Die Aufregung war groß damals im Oktober, nachdem der Fußballer Noah Gebre von der SpVgg Ansbach im Regionalliga-Auswärtsspiel beim FC Memmingen rassistisch beleidigt worden war. Weit weniger elanvoll als die umgehend erfolgten öffentlichkeitswirksamen Solidaritätsaktionen verläuft die rechtliche Aufarbeitung.
Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) ist in der Sache offenbar ganz außen vor. Das überrascht dann doch. Damals war von verschiedener Seite die Rede davon, man werde alle möglichen rechtlichen Schritte unternehmen. Über diverse Kanäle wurden Stellungnahmen verbreitet. Bei einem Heimspiel im Xaver-Bertsch-Sportpark wurde Rassismus im Wortsinne die rote Karte gezeigt (Zuschauer hielten entsprechende Schilder hoch) und die Teams versammelten sich hinter einem Banner, das Respekt und Toleranz einforderte. Für schöne Bilder war so gesorgt.
Auch der FC Memmingen meldete sich schuldbewusst zu Wort. „Wir werden tun, was in unseren Möglichkeiten steht, den Schuldigen zu ermitteln”, ließ sich damals der Vereinsvorsitzende zitieren. Sehr weit gekommen ist man damit offenbar nicht. Nicht einmal mithilfe der Polizei.
SpVgg-Teambetreuer Stefan Dehm zeigte den Vorfall damals bei der Polizei in Ansbach an. Zuständig ist mittlerweile die Polizeiinspektion Memmingen. Von der ist zu erfahren, dass man auch anhand von Fotos versucht habe, den Täter zu ermitteln. Dessen Identität konnte man aber bisher nicht feststellen, obwohl Beamte bei den folgenden Heimspielen des FCM ein waches Auge auf die Besucher hatten. Der Fall liege jetzt bei der Staatsanwaltschaft, so die Info aus dem Allgäu.
Dehm war damals beim Spiel in Memmingen Augen- und Ohrenzeuge der Vorfälle. Von einem Zuschauer habe er zweimal eindeutig Affenlaute in Richtung von Gebre wahrgenommen, sagte er damals der FLZ. Schiedsrichter Lothar Ostheimer wurde von den Ansbachern über den Vorfall unterrichtet und erstellte einen Sonderbericht. In dem steht allerdings auch, dass weder das Schiedsrichtergespann auf dem Platz, noch zwei andere BFV-Funktionäre die Beleidigungen wahrgenommen hätten.
„So etwas habe ich noch nie erlebt und ich wusste im ersten Moment gar nicht, wie ich darauf reagieren soll, das hat mich schon getroffen”, äußerte Gebre damals. Der 19-jährige Äthiopier kam im Sommer vom Bayernligisten TSV Kornburg zu den nullneunern.
Der BFV ist in der Sache nicht aktiv. „Da die SpVgg Ansbach den Fall bis heute weder offiziell zur Anzeige gebracht, noch – anders als angekündigt – das Foto des mutmaßlichen Täters vorgelegt hat, das zur Aufklärung des Falles zwingend notwendig gewesen wäre, und da das Schiedsrichtergespann den Vorfall selbst nicht wahrgenommen hatte, konnte unser Verbandsanwalt kein Verfahren einleiten”, antwortet die Pressestelle auf die Frage nach dem Stand der Dinge.