzt der Bürgermeister immer wieder die Gelegenheit, Sachverhalte anzusprechen, für die es aus seiner Sicht eine politische Lösung auf Landes- und/oder Bundesebene braucht. Das Wichtigste: „Unser Kanalnetz wurde großteils in den 1950er/60er Jahren gebaut. Das hält noch, aber sicher nicht mehr ewig”, betont Wolfgang Lampe.
Demnächst werde die Überrechnung der Kanäle wieder Thema im Stadtrat sein, alleine der Theorieteil samt Befahrung schlägt mit gut 250.000 Euro zu Buche. Und die Folgeinvestitionen für Kanalerneuerungen oder punktuelle Ausbesserungen kommen dann erst noch, je nach Ergebnis. Lampe zeigt sich sicher: Ohne Befunde werden die Kanal-Analysen freilich bei dem Alter nicht bleiben. Besonders in der Altstadt, so mutmaßt er, dürfte die Dimensionierung und Hydraulik der Rohre deutlich zu klein sein.
Der Bürgermeister macht klar, dass dieses Problem kein Uffenheim-eigenes sei. „Das trifft eigentlich fast jede Gemeinde.” Entsprechend hat Lampe eine große Bitte: „Da müssen von Bund und Land weitere Förderprogramme aufgelegt werden, sonst saufen die Gemeinden ab. Das muss nicht heute sein, nicht morgen, aber übermorgen.”
Vielerorts seien Abwassereinheiten in zentralen Kläranlagen zusammengefasst worden oder werden gerade zusammengefasst. Neue Druckleitungen werden gebaut, „aber die Freispiegel-Kanäle werden meist nicht angefasst und bleiben alt”. Das hole die Ratsgremien und Bürgermeister irgendwann ein. Und das Förderprogramm „RZWas” sei angesichts der Investitionsdimensionen, die da anstehen, „ein Tropfen auf dem heißen Stein”. Die Stadt sei bislang nicht im Härtefall-Programm. Noch nicht, hofft Lampe. „Wir müssen jetzt überlegen, wie Kommunen es schaffen können, sonst überrollt uns das Thema.”
Dabei sei Bayern noch das „gelobte Land”, betont Träger. In Nordrhein-Westfalen sind dem Staatssekretär Kommunen bekannt, „die sich einen Kredit nicht mehr leisten können”, wegen der Zinstilgung. Ob Bayern allerdings komplett gelobt ist, daran hört man Lampes Worten leichte Zweifel an: „Die Auflagen sind hoch, Kontrollen passieren und der Verwaltungsaufwand ist hoch. Wir haben jetzt schon vier Millionen Euro investiert, um auf dem Stand der Technik zu sein.” Schließlich pumpen nun einige Gemeinden aus der VG ihr Abwasser nach Uffenheim. Auf 16.500 Einwohnergleichwerte ist diese ausgelegt.
Den Schacht, bei dem diese einlaufen, schaut sich Carsten Träger an, im Hintergrund thront der Faulturm. Im kleinen Gebäude mit den Rechen, die Fremdstoffe wie Binden, Tampons oder Essensreste herausfiltern, riecht es – ein bisschen außerhalb, sehr streng innerhalb. Da zollen die SPD-Delegation den Kläranlagen-Arbeitern großen Respekt.
Ein Abendessen will sich aus den gesammelten Resten niemand zusammenstellen. „Damit könnte man halb Afrika versorgen”, sagt Kläranlagen-Chef Franz ob der großen Mengen. Die bringen große Probleme mit sich, zieht das doch Ratten an, die wiederum bekämpft werden müssen. „Da müsst ihr als Politiker dringend etwas machen”, betont Witali Franz. Er wünscht sich eine Biotonnen-Pflicht, weil auch Komposthaufen mit Essensresten letztlich nur Ungeziefer anziehen.
Den Strombedarf deckt die eigene PV-Anlage zu 77 Prozent, sagt der Chef. Ein Batteriespeicher stehe auf der Wunschliste, um zu Spitzenzeiten Strom für Nachtzeiten zu sichern. „Wir fackeln das auf der Anlage entstehende Gas nicht ab, sondern machen Strom draus”, sagt Lampe. Das spare pures Geld, das andernorts wieder benötigt werde.
Denn so eine Kläranlage sei ein Investitionsfass ohne Boden, sagt Witali Franz. Ständig müsse irgendwo etwas aktualisiert oder repariert werden. Und: „Die Kosten dafür sind in den letzten fünf Jahren explodiert. Was früher 5000 Euro gekostet hat, kostet jetzt 50.000 Euro.”
Dazu kommt: Früher konnte der Klärschlamm landwirtschaftlich verwertet werden, jetzt nicht mehr. Gülle bleibt erlaubt, Klärschlamm nicht, für Lampe ist das unverständlich. Damals habe man dafür 26.000 Euro gezahlt, jetzt sind es 150.000 Euro, weil der Schlamm weggefahren und verbrannt wird. Summen, die sich früher oder später sicherlich auch auf die Abwasser-Gebühren auswirken werden. „Das kann es nicht sein. Abwassergebühren müssen günstig bleiben”, so Lampe.
Das Kanalerneuerungsdilemma ist da noch gar nicht inbegriffen. „Ich weiß, dass das mit einem zusätzlichen Förderprogramm nicht von heute auf morgen geht. Ich wollte nur schon einmal sagen: Achtung, da kommt was.” Wichtig sei es auch, sagt eine Frau aus der SPD-Delegation, die Bürgerinnen und Bürger dafür zu sensibilisieren, dass sie eben Binden und Essensreste nicht mehr über die Toilette entsorgen. Viele seien das von früher vielleicht noch so gewohnt, als Trockentoiletten und Misthaufen das Maß der Dinge waren.
Gestreift wurde auch das Thema vierte Klärstufe, um Spurenelemente aus Reinigungsmitteln und Kosmetikprodukten sowie Medikamentenrückstände zu eliminieren. Uffenheim besitzt derzeit drei Stufen. Über die Aufstockung auf vier werde in Berlin derzeit diskutiert. Würde eine Pflicht kommen, wäre klar, wen das belastet: Die Aufrüstung würde sicherlich im Stadtsäckel deutliche Mehrbelastungen bedeuten. Und so erinnert Lampe noch einmal kurz an weitere Förderprogramme, die es aus seiner Sicht braucht. Vielleicht hat Carsten Träger dann ja beim nächsten Mal die Geldkoffer im Gepäck.