„Apfelkönig Ernst Grefig“ steht auf einem Metallschild, das neben der Haustür in einem Pflanzenkübel steckt. Nichts könnte den Burgbernheimer Stadtgärtner besser beschreiben. Streuobstbäume sind seine Leidenschaft. Ende Januar geht der 63-Jährige nach fast 40 Jahren in den Ruhestand.
Jeden Tag sei er gerne zur Arbeit gegangen, erzählt Ernst Grefig. Ganz vorbei mit dem Arbeitsleben ist es aber noch nicht. Vorträge wird er weiterhin halten und Führungen durch die Streuobstwiesen mit seiner Frau, der Streuobstpädagogin Sabine Grefig, leiten. Für seine Nachfolger, Tobias Petzold und Manuel Seeg, die sich den Job künftig teilen werden, bleibe er ein zuverlässiger Ansprechpartner. Die Möglichkeit, dass seine Nachfolger als Doppelspitze fungieren, findet Grefig „richtig gut“. Denn die Aufgaben seien immer mehr und anspruchsvoller geworden.
Ein Rasenmäher, das war sein einziges Arbeitsgerät, als er am 1. April 1987 seinen Dienst antrat – und „zwei Hacken, die musste ich mir beim Bauhof leihen“, fügt der 63-Jährige an und lacht. Er lacht viel und seine Augen glänzen, wenn er von den Streuobstplantagen erzählt oder von seinem Lieblings-Apfel schwärmt: Jakob Fischer heißt die Sorte. „Fruchtig mit einer herrlichen Säure und richtig knackig, wenn man reinbeißt“, beschreibt es Grefig.
Er kennt sich mit vielen Sorten aus. Und ihm sei es auch wichtig, Wissen rund um die Obstbäume zu vermitteln. „Das muss im Kindergarten los- und in der Schule weitergehen.“ Nur so könne der Erhalt der Streuobstbestände über die nächsten Generationen hinweg sichergestellt werden, sagt Grefig, der zwei Töchter und auch schon drei Enkel hat.
Rund 30.000 Bäume stehen auf Burgbernheimer Gebiet, städtische und private. 80 bis 100 Bäume pflanzt die Stadtgärtnerei im Jahr, um die Bestände zu verjüngen und für den Klimawandel resistent zu machen. Der Klimawandel bereitet Grefig, der gebürtig aus dem Saarland stammt, große Sorgen. Starkregenereignisse und lange Hitzeperioden – für seine Lieblinge ist das Gift: „Das mögen Birne und Apfel gar nicht.“
Schon früh hat Grefig nach Alternativen gesucht. Neben Elsbeere, Speierling und Mispel sei die Maulbeere ein geeigneter Kandidat, ein „Klimabaum“ und ein „prima Naschbaum“ dazu. Mit Alfons Weiglein und dem „Streuobstpapst Deutschlands“, Gerd Meyer, habe er es geschafft, dass die Maulbeere im Streuobstpakt Bayern aufgenommen wurde. „Da bin ich schon ein bisschen stolz drauf.“
Im Laufe der Jahre hat Grefig ein Netzwerk aufgebaut, seine Kontakte reichen bis in die Schweiz und nach Österreich. Davon profitiere man auch als Stadt, sagt Bürgermeister Matthias Schwarz, der sich freut, dass Grefigs Expertise nicht verloren geht. „Die Streuobstkulturlandschaft, die Burgbernheim heute auszeichnet, trägt die Handschrift von Ernst Grefig.“
Grefig hatte in Bad Windsheim Zierpflanzengärtner gelernt und kam nach einer weiteren Station in einer Ansbacher Gärtnerei nach Burgbernheim. „Mit Lederhosen und Ohrring.“ Einen Stadtgärtner hatten sich die Burgbernheimer optisch etwas anders vorgestellt. Viele hätten damals gesagt: „Der bleibt net lang.“ Sie haben sich getäuscht.
Stolz kann Grefig auf das Landschaftsschutzgebiet Gründlein sein, das er maßgeblich entwickelt hat. Mit Streuobstleerpfad, Irrgarten und Grillplatz ist es längst ein tolles Ausflugsziel, nicht nur für Familien. Die Kunstobjekte, die darin stehen, stammen von hiesigen Künstlern, die Grefigs Ideen, günstig oder umsonst umgesetzt haben. Das Naschauto, das besonders bei Kindern beliebt ist, oder der Klimawandelarm, dessen Armbanduhr kurz vor zwölf zeigt, sowie das grüne Sofa machen das Gründlein zur kleinen Kunstmeile.
Freilich wurde so manches auch kontrovers gesehen, aber positive Aussagen hätten Grefig in seinem Tun bestätigt. „Hat hier mal eine Landesgartenschau stattgefunden?“ Diese Frage habe ihm eine Familie gestellt, die Grefig beim Spaziergang im Gründlein getroffen habe. „Ein größeres Kompliment hätte ich nicht kriegen können.“
Im Laufe der Jahre baute Grefig sich seine Stadtgärtnerei selbst auf. Immer mehr Grünflächen kamen in der stetig wachsenden Kommune dazu – als Grefig 1978 anfing, wohnten in Burgbernheim 2000 Menschen, heute 3500. Die Flächen mussten angelegt und gepflegt werden. Genau wie die Gestaltung der Kreisverkehre, die Grünpflege auf den Ortsteilen, Heckenpflege, der Schnitt der Bäume, sowie die Entbuschung der Streuobstwiesen. Letztere sei nach jetzt 26 Jahren fast abgeschlossen. Ohne sein Team, das vier Männer im Stamm zählt und drei Frauen, die überwiegend Unkraut jähten, wäre vieles nicht machbar gewesen.
Dabei konnte er sich der Unterstützung seiner Chefs immer sicher sein. Nur zwei Bürgermeister, Ludwig Reindler und Matthias Schwarz, begleiteten ihn in den 39 Jahren und zehn Monaten. Beide hätten ihm viel Freiraum gegeben, ihn seine Ideen umsetzen lassen. Grefig experimentierte mit Trestersaat und Seidenraupen.
Das Streuobstkompetenzzentrum Bernatura hat er mitaufgebaut und auch da musste er Gegenwind verkraften. Der Erfolg gebe den Befürwortern aber recht. Die Nachfrage sei riesig. Das Bernatura bezeichnet Grefig als „die Krönung meines Arbeitslebens“. Ins Leben gerufen hat er auch das Zwetschgenseidla, ein 5,1-prozentiges Bier aus Zwetschgen, das in seinem zweiten Jahr, 2025, richtig eingeschlagen sei. „Die haben mir 18 Tonnen gebracht. Da musste ich einen Stopp verhängen.“ Als Nischenprodukt habe er eine Verwendung für die Zwetschgen gesucht, die zuvor zuhauf von den Bäumen gefallen und achtlos zertrampelt worden seien.
Im Gespräch mit unserer Redaktion klingelt das Handy des 63-Jährigen. Ein Vortrag bei einem Seniorentreff wird angefragt. Für die Ankündigung braucht die Anruferin das Thema. Der Stadtgärtner lacht und antwortet. „Über was sollte ich schon sprechen? Grefig ist Streuobst.“