Bereits in der Planungsphase schlägt dem avisierten Jugendtreff am Rande des Bürgerparks scharfer Wind entgegen. Die Vertretung der Heimbewohner des Seniorenzentrums Hospital formulierte in dieser Angelegenheit einen scharfen Protestbrief an Oberbürgermeister Thomas Deffner. In der Kritik steht vor allem der Standort.
Der Morgen ist klar, an der frischen Luft drehen gerade ein paar Jogger ihre Runden über den schmalen, asphaltierten Weg im Bürgerpark. Gleich nebenan mäandert die Rezat durch die in weiten Teilen als Überschwemmungsgebiet ausgewiesene Fläche im Westen der Stadt. Auf Höhe der ehemaligen Voggenmühle, ganz am Rande des Gebiets, soll nach den Vorstellungen des Jugendamts ein kleiner Treff entstehen, zu dem sich Heranwachsende zusammenfinden können.
Momentan stehen auf dem geschotterten und sieben mal sieben Meter großen Karree lediglich sieben Betonwürfel. Hohe Bäume fassen das kleine Areal ein. Spätestens im Frühjahr, so die bisherigen Vorstellungen der Behörde, soll der Platz mit einem Unterstand ergänzt werden. Einige Jugendliche sind in das Projekt bereits eingebunden und sollen sich aktiv einbringen. „Wir dürfen die Jugendlichen nicht zu lange warten lassen“, hatte Jugendamtsleiterin Sandra Kilian gegenüber der FLZ Mitte August bei der Vorstellung des Vorhabens gemahnt.
Die gebürtige Ansbacherin sorgt sich um die jungen Menschen in der Stadt. Stand heute dient lediglich das Jugendzentrum in der Pfarrstraße als Treffpunkt. Der Schlossplatz, der mit seiner zentralen Lage häufig als Versammlungsort vieler Teenager auch außerhalb der Schulzeiten dient, machte in den zurückliegenden Monaten Negativschlagzeilen: Es war immer wieder zu Auseinandersetzungen und Vandalismusvorfällen gekommen. Mit den neuen Jugendtreff am Rande des Bürgerparks will die Behörde diesen Konflikten aus dem Weg gehen und die Situation entzerren.
Inzwischen aber hat sich Widerstand gegen das geplante Projekt formiert. Die Vertretung der Heimbewohner des Seniorenzentrums Hospital, das in Reichweite des geplanten Treffs liegt, hat mit dem Betreff „Nachdrückliche Ablehnung“ eine Art Brandbrief an Oberbürgermeister Thomas Deffner gesandt.
In dem der FLZ vorliegenden Schreiben vom 18. September wird die grundsätzliche Notwendigkeit eines neuen Jugendtreffs nicht angezweifelt, in Abrede gestellt wird aber der avisierte Standort. „Wir fragen uns allen Ernstes, wie man objektiv und sinnvoll auf den Gedanken kommen kann, dass dieser Jugendtreff im nahen Bürgerpark eine für den angestrebten Zweck geeignete Örtlichkeit sein soll?“
Mehrere Argumente führen die Verfasser des Briefs auf: „In der Natur der Sache liegt es, dass von einem Jugendtreff, gerade in den Nachmittag- und Abendstunden, Musik, Geschrei und Radau ausgehen wird.“ Dabei wird Bezug genommen auf gesetzlich festgelegte Lärmwerte, die etwa im Umfeld von Krankenhäusern, aber auch Pflege- und Seniorenheimen, nicht überschritten werden dürfen. „Wir bezweifeln, dass diese Immissionsrichtwerte eingehalten werden können.“
Jugendamtsleiterin Sandra Kilian hatte sich zuversichtlich gezeigt, den Geräuschpegel in erträglichen Bahnen halten zu können. Ihr wird nun Naivität vorgehalten. „Wir möchten diejenigen Jugendamtsmitarbeiter beziehungsweise Streetworker sehen, die sich sieben Tage in der Woche von 15 bis 22 Uhr hier um die Einhaltung der Regeln kümmern“, heißt es in dem von den Heimvertretungsvorständen Peter Heinzel und Roland Helm unterzeichneten Brief.
Zudem wird eine Gefährdung der Heimbewohner aufgeführt, da der Zugang zum Jugendtreff in spe über eine kleine Brücke in unmittelbarer Nähe des Eingangs zum Seniorenzentrum führt. Auch die fehlenden Toiletten in dem Bereich sind als Problem ausgemacht. Mit möglichen Standorten an der Schreibmüller- und Schaitbergerstraße sowie der Grünfläche zwischen Karpfenstraße und Karlsbader Straße werden auch Alternativen zur bislang favorisierten Fläche ins Spiel gebracht.
„Impertinent und gleichgültig will man den alten Leuten im Seniorenheim sowohl den Lärm als auch die sonstigen Einschränkungen zumuten“, heißt es weiter. Zudem wird die Stadt aufgefordert, von ihren Plänen Abstand zu nehmen. In einer ersten Reaktion zeigte sich Jugendamtsleiterin Sandra Kilian „schockiert“. Sie will nun in Abstimmung mit OB Deffner das weitere Vorgehen beraten.