Am Mittwoch, 1. April, senken die Stadtwerke die Preise für Gas und Strom deutlich – ziemlich genau einen Monat nach dem Ausbruch des Kriegs im Nahen Osten, der mit weltweit steigenden Energiepreisen verbunden ist. Kann das gut gehen?
Mindestens 2,5 Cent Nachlass je Kilowattstunde Energie haben die Stadtwerke angekündigt. Das sind beim Strom etwa 7,6 Prozent und beim Gas bis zu 20 Prozent weniger – abhängig vom gebuchten Tarif. „Dabei bleibt es auch”, versichert Dr. Branka Rogulic, die Geschäftsführerin der Stadtwerke Ansbach. Die Frage ist allerdings: Wie lange?
Dank langfristiger Vertragsbindungen, die beim Einkauf von Energie möglich sind, gibt es zumindest für mehrere Monate Planungssicherheit. „Wir können zum jetzigen Zeitpunkt sicher sagen, dass wir die niedrigeren Preise auf jeden Fall bis zum Jahresende halten können.” Das sei einer vorausschauenden und risikobewussten Planung zu verdanken. Für eine Langfrist-Prognose ist die Situation allerdings zu fragil.
Der Markt ist ständig in Bewegung. Jede Äußerung aus Washington und den verschiedenen in den Konflikt involvierten Staaten sorgt für ein Auf oder Ab im Öl- und Gasmarkt und damit nachgeschaltet auch bei den Strompreisen. Die Stadtwerke Ansbach sind in diesem Spiel nur ein kleines Licht. Aber: „Wir müssen mit der Marktsituation leben.”
Über die Thüga-Tochter Syneco haben die Stadtwerke immerhin Zugang zu den Spekulationen, die den internationalen Markt bestimmen. „Da gibt es sehr regelmäßig Besprechungen, bei denen wir die aktuellen Einschätzungen der Analysten bekommen”, erklärt Rogulic. Mehr als wahrscheinliche Prognosen sind das aber natürlich auch nicht. „Wir stimmen uns im Haus sehr intensiv ab”, erklärt die Geschäftsführerin der Stadtwerke. Hilfreich sei in dieser Situation, dass die Stadtwerke mit mehreren Großhändlern zusammenarbeiten, was ebenfalls für eine bessere Streuung sorgt.
Ein Vorteil des Stadtwerke-Modells ist, dass der Energieversorger seinen Bedarf nicht komplett auf einmal auf dem Markt deckt. Die verschiedenen Verträge sind zu verschiedenen Zeitpunkten abgeschlossen worden und haben unterschiedliche Laufzeiten. Daraus ergibt sich eine Mischkalkulation. In der aktuellen Situation mit einem starken Preisanstieg ist das ein großer Vorteil für die Kundschaft, weil die Preise länger stabil bleiben können.
„Wenn wir heute alles einkaufen müssten, würde es sehr teuer”, sagt die Stadtwerke-Chefin. Fakt ist aber: „Wir haben zum Teil auch schon für 2027 eingekauft.” Rogulic hofft, dass der Krieg im Nahen Osten bald ein Ende findet und die Straße von Hormus bald wieder für die Tanker befahrbar sein wird. „Dann fallen die Preise wieder.”
Es gibt noch einen weiteren Fallstrick: „Wir haben zwar sehr vorsorglich beschafft, um günstige Preise anbieten zu können. Aber wir haben natürlich für den Bedarf unserer Bestandskunden eingekauft”, betont Rogulic. Für Neukundinnen und Neukunden gilt das nicht. Sollten nun viele Haushalte zu den Stadtwerken Ansbach wechseln, müssten für sie wohl andere Preise berechnet werden. Zusätzliche Kundschaft ist in dieser Situation also nur bedingt erwünscht. Eine ungewohnte Situation für Kaufleute.
Eine schnelle Lösung aus dem Dilemma gibt es nicht. Erneuerbare Energien machen zwar grundsätzlich unabhängiger von Öl und Gas vom anderen Ende der Welt. Doch für den starken Ausbau fehlen die Netzkapazitäten. Was für private Betreiber gilt, gilt auch für die Stadtwerke: „Wir bekommen keine Einspeisegenehmigung von der N-Ergie”, erklärt Dr. Branka Rogulic.
Die Stadtwerke würden gerne weitere Projekte, wie Photovoltaik- und Windkraftanlagen umsetzen. „Uns sind aber die Hände gebunden.” Bei der Kooperation mit der Spielvereinigung mit PV-Modulen auf dem Dach der neuen Lounge und der neuen Tribüne auf der Gegengeraden lag die Einspeisegenehmigung schon länger vor.
Das wird wohl erst mit dem Ausbau der Netze in ein paar Jahren besser. Bis dahin bleiben die Strompreise in Deutschland im internationalen Vergleich hoch. Denn der Ausbau wird über spezielle Entgelte finanziert, die eingepreist sind.