Überflutete Straßen und Anwesen bei Altmühl-Hochwasser und Starkregen sollten in Stegbruck jetzt der Vergangenheit angehören: Zwei Jahre nach dem Spatenstich wurden die beiden insgesamt 440 Meter langen Dämme, eine 66 Meter lange Schutzwand sowie das Schöpfwerk nun offiziell ihrer Bestimmung übergeben.
Damit sei der Ortsteil von Herrieden (Landkreis Ansbach) „geschützt vor einem hundertjährlichen Hochwasser der Altmühl und die Gefahr von Überschwemmungen im Hinterland ist gebannt“, betonte Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber als Festredner. Die zügigen Arbeiten bezeichnete er als „großartigen Sprint in Rekordzeit“ und sprach von einer „Meisterleistung“.
Wasser sei in Bayern „Segen und Herausforderung zugleich“, meinte der Minister und erinnerte an „vier verheerende Pfingsthochwasser“ während der vergangenen 25 Jahre. Konkret in Stegbruck habe sich dabei 2021 gezeigt, „dass die Überflutungen nicht nur durch die Ausuferung der Altmühl, sondern auch durch die Überlastung des Kanalsystems infolge von Starkregen zustande kommen“.
Deshalb umfasse der Hochwasserschutz hier zum einen den technischen Bereich mit Deichen, Mauer und mobilen Elementen, um den Abschnitt an der Straße zwischen Damm und Schutzwand dicht machen zu können. Zum anderen sei zur Ableitung des Niederschlagswassers das Schöpfwerk gebaut worden, das auch bei Stromausfall funktioniere. Darüber hinaus reduzierten Gräben und Kanäle die Gefährdungslage im Hinterland. Die Gesamtinvestition bezifferte Glauber auf 3,8 Millionen Euro, wobei sich die reinen Baukosten, wie es hieß, auf 3,2 Millionen Euro belaufen.
Weiter würdigte der Minister die Kooperation mit der Stadt Herrieden, die für den Unterhalt aufkomme. Ebenso dankte er der Kommune für die kurzfristige Zahlung einiger Summen, damit die Arbeiten fortgesetzt werden konnten, als es beim Baufortschritt gehakt habe.
Weil die Folgen des Klimawandels nur ganzheitlich zu bewältigen seien, setze der Freistaat an der Altmühl neben dem Hochwasserschutz auch auf die Renaturierung des Flusses und den natürlichen Rückhalt, sagte Glauber. Dabei sei es das Ziel, die Wasserqualität zu verbessern, den Nährstoffeintrag zu mindern und die Artenvielfalt zu sichern.
Zur „Erhöhung des Wohnwertes“ gratulierte Landrat Dr. Jürgen Ludwig den Stegbruckerinnen und Stegbruckern. Beim Hochwasserschutz sei es wichtig, Erkenntnisse wie die „aus den Ereignissen im Ahrtal“ nicht nur auszuwerten und zu „sehen, was man besser machen kann“, sondern das Notwendige umzusetzen, um für die Zukunft gerüstet sein. In diesem Sinn seien zur Entlastung der Leitstelle im Kreis Ansbach bereits zwei Koordinierungsstellen – eine in Feuchtwangen und eine in Neuendettelsau – eingerichtet worden. An diese könnten sich Betroffene im Fall der Fälle direkt wenden. Zudem habe der Landkreis inzwischen eine mobile Sandsack-Abfüllanlage beschafft.
Nach langem Warten auf den Hochwasserschutz in Stegbruck sei dessen Fertigstellung „wirklich ein Grund zu feiern“, betonte Herriedens Bürgermeisterin Dorina Jechnerer, die ihrem Grußwort ein Zitat aus Johann Wolfgang von Goethes Faust zu Grunde legte. In dem direkt an der Altmühl gelegenen Stadtteil werde nun ein neues Kapitel aufgeschlagen: Die Zeiten, in denen das Wasser über die Ufer trat und zahlreiche Anwesen überflutete – so wie zuletzt im Juli 2021 – seien vorbei. Folglich könne Stegbrucks Bevölkerung „kommenden Hochwasser- und Starkregenereignissen deutlich entspannter entgegentreten“.
Der Deich wiederum habe schon während des Baus seine erste Bewährungsprobe bestanden, als im Dezember 2023 erneut ein Hochwasser drohte. Damals sei die mobile Pumpe noch rechtzeitig geliefert worden. Und als die Flut kam, sei auf die Technik ebenso Verlass gewesen wie auf das Team vom Bauhof, auf die Feuerwehrleute und auf die Einwohnerschaft.
Abschließend erinnerte Jechnerer an eine weitere Hochwasserschutzmaßnahme, die im Stadtgebiet dränge: „Nach Stegbruck ist vor Leutenbuch“, betonte die Bürgermeisterin und bat auch für diesen unweit der Altmühl gelegenen Ortsteil um einen „zeitnahen Spatenstich“.
Die Feier moderierte der Leiter des Wasserwirtschaftsamts Ansbach, Thomas Keller, als Veranstalter. Neben zahlreichen Vertretern von Politik, Verwaltung und Firmen waren viele Bürgerinnen und Bürger zum Schöpfwerk gekommen. Die Pfarrer Peter Hauf und Roland Höhr erteilten der Anlage den Segen.