Es war ein Versuch. Doch das Angebot kam überraschend gut an bei der Zielgruppe. Und deshalb hatte die im Februar 2025 gegründete Tischtennisgruppe für Menschen mit Parkinson jetzt ihren ersten Geburtstag. Zu dem Training kommen regelmäßig um die zehn Leute in die Turnhalle der Realschule.
Diesen schnellen Ballsport mit einer Erkrankung zu betreiben, deren typische Erscheinungen Bewegungsbeeinträchtigungen, Zittern, Muskelsteifheit oder Gleichgewichtsstörungen sind, klingt überraschend. Wissenschaftliche Studien zeigen aber, dass gerade das Tischtennisspielen dazu beitragen kann, das Voranschreiten der Symptome von Parkinson zu verlangsamen.
Weil das so ist, wurden für Betroffene unter der Bezeichnung „PingPongParkinson“ (PPP) Angebote zur therapieorientierten Ausübung dieser Sportart geschaffen. In Deutschland gibt es inzwischen Hunderte von PPP-Stützpunkten, an denen Menschen mit Parkinson durch gezieltes Tischtennis-Training ihre Lebensqualität verbessern können. Jener in Rothenburg ist unter dem Dach des TSV 2000 angesiedelt.
Die Rothenburgerin Doris Audestad, die selbst Parkinson hat, war Anfang 2025 Initiatorin dieses Angebots. Bei Roland Vogt, dem Chef der Tischtennis-Abteilung des TSV 2000, stieß sie mit ihrer Idee auf Gegenliebe. Er nahm sich der Sache an, kümmerte sich um Gründungsformalitäten und übernahm auch die Leitung des Trainings, das immer montags ab 18 Uhr in der Turnhalle der Realschule stattfindet.
Vogt versucht, die Einheiten so flexibel wie möglich zu gestalten. Er vermittelt den Teilnehmenden Technikgrundlagen, lässt sie aber auch einfach spielen. Natürlich muss Rücksicht genommen werden auf individuelle Bewegungseinschränkungen von Teilnehmenden. Vogt greift auch auf Trainingskonzepte zurück, die für das Tischtennisspielen mit Parkinson entwickelt wurden.
Ziel sei es, das spielerische Niveau der Leute schrittweise zu steigern, aber vor allem die Freude an diesem Sport zu vermitteln, so Vogt. Der angestrebte positive Effekt auf das Körpergefühl der Teilnehmenden stelle sich dann automatisch ein, sagt er. Es sei wissenschaftlich erwiesen, dass bei Menschen mit Parkinson, die sechs Monate lang einmal pro Woche an einem Tischtennistraining teilnähmen, Verbesserungen ihrer Symptome einträten. So werde in Studien auf positive Effekte beim Sprechen, bei der Handschrift und in der Mobilität hingewiesen.
Die derzeit gut zehn für die PPP-Gruppe beim TSV 2000 angemeldeten Frauen und Männer aus Stadt und Umland sind zwischen 55 und 75 Jahre alt. Die meisten davon kommen laut Vogt jeden Montag und lassen das Training nur ausfallen, wenn es ihnen zwischendurch mal schlechter geht, was bei Parkinson in Form von gelegentlichen Schüben passiert.
Roland Vogt hofft, dass weitere betroffene Menschen auf das Angebot aufmerksam werden und es nutzen. Es gebe da in der Region sicher noch viele andere mit dieser Diagnose, vor allem auch jüngere, für die sich dieses Training eigne, sagt er. Oft sei da das Gefühl, sich durch die Teilnahme an einem solchen Angebot als betroffen zu outen, noch eine Hemmschwelle. Doch wer diese überwinde, werde vermutlich schnell feststellen, dass dieses gemeinschaftliche Sporttreiben ein Stück Lebensqualität zurückbringen könne.
Ihm selbst bereite die Leitung dieser Gruppe jedenfalls große Freude, so Vogt. Die Reaktionen der Teilnehmenden, die immer wieder betonten, wie viel ihnen diese Aktivität bedeute, seien eine schöne Bestätigung.
Geeignet seien die Einheiten im Übrigen nicht nur für Menschen mit Parkinson. Auch für Leute mit Multipler Sklerose (MS) könne ein auf individuelle Möglichkeiten und Einschränkungen hin abgestimmtes Tischtennis-Training ein geeigneter Sport sein. Selbst sturzgefährdete Personen könnten das gerne einmal ausprobieren, denn für solche Fälle stehe ein spezieller Sicherheitsgurt für das risikofreie Agieren an der Platte zur Verfügung.
Wer Interesse an dem Angebot habe, könne ohne vorherige Anmeldung einfach vorbeikommen und mitmachen, betont Roland Vogt. Das Motto laute „Runter vom Sofa, rein in die gemeinschaftliche Bewegung mit Spaß und Spiel”.
Trainiert wird immer montags von 18 bis 19.30 Uhr in der Turnhalle der Realschule im Ackerweg. Tischtennis-Vorkenntnisse seien nicht erforderlich. Schläger und Bälle würden gestellt. Für die regelmäßige Teilnahme sei der Vereinsbeitritt notwendig. Damit, so Vogt, werde aber kein Gewinn gemacht, sondern lediglich ein Teil der anfallenden Kosten, vor allem für die Hallenmiete, gedeckt.