Senioren in Ansbach wollen Jugendtreff in ihrer Nähe verhindern | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 06.10.2023 12:45

Senioren in Ansbach wollen Jugendtreff in ihrer Nähe verhindern

Die Heimbewohner haben sich klar gegen den Jugendtreff ausgesprochen, der auf dem kleinen Karree unter den Bäumen Platz finden soll. Sie stören sich vor allem am zu erwartenden Lärm. (Foto: Irmeli Pohl)
Die Heimbewohner haben sich klar gegen den Jugendtreff ausgesprochen, der auf dem kleinen Karree unter den Bäumen Platz finden soll. Sie stören sich vor allem am zu erwartenden Lärm. (Foto: Irmeli Pohl)
Die Heimbewohner haben sich klar gegen den Jugendtreff ausgesprochen, der auf dem kleinen Karree unter den Bäumen Platz finden soll. Sie stören sich vor allem am zu erwartenden Lärm. (Foto: Irmeli Pohl)

Bereits in der Planungsphase schlägt dem avisierten Jugendtreff am Rande des Bürgerparks scharfer Wind entgegen. Die Vertretung der Heimbewohner des Seniorenzentrums Hospital formulierte in dieser Angelegenheit einen scharfen Protestbrief an Oberbürgermeister Thomas Deffner. In der Kritik steht vor allem der Standort.

Der Morgen ist klar, an der frischen Luft drehen gerade ein paar Jogger ihre Runden über den schmalen, asphaltierten Weg im Bürgerpark. Gleich nebenan mäandert die Rezat durch die in weiten Teilen als Überschwemmungsgebiet ausgewiesene Fläche im Westen der Stadt. Auf Höhe der ehemaligen Voggenmühle, ganz am Rande des Gebiets, soll nach den Vorstellungen des Jugendamts ein kleiner Treff entstehen, zu dem sich Heranwachsende zusammenfinden können.

Konfliktpotential aus dem Weg gehen

Momentan stehen auf dem geschotterten und sieben mal sieben Meter großen Karree lediglich sieben Betonwürfel. Hohe Bäume fassen das kleine Areal ein. Spätestens im Frühjahr, so die bisherigen Vorstellungen der Behörde, soll der Platz mit einem Unterstand ergänzt werden. Einige Jugendliche sind in das Projekt bereits eingebunden und sollen sich aktiv einbringen. „Wir dürfen die Jugendlichen nicht zu lange warten lassen“, hatte Jugendamtsleiterin Sandra Kilian gegenüber der FLZ Mitte August bei der Vorstellung des Vorhabens gemahnt.

Die gebürtige Ansbacherin sorgt sich um die jungen Menschen in der Stadt. Stand heute dient lediglich das Jugendzentrum in der Pfarrstraße als Treffpunkt. Der Schlossplatz, der mit seiner zentralen Lage häufig als Versammlungsort vieler Teenager auch außerhalb der Schulzeiten dient, machte in den zurückliegenden Monaten Negativschlagzeilen: Es war immer wieder zu Auseinandersetzungen und Vandalismusvorfällen gekommen. Mit den neuen Jugendtreff am Rande des Bürgerparks will die Behörde diesen Konflikten aus dem Weg gehen und die Situation entzerren.

Inzwischen aber hat sich Widerstand gegen das geplante Projekt formiert. Die Vertretung der Heimbewohner des Seniorenzentrums Hospital, das in Reichweite des geplanten Treffs liegt, hat mit dem Betreff „Nachdrückliche Ablehnung“ eine Art Brandbrief an Oberbürgermeister Thomas Deffner gesandt.

Das könnte Sie auch interessieren
Eingeschlafen aus Übermüdung: 89-Jähriger landet bei Bechhofen im StraßengrabenGegen den „Mäh-Wahn”: Trautskirchener Landschaftsgärtner startet besondere AktionHalbzeit zum Frühlingsfest in Ansbach: Das Bierzelt wird zum TanzsalonLandesbund startet Vogelbeobachtungsprojekt in Feuchtwanger PflegeeinrichtungVermeintlich verschwundene Bänke im Dinkelsbühler Stadtpark: Stadt klärt aufDer erste Scheinfelder Stadtführer Rudolf Ilg lässt nun andere erzählenDie Post erklärt Senioren in Neustadt den Umgang mit den PoststationenHaushalt in Wassertrüdingen: Bauamtsumbau aufgeschoben, Investitionen umverteiltWas der Seniorenbeirat Rothenburg so vorhatSo gut ist Neuendettelsau für den demografischen Wandel gerüstetFLZ-Auszeichnung: Friedrich Rohm ist Ehrenamtlicher des Monats FebruarGegen Einsamkeit: Die Stiftung Lebendige Stadt würdigt Ansbacher SeniorenbeiratTheater-Seniorenclub Dinkelsbühl zeigt „Die deutschen Kleinstädter”Gemeinsam stärker: Seniorenvertretungen im Landkreis NEA wollen sich vernetzenGeschichte statt Kunst: Im Seniorencentrum Uehlfeld sind diese Bilder Top-Thema

In dem der FLZ vorliegenden Schreiben vom 18. September wird die grundsätzliche Notwendigkeit eines neuen Jugendtreffs nicht angezweifelt, in Abrede gestellt wird aber der avisierte Standort. „Wir fragen uns allen Ernstes, wie man objektiv und sinnvoll auf den Gedanken kommen kann, dass dieser Jugendtreff im nahen Bürgerpark eine für den angestrebten Zweck geeignete Örtlichkeit sein soll?“

Mehrere Argumente führen die Verfasser des Briefs auf: „In der Natur der Sache liegt es, dass von einem Jugendtreff, gerade in den Nachmittag- und Abendstunden, Musik, Geschrei und Radau ausgehen wird.“ Dabei wird Bezug genommen auf gesetzlich festgelegte Lärmwerte, die etwa im Umfeld von Krankenhäusern, aber auch Pflege- und Seniorenheimen, nicht überschritten werden dürfen. „Wir bezweifeln, dass diese Immissionsrichtwerte eingehalten werden können.“

Jugendamtsleiterin Sandra Kilian hatte sich zuversichtlich gezeigt, den Geräuschpegel in erträglichen Bahnen halten zu können. Ihr wird nun Naivität vorgehalten. „Wir möchten diejenigen Jugendamtsmitarbeiter beziehungsweise Streetworker sehen, die sich sieben Tage in der Woche von 15 bis 22 Uhr hier um die Einhaltung der Regeln kümmern“, heißt es in dem von den Heimvertretungsvorständen Peter Heinzel und Roland Helm unterzeichneten Brief.

Alternativen ins Spiel gebracht

Zudem wird eine Gefährdung der Heimbewohner aufgeführt, da der Zugang zum Jugendtreff in spe über eine kleine Brücke in unmittelbarer Nähe des Eingangs zum Seniorenzentrum führt. Auch die fehlenden Toiletten in dem Bereich sind als Problem ausgemacht. Mit möglichen Standorten an der Schreibmüller- und Schaitbergerstraße sowie der Grünfläche zwischen Karpfenstraße und Karlsbader Straße werden auch Alternativen zur bislang favorisierten Fläche ins Spiel gebracht.

„Impertinent und gleichgültig will man den alten Leuten im Seniorenheim sowohl den Lärm als auch die sonstigen Einschränkungen zumuten“, heißt es weiter. Zudem wird die Stadt aufgefordert, von ihren Plänen Abstand zu nehmen. In einer ersten Reaktion zeigte sich Jugendamtsleiterin Sandra Kilian „schockiert“. Sie will nun in Abstimmung mit OB Deffner das weitere Vorgehen beraten.


Florian Pöhlmann
Florian Pöhlmann
Nach der journalistischen Grundausbildung beim Fernsehen rief 1999 die große weite Welt des Sports, die ich in Nürnberg in nahezu allen Facetten kennenlernen und in verantwortlicher Position gestalten durfte. Erst der verlockende Ruf aus Ansbach und die Aussicht, im fortgeschrittenen Alter Neues zu wagen, sorgten ab 2021 für einen Neustart in der Lokalredaktion.
north