Spart bis zu 70 Prozent Energie: Oberdachstettener baut pfiffigen Dusch-Container | FLZ.de

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Veröffentlicht am 27.01.2026 12:39

Spart bis zu 70 Prozent Energie: Oberdachstettener baut pfiffigen Dusch-Container

Moritz Eder in einer seiner komplett selbst gebauten Duschkabinen. (Foto: Constantin Prosch)
Moritz Eder in einer seiner komplett selbst gebauten Duschkabinen. (Foto: Constantin Prosch)
Moritz Eder in einer seiner komplett selbst gebauten Duschkabinen. (Foto: Constantin Prosch)

Warm duschen, wo sonst nur der See, der Campingplatz oder lange Wege zu Sanitäranlagen bleiben: Was für viele Festival-Fans oder Camperinnen und Camper ein Komfortproblem ist, hat Moritz Eder aus Oberdachstetten zu einem technisch ausgefeilten Projekt gemacht. Der Ingenieur hat eine mobile Dusche neu gedacht und gebaut.

Der Container steht einer Hoteldusche in nichts nach. Die Nasszelle mit Regendusche ist geräumig, „damit man genügend Platz hat zum Drehen und nicht die Wand streift”, erklärt Eder, der mit leicht abgespreizten Armen in der Dusche steht und sich einmal um die eigene Achse dreht. Der Vorraum ist ausgestattet mit Spiegel, Haken, Ablagefläche und einer kleinen Sitzbank. Alles aus Handarbeit und mit hochwertigen Materialien.

Ein Hebel für Umwelt- und Ressourcenschutz

Der Gedanke hinter dem Energiespar-Aspekt ist so simpel wie wirkungsvoll: Mobile Duschen werden oft intensiv genutzt, ihr Energie- und Wasserverbrauch aber kaum hinterfragt. „An einem Tag gehen dort so viele Menschen duschen wie in einem Privathaushalt im ganzen Jahr“, sagt Eder.

Das Duschen daheim verbrauche ungefähr die dreifache Menge Energie, die eine Photovoltaik-Heimanlage mit 10 kWp in der gleichen Zeit produzieren kann. Genau hier sieht er den Hebel für Umwelt- und Ressourcenschutz.

Spar-Duschköpfe und Wärmetauscher

In der Praxis läuft das in seinem Duschcontainer folgendermaßen ab: Die Spar-Duschköpfe mit Luftbeimischung reduzieren den Wasserverbrauch um etwa die Hälfte, ein Wärmetauscher nutzt das Abwasser, um das Frischwasser vorzuwärmen. Eine Solaranlage unterstützt das System mit Sonnenenergie. Insgesamt lassen sich so bis zu 70 Prozent Energie einsparen, rechnet Eder vor.

Hinzu kommt eine intelligente Steuerung: Sie zählt die Duschvorgänge, spült die Flächen nach jedem ab, verteilt die Nutzung gleichmäßig auf beide Kabinen, meldet automatisch, wenn nach 100 Nutzungen eine Reinigung nötig ist, und sammelt Feedback der Duschgäste. Bezahlt wird möglichst unkompliziert per Kartenleser neben der Eingangstür.

Mit 17 Jahren bei Jugend Forscht gewonnen

Im Gespräch mit dem studierten Maschinenbauer wird schnell klar, dass dieses Projekt für ihn mehr ist als eine Bastelei. Der 29-Jährige brennt für das Tüfteln nach energiesparenden und autarken Lösungen. „Das hat mich schon immer fasziniert”, berichtet er von den Anfängen in seiner Kindheit, als er Modellflugzeuge mit Solarmodulen ausgestattet hat.

Im Alter von 17 Jahren gewann Eder den Schülerwettbewerb Jugend Forscht in Mittelfranken. Seine Idee für eine Wärmedämmung nach Vorbild eines Eisbärenfells überzeugte. Dieses Thema nahm er bei der Bachelorarbeit seines Maschinenbaustudiums erneut auf. Der Erfindergeist wurde von seiner Familie früh gefördert: ausprobieren, zerlegen und auseinanderschrauben war immer ausdrücklich erlaubt.

Eine Reise durch Norwegen als Anstoß

Den Anstoß für die mobile Dusche bekam Eder auf einer Reise mit dem Camper durch Norwegen. Dort sind öffentlich zugängliche, per Kreditkarte nutzbare Toiletten selbstverständlich. „Warum gibt es das nicht auch für Duschen?“, dachte sich Eder und begann zurück in Franken sofort zu zeichnen.

Der Entwicklungsprozess dauerte zwei Jahre und schloss etliche Bekannte und Familienmitglieder des Erfinders ein: Bei allen Fragen rund um Wasser und Leitungen half Eder ein Schulfreund, beim Bau sein Onkel als Schreiner und sein Vater mit viel handwerklicher Erfahrung. Das Design und die Programmierung der Steuerung nahmen seine Mutter und Schwester in die Hand.

„Duschparty” mit der Verwandtschaft

Bevor die Dusche öffentlich eingesetzt wurde, organisierte Eder einen ungewöhnlichen Probelauf: Zu seinem Geburtstag feierte er eine „Duschparty” mit seiner Verwandtschaft. „Jeder musste duschen und durfte gnadenlos ehrlich sein“, erzählt er. Das Grundkonzept überzeugte.

Inzwischen war die mobile Dusche bei Firmenveranstaltungen, auf Events und auf Campingplätzen im Einsatz, als nächstes in der Nähe der Zugspitze. Die Rückmeldungen seien durchweg positiv. „Gleich auf dem ersten größeren Event waren die Leute voll begeistert von der Qualität und meinten, das käme ja auf dem Bild gar nicht so rüber”, erinnert sich Eder. „Das ist Balsam für die Seele.”

Ein WC-Wagen als nächstes Projekt

Die Nachfrage führte dazu, dass Eder bereits einen zweiten Duschcontainer gebaut hat. Mit verbesserten Details und auf Rädern. Zudem arbeitet er an einem WC-Wagen, da viele Kunden gerne beides zusammen mieten würden. Teile der zugrunde liegenden Technik und Steuerung sind zum Patent angemeldet.

Momentan pendelt der Entwicklungsingenieur zwischen seiner Arbeitsstelle in Aalen und der Werkstatt in Oberdachstetten. Jede freie Minute und viel Geld steckt er in sein Projekt. „Mein Traum wäre, das weiterzumachen und auszubauen mit einem jungen Team, in dem jeder Bock hat.” Seinen Ansprüchen will der 29-Jährige dabei immer gerecht werden: „Ich will nie auf irre Masse gehen, sondern immer die Gesichtspunkte Qualität und Umwelt im Blick haben.”


Constantin Prosch
Constantin Prosch
Volontär
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