Ein Bodendenkmal aus der Mittelsteinzeit zwingt die Stadt Leutershausen, bei ihren Plänen für einen Kindergarten-Neubau umzudisponieren. Denn das Jahrtausende alte Relikt könnte das Projekt deutlich verzögern. Dem Stadtrat wurden nun Machbarkeitsstudien für verschiedene Alternativ-Lösungen vorgestellt.
Die Bauleitplanung für das Areal Kienberg-Nord ist weit fortgeschritten. In dem neuen Siedlungsgebiet ist auch Platz für eine neue Tagesstätte reserviert, im Anschluss an das Stadion. War man zunächst von einem Bedarf für sieben oder acht Gruppen ausgegangen, wurden die Pläne zwischenzeitlich auf fünf Gruppen - zwei davon für Krippenkinder - reduziert. Bis 2028 soll der neue Kindergarten stehen - „ein ambitioniertes Ziel”, wie Bauamtsleiter Markus Schmitt findet.
Doch nun steht ein dickes Fragezeichen hinter diesem Zeitplan. Denn im Baugebiet 47 Kienberg-Nord liegt ein Bodendenkmal: eine „Freilandstation des Mesolithikums”, wie die Stadträte erfuhren, also eine temporäre Siedlung saisonal sesshafter Jäger und Sammler. Irgendwann einmal hat ein Heimatforscher dort prähistorische Scherben gefunden, sodass die aktuell als Maisacker genutzte Fläche unter der Aktennummer D-5-6728-0079 im bayerischen Denkmalatlas entsprechend klassifiziert wurde.
Das bedeutet, dass nun, vor einer Bebauung, sensible Bereiche des Geländes untersucht werden müssten. Archäologische Grabungen, die frühestens im Oktober beginnen können, werden für eine „erhebliche Verzögerung” sorgen, so Schmitts Prognose.
Da kommt es gelegen, dass die Stadt schon vor geraumer Zeit ein Areal an der Maystraße erworben hatte, das Schöller-Grundstück unterhalb des Kindergartens Regenbogen. Zunächst als Erweiterungsfläche für die Tagesstätte gedacht, erschien es später zu klein. Nun stellt sich angesichts des reduzierten Volumens die Frage, ob das erschlossene und entsprechend schnell bebaubare Gelände nicht doch ausreichen könnte.
Mit dieser Frage setzte sich der Leutershäuser Architekt Sebastian Bachmann auseinander - kostenfrei für die Stadt. Er betreibt mit seinem Partner Patrick van Aaken ein auf Industriegebäude spezialisiertes Architekturbüro in München, Köln und Leutershausen. Drei Vorschläge unterbreitete Bachmann dem Gremium.
Zunächst untersuchte er die Möglichkeit, auf dem 1700 Quadratmeter großen Schöller-Areal eine Tagesstätte unterzubringen, die für rund 100 Kinder 1300 Quadratmeter Gebäude- und 1000 Quadratmeter Freifläche benötigen würde. Infrastrukturell wäre das Gelände angesichts des benachbarten Kindergartens, eines Zebrastreifens vor dem Haus und einer nahen Bushaltestelle „ideal”, so der Architekt.
Eingeschossig wäre der Platzbedarf nicht zu decken, so seine Analyse. Er schlug deshalb verschiedene Varianten mit mehreren Etagen vor, teils mit einem atriumartigen Innenhof oder einem Dachgarten auf einem kreisrunden Bau. „Es ist möglich, einen guten Kindergarten mit kleinem Grundriss zu machen”, lautete sein Fazit. Die Baukosten schätzte er grob auf um die fünf Millionen Euro.
„Das war unser Wunschgrundstück. Es ist erstaunlich, dass man da doch ein fünfgruppiges Gebäude rein bekommt”, kommentierte Raimund Walz (CSU/Freier Wähler) die Studie. Und auch Bürgermeister Markus Liebich sagte: „Das war uns und der Bauverwaltung nicht klar, dass es mit solchen Konzepten möglich ist.”
Bachmann hatte aber auch noch ein völlig anderes Konzept in der Tasche. Die Idee dahinter: Das Grundschulgebäude bedarf ohnehin einer Generalsanierung, auch das Dach müsste erneuert werden. Könnte man nicht bei dieser Gelegenheit das alte Dach abtragen und eine Kindergarten-Etage quasi darüber stülpen, von Säulen getragen? So könnte man Fläche und Renovierungskosten sparen.
„Das wäre ein echter Eye-Catcher - ein Kinderdorf auf dem Dach der Schule”, schwärmte der Architekt. Jede Gruppe bekäme ein eigenes Häuschen, Platz für einen Dachgarten wäre ebenfalls – „mit toller Aussicht”. Bewegungsflächen und Gastronomie könnten in Synergie mit der Schule genutzt werden. Zu klären wäre allerdings, ob es nicht zu Konflikten auf dem Pausenhof kommen würde, lautete ein Einwand aus den Reihen der Stadträte. Zu den Kosten einer solchen Variante vermochte Bachmann noch keine Angaben zu machen.
Seinen dritten Vorschlag nannte der Architekt die „große Lösung”: Ein abschnittsweiser Neubau von Schule und Kindergarten. So könnte, falls sich eine Sanierung der Grundschule aus dem Jahr 1953 als unwirtschaftlich erweisen sollte, eine Art Campus entstehen, auf dem sich auch Angebote für die Erwachsenenbildung unterbringen ließen.
Von „inspirierenden Ideen” sprach Stadträtin Georgia Horndasch-Shaw (ALL/Grüne): „Not macht erfinderisch.” Bauamtsleiter Schmitt stellte klar, dass die beiden Kombinationen von Schule und Kindergarten „eher vorausschauend” gedacht seien, denn „von heute auf morgen” sei so etwas nicht machbar: „Das sind Zukunftskonzepte.” Sie kämen möglicherweise für künftige Tagesstätten zum Tragen. Zunächst aber müsse die Entscheidung fallen, ob ein neuer Kindergarten im Kienberg-Nord oder auf dem Schöller-Grundstück entstehen soll.
Im nächsten Schritt müsse die Verwaltung mit der Kindergartenaufsicht am Landratsamt sprechen, ob ein mehrstöckiger Bau an der Maystraße genehmigungsfähig wäre, skizzierte Bürgermeister Markus Liebich die nächsten Schritte und befand: „Ein Rundbau hat schon einen gewissen Charme.” Zugleich müsse man parallel dazu prüfen, ob das Grundschulgebäude sanierungsfähig ist oder ein Neubau wirtschaftlicher wäre. Ungeachtet dieser Fragen wolle man die Bauleitplanung für die neue Siedlung am Kienberg weiter vorantreiben.