Die Edelbrennerei Henninger im Flachslandener Ortsteil Wippenau (Landkreis Ansbach) ist ein Familienbetrieb wie er im Buche steht. Vier von fünf Familienmitgliedern sind staatlich anerkannte Brenner. Seit 1801 entstehen hier bereits in der siebten Generation naturreine Obstbrände.
Und die Leidenschaft merkt man. Sie sprudelt förmlich heraus, wenn man mit den Henningers übers Brennen spricht. Sie sind ein eingespieltes Team und verstehen ihr Handwerk. Walter Henninger ist 72 Jahre alt und führt den Betrieb seiner Vorfahren fort. Seine Frau Karola (62) kam später durch die Liebe dazu. Es war Glück, dass auch sie die Leidenschaft zum Brennen gepackt hat. Denn „der Partner muss mitmachen“ bei so einem aufwendigen Job, sagt sie selbst. Während er sich vor allem um das Brennen für Privatleute kümmert, ist sie zuständig für die Direktvermarktung.
Ihre Kinder Ruben und Lea-Sofia haben nun auch die Ausbildung zum staatlich anerkannten Brenner absolviert. Die dritte Tochter Elena ist zwar keine Brennerin, aber trotzdem in den Betrieb involviert: Sie macht Pralinen aus den Bränden.
Schon immer wussten der 26-Jährige und die 22-Jährige, dass sie die Bayerische Brennerausbildung machen wollen. Doch ihren Eltern war es wichtig, sich auch anderweitig aufzustellen. Deshalb ist Ruben Henninger hauptberuflich Bauingenieur und Lea-Sofia Köchin. Trotzdem: Beide wissen schon sicher, dass sie den Betrieb einmal übernehmen wollen. Sechs Wochen lang, aufgeteilt auf zwei Teile, dauerte der Lehrgang. Voraussetzung sind mehrere Jahre Berufserfahrung.
Obwohl Ruben und Lea-Sofia Henninger schon früh in Kontakt mit dem Brennen waren, haben sie Alkohol nie als Rauschmittel gesehen. Im Gegenteil: „Für uns ist das ein absolutes Genussmittel. Wir sehen die Philosophie, die Geschichte dahinter. Wir wissen, welche Arbeit dafür notwendig ist“, sagt die 22-Jährige. Immer wieder sind auch Junggesellenabschiede zu Gast in Wippenau. „Die gehen sogar nüchterner aus den Verkostungen heraus“, sagt Lea-Sofia Henninger und lacht.
Was genau fasziniert die Familie so sehr an ihrem Handwerk? „Wie man eine Essenz aus einer Frucht so hinbekommt, ist der Wahnsinn“, findet Ruben Henninger. Und „dass man merkt, was man rein hat – aus schlechter Ware wird kein gutes Produkt“, fügt seine Schwester hinzu.
Etwa 230 Bäume betreiben die Henningers selbst. Apfel, Birne, Quitte, Hagebutte, Pflaume, Zwetschge, Vogelbeere, Mirabelle, Schlehe ... Streuobst, so weit das Auge reicht. Die Früchte ernten sie erst, wenn sie auf dem Boden liegen; mit der Hand. „Der Baum weiß selbst am besten, wann sie reif sind“, sagt Lea-Sofia.
Das bedeutet wiederum ständiges Kontrollieren aller Sorten, etwa alle zwei Tage. Denn was zu lange auf dem Boden liegt, schimmelt. Bei der Hitze eine fordernde Aufgabe. Wer dabei hilft? Karola Henninger zeigt auf ihre beiden Kinder und lacht. Aus dem Obst wird dann Maische und danach landet diese im fast 30 Jahre alten Brennkessel, dem ganzen Stolz der Familie. Am Ende entsteht daraus Obstbrand, Likör, Geist, Whisky, Gin und vieles mehr.
All diese Arbeit wird auch immer wieder mit Auszeichnungen und Preisen gewürdigt. „Wir wissen schon gar nicht mehr, wo wir es hinhängen sollen“, sagt Karola Henninger lachend. Da gab es zum Beispiel den Staatsehrenpreis, zig goldene Abzeichen oder auch die Auszeichnung zu Frankens bester Brennerei im Jahr 2023. „Und der Zoll bestätigt uns seit Jahren, dass wir die größte Brennerei in Franken sind, die für Privatleute brennt“
Aber auch an den Henningers geht der Klimawandel nicht spurlos vorüber. „Wir merken die Trockenheit extrem“, sagt die 62-Jährige. Oft ist die Ernte gering oder noch unreifes Obst fällt vom Baum. Alles bleibt außerdem unbehandelt. „Wir sind von den klimatischen Bedingungen abhängig“, so Ruben Henninger. Rinden- oder Feuerbrand sind unter anderem die Folgen.
Ihnen selbst ist der Umweltschutz deshalb wichtig. So sind sie als erster Partner in Mittelfranken Teil der Blühpakt-Allianz. Auf dem Areal der Henningers gibt es Totholz für Vögel, Gehölz zum Überwintern und die Wiesen werden extra spät gemäht, um Rehkitze zu schützen und die Vermehrung von Flora und Fauna zu fördern. Nächstes Jahr wird die Edelbrennerei in dem kleinen Weiler in Wippenau 225 Jahre alt. Auch dafür haben sich die Henningers natürlich schon etwas überlegt: Ein Orangengeist soll entstehen.