Nach einigen Wochen im Probebetrieb ist der Batteriespeicher der Feuchtwanger Stadtwerke offiziell eingeweiht: Bei der kleinen Feier am Donnerstagabend wurde betont, mit der Anlage habe die Kommune eine Vorreiterrolle in Sachen erneuerbarer Energien und Klimaschutz übernommen.
Eingangs begrüßte Bürgermeister Patrick Ruh viele „Wegbereiter und Begleiter”, die das Projekt in unmittelbarer Nähe zum Umspannwerk der N-Ergie gemeinsam auf die Beine gestellt haben. Von einer „Riesenherausforderung” sprach derweil Technischer Stadtwerkeleiter Lothar Beckler mit Blick auf den 10,5 Millionen Euro teuren Zehn-Megawatt-Speicher. Zugleich betonte er, dass es an dem Standort noch genügend Platz für eine später mögliche Erweiterung der Anlage gibt.
Darüber hinaus stellte Beckler die umfassenden Maßnahmen für die Sicherheit der fünf jeweils 38 Tonnen schweren Container, der Wechselrichterstationen, Transformatoren und Kühlsysteme vor. Die Verantwortlichen hätten sich „über den Brandschutz viele Gedanken gemacht”. Auch werde die Anlage noch eingezäunt, aber schon jetzt sei eine Wildkamera aktiv, um befürchtetem Vandalismus vorzubeugen. Der noch zu bepflanzende Erdwall schütze die Anwohner vor möglichem Lärm, die Geräuschimmissionen seien den Messungen zufolge selbst im Volllastbetrieb unproblematisch.
Für die Steuerung der Batterien ist die in München ansässige VK Energie GmbH von Professor Dr. Johannes Jungwirth zuständig, die Energiesysteme optimiert. Wie der ehemalige Leiter des Hochschul-Campus in Feuchtwangen erklärte, ist die Aufgabe seines Unternehmens, exakt zu prognostizieren, wann der Speicher mit Strom gespeist und wann er entladen werden soll. Dabei gehe es zum einen darum, dass die per Sonnenkraft sowie später auch per Wind regional erzeugte Energie vor Ort genutzt wird, zum anderen aber auch darum, mit dem hier nicht benötigten Strom „am Markt Geld zu verdienen”.
Wie Vertriebsingenieur Matthias Hammerl und Projektmanager Armin Siegritz von der Siemens AG in Erinnerung riefen, ist die Idee zum Bau der Anlage im Zuge der Dekarbonisierungsstudie für Feuchtwangen vor vier Jahren entstanden: „Wir freuen uns, dass diese Studie nicht in der Schublade verschwunden ist, sondern umgesetzt wird.” Und: Bei dem Projekt seien sowohl der Zeit- als auch der Kostenrahmen eingehalten worden.
Indes betreute der frühere Siemens-Ingenieur Werner Scholz die Arbeiten im Auftrag der Stadtwerke vor Ort. Er würdigte die harmonische Zusammenarbeit der Beteiligten: „Alle Firmen haben kooperiert.” Ein erheblicher Vorteil sei unter anderem gewesen, dass die in Feuchtwangen ansässige EHF Bau-GmbH im Bedarfsfall sofort reagiert und ihr Team manch einen Schaden innerhalb kürzester Zeit repariert habe.
Auf die Frage von drittem Bürgermeister Herbert Lindörfer nach vergleichbaren Vorhaben in anderen Kommunen meinte Siemens-Vertreter Matthias Hammerl, inzwischen „tut sich viel auf dem Markt, aber Feuchtwangen ist der Vorreiter”. Angesichts des Projekts hier seien andere Städte in Nordbayern „hellhörig” geworden, aber „noch nicht so weit”.
Dies bestätigte Professor Jungwirth: „Viele reden, aber bei wenigen tut sich etwas.” Um ein Projekt wie das in Feuchtwangen umsetzen zu können, sei die Politik ebenso gefragt wie geeignete Techniker benötigt würden. Mit Blick auf die Weiterentwicklung des Marktes kündigte der Wissenschaftler an, in Sachen erneuerbarer Energien und Speichertechnik werde weniger zu verdienen sein, „wenn alle es machen”. Weil er aber zuerst noch mit guten Jahren rechne, hätten die Feuchtwanger den Vorteil, mit ihrem Dekarbonisierungsvorhaben an erster Stelle zu stehen.