Als eine „persönliche Reise“ bezeichnet Dr. Amy Gutmann ihre Zeit als US-Botschafterin in Deutschland, die jetzt im Sommer zu Ende geht. Denn sie konnte eine Riesenlücke in ihren Leben füllen. Eine wichtige Rolle dabei hat Feuchtwangen gespielt, wo ihr Vater Kurt Gutmann geboren und aufgewachsen ist.
In den vergangenen zweieinhalb Jahren habe sie so viel über das Leben ihres Vaters und dessen gesamter Familie sowie anderer jüdischer Familien in der Stadt erfahren, erklärte Gutmann bei ihrem dritten und letzten Besuch in Feuchtwangen als US-Botschafterin. Sie sei „stolz, Teil der Geschichte von Feuchtwangen zu sein“.
Sie dankte den Verantwortlichen des Fränkischen Museums sowie den Einwohnerinnen und Einwohnern von Feuchtwangen, dass sie stapelweise Material über das jüdische Leben in der Stadt – und insbesondere über die Familie Gutmann – zusammengetragen haben.
Besonders hervor hob die US-Botschafterin Gutmann auch das gemeinsame Recherche- und Ausstellungsprojekt „Spuren jüdischen Lebens in Feuchtwangen“ der Klasse 11c des örtlichen Gymnasiums mit ihren Lehrkräften Anke Mantsch und Randolf Six und des Fränkischen Museums mit seiner Leiterin Dr. Uta Karrer. Sie könnten stolz darauf sein, sagte Gutmann zu den Schülerinnen und Schülern.
Bildung ist der Schlüssel.
Einige von ihnen empfingen die Delegation um Gutmann, darunter ihr Mann, der Politologe Michael Doyle, vor dem Haus der Familie Gutmann in der Hindenburgstraße 6. Dort wurden im vergangenen Jahr in Anwesenheit von Gutmann Stolpersteine verlegt. Ein Tag, den sie nie vergessen werde, meinte die US-Botschafterin. Auch jetzt war sie zu Tränen gerührt.
Nach dem Besuch der Ausstellung im Fränkischen Museum sprach Gutmann anschließend in dessen Garten das letzte Mal im Rahmen ihrer Kampagne „Stand Up, Speak Out“. Als stolze Tochter eines deutsch-jüdischen Geflüchteten und als US-Botschafterin in Deutschland sei es für sie eine persönliche und eine berufliche Verpflichtung, Antisemitismus, Extremismus und alle Formen von Hass zu bekämpfen.
Ihr persönliches Mantra laute: „Jeder Mensch ist eine Welt.“ Jeder Mensch könne etwas bewirken. „Alles, das wir tun, aber auch alles, das wir nicht tun, hat eine Wirkung.“
Wer Haltung zeige und seine Stimme erhebe, mache „unser Leben dadurch besser und unsere Gemeinschaften stärker“. Individuelle Freiheit und Demokratie sollten niemals als selbstverständlich betrachtet werden.
Gutmann ist überzeugt, dass es Menschen braucht, die kritisch denken, die schwierige Fragen stellen und die neue Sichtweisen einbringen. Denn: „Schweigen ist die Strategie der Feiglinge.“ Für Bürgermeister Patrick Ruh ist Gutmann eine „Botschafterin für Menschlichkeit und Werte“.
Hassbotschaften, Diskriminierung und Mobbing bedrohten immer wieder nicht nur die Freiheit und die Rechte der einzelnen betroffenen Person, sondern auch die der Gruppe und die der Gesellschaft, unterstrich Ruh. Die kommenden Generationen müssten sich weiter einmischen, laut sagen, was falsch sei, und handeln. „Nur so bleiben wir eine freie demokratische Gesellschaft.“
Der Rathauschef betonte mit Nachdruck, wie entscheidend Bildung sei. Sie ermögliche es, Wahrheit von Unwahrheit zu unterscheiden, Desinformation zu begegnen. Gutmann sieht es genauso: „Bildung ist der Schlüssel, die Welt besser zu machen.“ Sie selbst lerne immer noch jeden Tag etwas dazu, sagte sie im anschließenden Dialog mit jungen Menschen, den Julius Tsai, US-Konsul für öffentliche Angelegenheiten, moderierte.
Sehr gefährlich ist in Gutmanns Augen der Erfolg rechter Parteien in mehreren europäischen Ländern. Es sei in diesem Zusammenhang weiterhin bedeutend, die Lehren der Vergangenheit in die Gegenwart zu bringen, wie es etwa mit der Ausstellung „Spuren jüdischen Lebens in Feuchtwangen“ getan werde.
Gutmann erklärte, wie wichtig dem US-Präsidenten Joe Biden die deutsch-amerikanischen Beziehungen seien. Außerdem verriet sie, dass sie die Spiele der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft schaut und dem Team die Daumen drückt.
Zum Abschluss forderte sie die manchmal pessimistischen Deutschen auf, optimistischer zu sein.