Vom klassischen Klavier und Orgelspiel zum Spezialisten in Sachen Blues- und Boogie-Woogie-Piano: Keiner der typischen Wege, für den Freiburger Pianisten Thomas Scheytt aber genau der Richtige. Der mehrfach ausgezeichnete Tastenspezialist war mit seinem Solo-Programm im städtischen Musiksaal zu erleben.
Als junger Mann sei er zwischen Klassik und Orgel hin und her gewechselt, so Scheytt, dann habe er irgendwann diese ganz andere Musik gehört. Da sei es um ihn geschehen gewesen. Fortan spielten Blues und Boogie Woogie die erste Rolle, wobei sein klassisches Können durchaus noch zu spüren war. Gut so, denn Scheytt ging in diesem Musikkosmos, der ihn bis in die letzte Faser ergriffen zu haben schien, völlig auf.
Einspielen wollte sich der Pianist erst einmal, was für die Besucherinnen und Besucher auch eine Möglichkeit war, sich hineinzuhören. Was da als Einspielen angekündigt war, zeigte schnell die große Klasse dieses Musikers. Mit geschlossenen Augen am Flügel sitzend, schien die Improvisation, die er später unter das Motto „Hallo und guten Morgen, liebe Freunde im städtischen Musiksaal Rothenburg“ stellte, nur so aus ihm herauszufließen, ja herauszudrängen.
In dieser Intensität ging es an diesem Vormittag auch weiter. Der Großteil der Stücke stammte von dem Freiburger selbst und spiegelte Geschichten und Bilder aus seinem Leben wider. Da war etwa die Höllentalbahn, die von Freiburg nach Hinterzarten hinaufführt. 600 Höhenmeter, die der Pianist in eine musikalische Erlebnisfahrt, unter dem Titel „Hell Valley Stomp“ verpackte. Man hörte die Bahn förmlich die steile Strecke hinauf schnaufen.
Oder auch der „Fifty Dollar Boogie“, seine erste eigene Komposition von 1990. „Well done“ hatte ein Besucher gesagt und einen 50-Dollar-Schein aufs Instrument gelegt. So war dann auch der Titel entstanden. Auf ein eigenes Stück seines Herrchens habe auch sein Kater bestanden. Scheytt lachte: Da habe nur ein Boogie gepasst. Dann ließ er jenen als „Walking Cat“ durch die Wohnung streifen.
Zwischen die eigenen Kompositionen stellte Scheytt Klassiker aus der Blütezeit des Blues und Boogie, den 1920er- und 1930er-Jahren. Etwa den „Suitcase Blues“ von Hersal Thomas aus dem Jahr 1923. Der Wechsel sowie die jeweilige Anmoderation des Pianisten gaben gleichzeitig einen schönen Einblick in die Geschichte des Genres.
Zu Unrecht vergessen, so Scheytt, sei heute der Ragtime. Seine Bearbeitung von Randy Newmans „You've Got a Friend in Me“ entpuppte sich als satte Ragtime-Variante, klangstark und durchdrungen von dem hohen Respekt gegenüber dem Vorbild und der intensiven Liebe zu diesem Genre.
Scheytt ist ein phantastischer Pianist und Komponist, eine Urgewalt an den Tasten. Das kam beim Publikum, das fleißig applaudierte, von Beginn an gut rüber. Am Ende folgte eine ganz besondere Zugabe: Scheytts Klavierfassung des Songs „Georgia on My Mind“. Gerne mehr davon.