Die Molkerei hatte eingeladen zum „Stadtgespräch“. Das Thema: „Leere Läden, leere Straßen: Hat der Einzelhandel in Rothenburgs Altstadt noch eine Chance?“ Das Interesse abseits der Bühne war groß, auf die Bühne selbst und mitreden wollten nicht so viele, wie Moderator Oliver Götz verriet. Die Fünf, die sich getraut haben, haben klare Aussagen getroffen.
Auf den Stühlen Platz genommen hatten Oberbürgermeister Dr. Markus Naser, die städtische Wirtschaftsförderin Stefanie Mälzer (früher Wiegel), die Leiterin der IHK-Geschäftsstelle Ansbach, Karin Bucher, sowie zwei Rothenburger Unternehmer: Takuma Wohlfahrt, Teil der Geschäftsführung Käthe Wohlfahrt, und Julian Unger, Geschäftsführer Teddys Rothenburg GmbH.
Man muss den gemeinsamen roten Faden finden und ihn dann gemeinsam verfolgen.
Alle machten ihre Sache gut, führten ein interessantes, kurzweiliges Gespräch, aber vor allem Unger und Wohlfahrt brachten viel Struktur, Fachwissen und kluge Gedankengänge in die Runde ein, sprachen Dinge offen an, trafen klare Aussagen und hatten vor allem einen Wunsch: mehr Zusammenarbeit zwischen allen.
Im Lauf einer guten Stunde wurden alle möglichen Rothenburger Themen angesprochen, die in Zusammenhang mit dem Einzelhandel und Leerständen stehen. Leerstände gibt es in der Altstadt 40, wie Wirtschaftsförderin Mälzer erklärte. In zwölf Fällen laufen Umbaumaßnahmen (Stand 2023). Bleiben 28. Das ist ihr zufolge nicht übermäßig hoch im Vergleich zu anderen Städten der Rothenburger Größenordnung. Sie sagt aber auch, dass Rothenburg sich nur schwer mit anderen vergleichen lässt – aufgrund der anderen Struktur.
Den Vergleich zu Westmittelfranken zog Karin Bucher: Die meisten Innenstädte haben vergleichbare Probleme wie Leerstände, schwindende Kunden- und Besuchsfrequenzen. „Das ist nichts, was spezifisch Rothenburg betrifft.“
Die Denkweise der Stadtverwaltung zu solchen Leerständen erklärte Oberbürgermeister Naser gleich zu Beginn der Gesprächsrunde so: „Wir versuchen, uns dagegen zu stemmen, dass der Einzelhandel weniger wird. Wir arbeiten dran, dass wir alles so weit, wie es irgendwie geht, halten. Ich glaube aber ehrlich nicht, dass es nicht zu einem weiteren Rückgang kommen wird. Es wird weniger werden.“ Wie die Stadt damit umgehen wird?
Laut Naser muss nicht in jedes ehemalige Ladengeschäft wieder Einzelhandel rein. Seine Bitte: „Sich überlegen, was passt zum jeweiligen Objekt?“ Ein gutes Beispiel für ihn ist das Hornburghaus in der Herrngasse. Früher belegt mit Einzelhandel, wird es jetzt Teil des nebengelegenen Hotels werden. „Das ist eigentlich für dieses Gebäude die ideale Lösung.“ Er glaubt nicht, dass man an dieser Stelle mit neuem Einzelhandel glücklich geworden wäre.
Für Julian Unger ist die Zukunft des Einzelhandels in der Stadt klar: Sie besteht aus „Einzelhandel in Kombination mit einem Online-Handel“. Das auch, um verschiedenen Risiken besser standhalten zu können – Stichwort Corona-Krise und Terror-Anschläge. Dieser Meinung ist ebenfalls Takuma Wohlfahrt, der sagte, dass der Einzelhandel optimistisch in die Zukunft blicken könne, wenn bestimmte Maßnahmen getroffen würden. Wichtig für ihn: In der Zukunft an einem gemeinsamen Strang ziehen. Er sagte: „Man muss den gemeinsamen roten Faden finden und ihn dann gemeinsam verfolgen.“
Denn was während der Gesprächsrunde immer wieder durchschien: Die beiden Unternehmer sind regelmäßig im Gespräch, tauschen sich aus, blicken auf die Stadt und den Handel als Gesamtpaket.
So äußerten sie sich auf Nachfrage von Moderator Oliver Götz zum Beispiel auch eindeutig zur „Vernetzung der Akteure“, der Stadtmosphäre (die etwa Ungers Betrieb nicht so viel mehr an Umsatz bringt) und zum Stadtmarketing-Verein. Der Verein ist für Unger eine „super Idee“, „absolut richtig“ und „super angebracht“. Ihm fehlt aber etwas. Als er das Geschäft übernommen hat, sei er erst einmal Mitglied geblieben, dann aber ausgetreten, als er gemerkt habe, der Verein sei ein „stumpfes Schwert“. Sowohl Käthe Wohlfahrt als auch Teddys Rothenburg sind nicht Mitglied, würden sich aber wünschen – so kam es rüber –, dass sie von der neuen Geschäftsführung erneut angesprochen werden.
Als Idee, wie die Vernetzung aller noch besser funktionieren könnte, brachte Karin Bucher eine „City-Werkstatt“ ins Spiel, wie sie wohl in Nürnberg und Ansbach gut funktioniert. Hier kommen alle möglichen Menschen zusammen, die an der Innenstadt oder Stadt allgemein Interesse haben. „Da sind die Ideen gesprudelt.“ Sie betonte: „Sowas geht immer nur gemeinsam.“
Sich für neue Sachen zu öffnen und sich dem nicht zu verweigern.
Weitere Themen, die angerissen wurden, waren zum Beispiel eine mögliche „Lange Nacht des Einkaufens“ (Naser: „Definitiv eine Option für uns“), die Verlängerung des Reiterlesmarktes, Sonntags-Öffnungszeiten, Parkgebühren, die Sorge vor einer schwächeren Kundenfrequenz und dass das stationäre Einkaufen ein Erlebnis sein sollte.
Julian Unger ermunterte dazu, sich nicht nur auf den Einzelhandel zu konzentrieren, sondern „Multi-Channel“ unterwegs zu sein, also auf mehreren Kanälen wie zum Beispiel Online-Marktplätzen. Sein Tipp für den Einzelhandel: „Sich für neue Sachen zu öffnen und sich dem nicht zu verweigern. Sich auch auf Marktplätze einlassen und seinen eigenen Weg dort zu finden und sich was zuzutrauen.“