In der vielschichtigen Frage der Belebung der Ansbacher Altstadt nimmt Gregor Heilmaier eine wichtige Rolle ein. Der Unternehmensberater koordiniert die Projekte der Citywerkstatt, löst dabei Streitigkeiten und zeigt Wege auf, die Ansbachs City attraktiver machen können.
Wie fällt Ihre persönliche Bilanz aus nach mehr als zwei Jahren Citywerkstatt und dem Abschluss vieler Projektarbeiten?
Es ist eine Zwischenbilanz, weil Projekte noch laufen beziehungsweise neue Projekte starten, das vorneweg. Wenn ich für alle Beteiligten spreche, also die Stadt, die IHK in Ansbach, Bürgerinnen und Bürger, Händlerinnen, Händler und und und – ich glaube, wir alle können ein positives Zwischenfazit ziehen.
Trotz des Ansbach-Faktors?
Wir haben in den zwei Jahren klar gezeigt: Es bewegt sich doch etwas! Denn gestartet sind wir ja mit dem Ansbach-Faktor, der immer so ein bisschen durch kam. Von wegen „gute Ideen, aber klappen tut nichts und Ansbach macht sich alles selbst kaputt“. Wir haben über kleine Projekte Prototypen geschaffen. Miteinander.
Miteinander: das Schlüsselwort?
Wenn du gemeinsam anpackst, kannst du auf den unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern eine Menge bewegen. Die Menschen haben dort zusammengewirkt und gesehen, dass der ein oder andere entgegen der ursprünglichen Ansicht doch ganz vernünftig ist. Und wenn die Vernünftigen an einem konkreten Projekt arbeiten, dann hast du eine Zielgerichtetheit drin – und das lässt die Citywerkstatt recht erfolgreich auf die zwei Jahre zurückblicken.
„Zwischen den einzelnen Personen ist Vertrauen entstanden.”
Inklusive der Aufarbeitung alter Differenzen?
Wir haben Gutes miteinander geschaffen, und wir reden alle noch miteinander. Zwischen den einzelnen Personen ist Vertrauen entstanden, wobei immer die unterschiedlichen Interessen im Hinterkopf sind. Das ist aus den Rollen begründet, das sehe ich sehr nüchtern. Uns ist es gelungen, dass wir zwar sachlich vielleicht durchaus unterschiedliche Vorstellungen haben, aber auf der persönlichen Ebene im Gespräch miteinander bleiben. Von dieser Basis kannst du dann die anstehenden Projekte der Citywerkstatt gut miteinander auf den Weg bringen.
Dieses Miteinander zu schaffen war der schwierigste und der wichtigste Punkt?
Wenn Menschen bewusst nicht miteinander wollen, dann kannst du dich auf den Kopf stellen und es wird nichts passieren. Miteinander arbeiten bedeutet miteinander schaffen, und das ist, glaube ich, der Kern.
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Wie geht es 2025 mit der Citywerkstatt weiter?
2025 liegt der Schwerpunkt auf den Eigentümern im Kontext Altstadt. Dabei geht es um Eckpunkte wie Einkaufsstandort Ansbach, Aufenthaltsqualität – also alles das, was letztlich die Attraktivität des Standortes angeht. Ansbach hat eine schnuckelige Altstadt, ja, die hat aber deutlichen Renovierungs-, wenn nicht Sanierungsbedarf. Das ist ein Kernpunkt, da voranzukommen.
„Der Dialog mit den Eigentümern geht von der Stadt aus.”
Federführend wird dabei die Stadt sein, oder ist es weiter eine offene Gruppe?
Daten und Datenschutz ist ein großes Thema. In dem Kontext darf nur die Stadt die Eigentümer anschreiben. Mit ihren Gebäuden prägen sie das Bild der Stadt. Wir möchten mit den Eigentümern einen konstruktiven Weg entwickeln, wie die Immobilien aufgewertet werden können. Das muss sich rechnen, und auf dem Weg kann die Stadt eine gut koordinierte, aber auch moderierende Rolle einnehmen. Der Dialog mit den Eigentümern geht von der Stadt aus. Und klar, das ist jetzt nichts, wo im ersten Schritt jede Bürgerin, jeder Bürger teilnehmen kann.
Was sagen Sie dazu, dass die Bemühungen laut Kritiker fünf Jahre zu spät kommen?
Die Frage nach dem Zeitpunkt ist verständlich, aber wichtiger ist, dass wir jetzt die Möglichkeit haben, den Standort Ansbach gezielt weiterzuentwickeln. Vor fünf Jahren waren wir alle in einer anderen Situation, geprägt von der Corona-Pandemie und ihren weitreichenden Auswirkungen. Der Handlungsbedarf ist jedenfalls klar, wenn man mit offenen Augen durch die Innenstadt geht: Es braucht Immobilien, die eine zeitgemäße Nutzung ermöglichen – sei es für Wohnen, Arbeiten, Kultur oder moderne Dienstleistungen.
Und die Rolle der Stadt dabei?
Die Stadt setzt in diesem Prozess Impulse und motiviert die Eigentümer, in ihre Immobilien zu investieren. Eine Innenstadt mit gut sanierten Immobilien wird insgesamt attraktiver. Sie zieht nicht nur neue Mieter oder Gewerbetreibende an, sondern steigert in der Folge auch den individuellen Wert der Immobilien. Das kann ein sich positiv verstärkender Prozess werden und ist daher eine große Chance.
„Die Ideen fallen auf fruchtbaren Boden.”
Von den Immobilien zur Gruppe der Gewerbetreibenden, den Händlern: Muss aus der Citywerkstatt nun nicht ein Zusammenschluss der Händler entspringen?
Es ist total wünschenswert, dass aus dem, was wir miteinander an Projekten gemacht haben, eine wie auch immer geartete Vereinigung oder Interessensgruppe entsteht, in der alle Händler der Altstadt vertreten sind, aber auch das Brücken-Center. Es geht um die weitere Durchführung von Projekten, die bewusst auf die Förderung des Einkaufs in Ansbach gerichtet sind – wie die lange Einkaufsnacht, das Osterhasen-Suchspiel oder die Stiefel-Rallye.
Sie haben Gespräche dazu geführt, wie waren die Reaktionen?
Es gibt ganz viele Menschen, die ein Interesse daran haben, dass es vorwärtsgeht in Sachen Handel und Einkaufen in Ansbach. Die Ideen fallen auf fruchtbaren Boden, dass so eine Vereinigung sinnvoll wäre für den Einkaufsstandort Ansbach. Die ersten Rückmeldungen gehen dahin: „Ja, ich kann mir vorstellen, mitzumachen, und mal ein Projekt auch unter meiner Federführung zu koordinieren“.
Klingt reichlich vage...
Im Moment gibt es noch niemanden, der die große Struktur aufbauen will, mit Beitrag zahlen, Adressverteiler und sonst was. Dafür ist es aber auch noch viel zu früh.
„Vielleicht ist das ein guter Satz: Niemals war es leichter als jetzt.”
Gibt es ein Patentrezept, wie Interessen von Ladenbesitzern in der Altstadt mit denen des Brücken-Centers zu verbinden sind?
Viele Händler meinen mit Blick auf Einkaufszentren – und das sage ich bewusst und nicht bezogen auf das Brücken-Center –, dass die ja eh machen, was sie wollen, die haben ihren eigenen Kosmos, und die interessiert gar nicht, was um sie herum passiert. Das Gegenteil ist im Brücken-Center der Fall. Auch wenn es eine besondere Form des Handels darstellt, ist es eingebunden in einen Gesamteinkaufsstandort. Wesentlich ist, dass man konkrete Projekte miteinander macht. Ein Patentrezept: konkret gemeinsam an etwas arbeiten, sich dabei besser kennenlernen und gemeinsam Erfolge feiern.
Wäre es nicht höchste Zeit für einen wie auch immer gearteten Zusammenschluss?
Jetzt ist der richtige Zeitpunkt wirklich da, in die Bütt zu gehen, wenn wir den Kontext nach zwei Jahren Citywerkstatt sehen. Wir haben miteinander Projekte umgesetzt, auch viele mit Bezug zum Handel. Dass daraus etwas entsteht, dass etwas passiert an so einem Einkaufsstandort, das kann nur in der Verantwortung der Händler sein. Insofern ist jetzt der Zeitpunkt, die fertigen Projekte zu übernehmen. Vielleicht ist das ein guter Satz: Niemals war es leichter als jetzt.
Womöglich auch für einen Citymanager – der von der Stadt bezahlt wird?
Wer profitiert von bestimmten Maßnahmen, die die Stadt ergreift oder ergreifen sollte? Die Verantwortung der Stadt ist die für die Gestaltung des öffentlichen Raums. Also, wie sieht der öffentliche Raum aus und stimmen die Rahmenbedingungen? Die Verantwortung des Handels ist doch aber dann alles das, was das Thema Einkaufen angeht. Hier geht es nicht darum, eine Opferrolle anzunehmen, sondern aktiv zu gestalten, was das eigene Geschäft betrifft.
Der Handel ist in der Pflicht?
Ich bin da bei dem, was Jürgen Wolf (Café am Schloss, Anm. d. Red.) kürzlich in einem Beitrag der FLZ gesagt hat. Frag’ nicht, was deine Stadt für dich tun kann, sondern frage dich, was du für deine Stadt tun kannst. Diese Haltung wäre in Bezug auf diese Projekte richtig gut angelegt.
„Ich sehe eine hervorragende Anbindung zwischen Brücken-Center und Altstadt.”
Wo sehen Sie Ansbach 2030? Gibt es da eine florierende Innenstadt, ein funktionierendes Zusammenspiel mit dem Brücken-Center?
Eine Glaskugel habe ich natürlich nicht, aber wenn es um eine Wunschvorstellung geht, dann sehe ich ganz wunderbar sanierte Häuser in der Altstadt. Ich sehe ein ausgewogenes Angebot des Handels und eine Gastronomie mit einem vielfältigen Angebot, auch zu Mittag. Ich sehe eine hervorragende Anbindung zwischen Brücken-Center und Altstadt, und ich sehe ganz viele Angebote für alle Altersgruppen, die Ansbach dann gerne besuchen, und ich sehe noch viel stärker als bisher, dass Ansbach anziehend wird für Touristen.
Mehr Events in der Altstadt würden sicher helfen. Bislang profitiert Ansbach kaum vom Gästeaufkommen im Seenland...
Dazu kenne ich keine Zahlen. Aber es gibt viele Aktivitäten, auch von der Stadt Ansbach, vor allem aus dem Bereich von Frau Wilhelm (Referentin für Kultur und Tourismus, Anm. d. Red). Aber klar, da gibt es noch gutes Potenzial für mehr Tagestourismus.
Zum Beispiel zur Bachwoche?
Ich wünsche mir, dass wir die Ansbach-Buchstaben zur Bachwoche mit einem Herzchen versehen. „Ans liebt Bach“, so als kleines Wortspiel. Das wäre ein schönes Zuckerl.
Klingt nett im Detail, ein großer Kritikpunkt aktuell ist, dass sich Genehmigungsverfahren zu lange hinziehen. Platt gefragt: Muss die städtische Verwaltung schneller werden?
Eine gute Frage. Ganz allgemein bin ich da zu einhundert Prozent bei Ihnen. Ja klar, es muss immer viel, viel schneller gehen. Die Frage im Speziellen: Wo ist das nicht so?
„Eine Tendenz dazu, Regelungen abzuschaffen, habe ich noch nicht entdecken können.”
Oft reicht ja schon die deutsche Bürokratie, um Dinge in die Länge zu ziehen...
Wenn du viele Regelungen schaffst, dann brauchst du viele Leute, die diese Regelungen in irgendeiner Art und Weise auch umsetzen helfen – und viele Leute müssen extra deswegen angestellt werden. So schaffst du eine Komplexität, die zu dem führt, was wir als überbordende Bürokratie in Deutschland erleben. Das ist ein Grundübel. Eine Tendenz dazu, Regelungen abzuschaffen, habe ich noch nicht entdecken können.
Ein Gegenbeispiel ist Fürth: Dort wird in einem gut funktionierenden Zusammenspiel zwischen Oberbürgermeister und Wirtschaftsreferent sehr viel sehr schnell möglich gemacht...
Gut möglich. Das ist übrigens aber auch ein super Narrativ. Hut ab, auch zu der Geschichte, die da rundherum erzählt wird. Da wird weder Horst Müller noch der Fürther OB wirklich müde, immer wieder zu erzählen, was man alles so möglich gemacht hat, miteinander.
Ist es nicht eine Sache des individuellen Risikoempfindens und damit einer Betonung der Spielräume?
Spielräume bestehen, aber das macht ja die Risiken nicht kleiner. Wichtig ist, dass wir diese Risiken nicht isoliert betrachten, sondern im Kontext der Chancen, die sich für den Standort Ansbach ergeben. Dabei kommt es auf ein ausgewogenes Verhältnis an: Einerseits Mut und andererseits die Fähigkeit, Risiken realistisch einzuschätzen und professionell zu managen. Diese Balance ist eine Aufgabe, die alle Beteiligten – Eigentümer, Verwaltung und andere Akteure – am besten gemeinsam angehen können.
Risiko als steter Wegbegleiter: Sehen sie darin positive Aspekte?
Absolut. Wenn alle im Vorfeld Klarheit haben, welche möglichen Risiken bestehen, können diese nüchtern verhandelt werden. Dann kannst du in deiner jeweiligen Rolle Verantwortung übernehmen: Als Eigentümer, indem du dich mit deinem individuellen Projekt in wirklich allen Aspekten auseinandersetzt, und die Verwaltung, indem sie klare Rahmenbedingungen und unterstützende Maßnahmen schafft. Erst dann kann ja die Basis dafür entstehen, dass Risiken zwischen allen Beteiligten fair verteilt werden können.
Diplom-Kaufmann Gregor Heilmaier (49) hat sich nach vielen Jahren in der freien Wirtschaft 2009 seinen Traum von der Selbstständigkeit erfüllt. Zusammen mit Ehefrau Katrin führt er die Unternehmensberatung „Heilmaier und Heilmaier GmbH“, die unter anderem mittelständische Unternehmen fit macht für die digitale Zukunft. In seiner Freizeit spielt Heilmaier gerne Tennis, feuert den 1. FC Nürnberg an oder geht mit Familien-Hündin Elli spazieren. Laut eigener Homepage handelt er gerne intuitiv, erspürt Situationen und springt im Freibad auch mal vom Zehn-Meter-Turm, um die Grenzen der eigenen Komfortzone aufzubrechen.