Seit Amtsinhaber Claus Seifert Ende April seinen Verzicht auf eine erneute Bürgermeisterkandidatur verkündet hat, wird in Scheinfeld spekuliert, wer denn für seine Nachfolge kandidiert. Ein Name kursierte dabei viel: Dominic Treuheit.
Und der 49-Jährige ist nach reiflicher Überlegung bereit dazu, wie er am Mittwoch in einem Pressegespräch sagte. Er kommt aus demselben Stall wie Seifert, aus der SPD, und steht als deren Fraktionssprecher im Stadtrat bereits an einer verantwortlichen Stelle.
Treuheit traf, wie er berichtet, erst vorige Woche seine Entscheidung, den Hut in den Ring zu werfen. Gegärt hat dieser Gedanke aber schon viele Jahre. „Es war immer eine Perspektive in meinem Leben”, sagt Treuheit, der in Scheinfeld über zwei Jahrzehnte lang Feuerwehrkommandant war.
In Sachen Brandschutz war er beständig im Austausch mit den jeweiligen Stadtoberhäuptern. Das galt für kurze Zeit für Wolfgang Graf und dann für dessen direkten Nachfolger Ernst Scheuenstuhl (beide CSU) und natürlich für Seifert. Dadurch habe er einigen Einblick in die Arbeit des Bürgermeisters bekommen.
Treuheit sieht Parallelen im Anforderungsprofil: Sowohl bei der Feuerwehr als auch im Bürgermeisteramt trägt man große Verantwortung, muss Situationen schnell und richtig einschätzen und wichtige Entscheidungen auch unter Stress treffen können. „Man muss überlegt vorgehen können, man muss sich in die Leute reindenken können, man muss zuhören können”, sagt Treuheit.
Bereits vor sechs Jahren, vor den 2020er-Kommunalwahlen, trug sich Treuheit nach eigenem Bekunden mit dem Gedanken, im Falle eines Verzichts von Seifert selbst in den Ring zu steigen. Da der Amtsinhaber selbst noch einmal kandidierte, stellte sich die Frage dann letztlich nicht. Als nun heuer Seiferts Rückzug bekannt wurde, galt es für Treuheit, das Thema noch einmal gründlich und insbesondere in Abstimmung mit seiner Frau Viktoria beziehungsweise der Familie - auch seine Mutter wohnt bei ihm im Haus - zu durchdenken. Dabei habe er sich von Anfang an Bedenkzeit bis zum Sommer auserbeten.
Solch eine Kandidatur und solch ein Amt dürfe vor allem nicht zulasten der siebenjährigen Tochter gehen, findet der Familienvater. Es sei für ihn aber durchaus Motivation gewesen, dass Seifert vor seiner ersten Kandidatur vor 18 Jahren in einer ähnlichen familiären Lage war.
Für seinen Fraktionskollegen und dritten Bürgermeister Dr. Berthold Krabbe zeigt dies die Seriosität von Treuheits Bewerbung. Für Krabbe war es „aus Sicht der Fraktion immer vollkommen klar, dass - wenn irgendwann der Zeitpunkt kommen würde - Dominic unser Kandidat sein würde”. Es zeichne Treuheit aus, „dass er sein Hirn ordentlich benutzt, bevor er eine Entscheidung trifft”.
Der SPD-Ortsvorsitzende Helmut Friedel räumt ein, dass es für die Partei eine etwas unklare Phase war, in der auch andere Überlegungen im Raume standen. So war „in einem frühen Stadium”, wie Treuheit sagt, eine gemeinsame Liste mit den Grünen im Gespräch. Es sei, so betont Friedel, zwar jederzeit klar gewesen, dass man einen Kandidaten stellen wolle, sei es als SPD oder sei es in Verbund mit einem Partner. Doch sieht der Ortsvorsitzende seine Partei bei zentralen Themen in der Führungsrolle.
Diese den Grünen zuzugestehen, wäre für Friedel nicht bei jedem Kandidaten möglich gewesen. Vor allem, so merkt Treuheit an, hätte es nicht funktioniert, eine gemeinsame Liste zu stellen, aber getrennte Bürgermeisterkandidaten.
Sobald Treuheit die Hand gehoben habe, sei für die SPD die Sache klar gewesen, erklärt Friedel. Das war erst kurz vor einer für vorigen Freitagabend angesetzten Parteiversammlung. Dort erklärte sich Treuheit und wurde auch einstimmig von den 17 Anwesenden zum designierten Kandidaten erhoben. Was für Treuheit einst eine Perspektive für sein Leben gewesen war, rückt mit der Bewerbung dann deutlich näher.
Die SPD will, wie bei den meisten Parteien und Gruppierungen, im Herbst einen Nominierungsversammlung anberaumen. Dem Vernehmen nach kommt bei den Sozialdemokraten die Listenkandidatenfindung voran, ist aber längst noch nicht abgeschlossen. Treuheit bedauerte, es gebe „viele Freizeitpolitiker, die auf sozialen Medien ihre Meinungen kundtun”, was aber kaum in ein echtes lokalpolitisches Engagement mündet, mit dem man dann auch etwas bewegen kann.