Der Hesselberger oder Zenngründer mag es kaum glauben: Auf manchen Fußballplätzen Bayerns gibt es bis heute einen Reservespielbetrieb. Für die Vereine im Kreis Nürnberg/Frankenhöhe ist das graue Vorzeit, dort lieben sie ihre B-Klassen. Oder? Rainer Wölzlein glaubt das nicht so ganz, er will einen „Denkanstoß” geben.
Wölzlein ist nah dran: Er ist Spielleiter bei Bezirksligist Fortuna Neuses und auch verantwortlicher Gruppenspielleiter beim BFV für die Kreisklasse 1, die A-Klassen 1 und 2 sowie die B-Klassen 1 und 2. In seinem Zuständigkeitsbereich im Raum Hesselberg hat er eine Umfrage bei den Vereinen gestartet mit den Fragen: Könnt ihr euch einen Reservespielbetrieb vorstellen und wäre das auch eine Entlastung?
Ginge es nach Wölzlein, könnte das schon zur kommenden Saison 2026/27 Realität werden. Bürokratische Hürden und komplizierte Entscheidungsprozesse auf Verbandsebene gebe es nicht. Die Reserveligen seien mit Ende der Saison 2009/10 nicht abgeschafft, sondern im hiesigen Kreis nur stillgelegt worden. Dafür wurden die B-Klassen als unterste Stufe einer durchgängigen Ligapyramide eingeführt, die bis zur Bundesliga hochreicht.
„Die Option der Reserven besteht jederzeit”, betont Wölzlein und lenkt den Blick auf den Kreis Erlangen/Pegnitzgrund. Dort wurde 2023 die erste Reserveliga mit damals 16 Vereinen wieder eingeführt, mittlerweile gibt es neben den sieben regulären A-Klassen auch drei Reserveligen, B-Klassen gibt es nicht. Sogar einen vollständigen Reservebetrieb von der Kreisliga bis zur A-Klasse gibt es im Kreis Niederbayern West.
Die Gründe für den Vorstoß liegen auf der Hand. Viele B-Klassen-Spieler wollen nur kicken, aber nichts mit der A-Klasse zu tun haben, regelmäßig wollen selbst Meistermannschaften nicht aufsteigen. Die Zahl der Mannschaftsabmeldungen während der Runde ist zu groß. Und das zur Überbrückung von Spielerengpässen gedachte Konstrukt der Spielgemeinschaften hat sich längst verselbstständigt – übrigens zum Leidwesen des BFV.
Ursächlich für diese Dinge ist ein Mangel an Spielern, die an einem regelmäßigen, straff organisierten Wettkampf teilnehmen wollen. Da Wölzlein prognostiziert, dass dieser Mangel nur noch zunehmen wird, sagt er: „Meine Intention ist: Wir müssen irgendetwas tun, sonst gehen wir vor die Hunde.”
„Ich habe vor fünf Jahren beim Verband angefangen, da habe ich das schonmal in den Raum geworfen”, erzählt Wölzlein. Damals habe es noch geheißen: Ja, die Vereine haben doch die B-Klassen gewollt, also haben wir sie ihnen gegeben. Wölzlein nahm nun einen neuen Anlauf und durfte seine Umfrage in Absprache mit seinen BFV-Spielleiterkollegen starten. Er sagt: „Ich sehe doch, wie die Vereine kämpfen.”
Reserven bieten aus Sicht von Wölzlein gewisse Vorteile. So entfällt die 15-tägige Sperre nach Einsätzen in der ersten Mannschaft. Vereinswechsel für reine Reservespieler sind ohne Sperren oder Ausbildungsentschädigungen jederzeit und sofort möglich. Man wäre nicht an den Rahmenterminkalender gebunden. Und die Abgaben an den Verband sind auch niedriger. Insgesamt würde der „organisatorische und sportrechtliche Druck” für die Vereine reduziert, glaubt Wölzlein.
Wichtig ist Wölzlein eine Abgrenzung zum Begriff „Freizeitfußball”. Auch der ist unter dem BFV-Dach möglich und dazu laufen auch Pilotprojekte, beispielsweise war im Kreis Neumarkt/Jura eines geplant. „Das Wording sollte schon Reservefußball bleiben.” Der Begriff ist in den BFV-Statuten fest verankert, Spielbetrieb nah dran am regulären Wettbewerb mit aufstiegsberechtigten Mannschaften ist damit klar geregelt.
Um einen attraktiven Spielbetrieb auf die Beine stellen zu können, braucht es freilich eine gewisse Anzahl an Mannschaften. In einem so großen Bereich wie dem Altkreis Frankenhöhe – Nürnberg würde Wölzlein ausklammern – gar nicht so einfach. Als zweiten Schritt will er deshalb mit Vereinen, die in der Umfrage Interesse zeigen, eine Videokonferenz terminieren, um zu besprechen, „wie man das konkret organisieren könnte”. Eine „Pilotliga” sei ab dem Sommer denkbar – parallel zu den B-Klassen, deren Zahl sich reduzieren würde.