Ein Haus aus Papier. Dass das funktioniert, beweist nun eine kleine Hütte in der Gutenbergstraße in Heilsbronn. Binnen eines Tages wurde der Bau im Gewerbegebiet von Heilsbronn errichtet.
Das Baustoffunternehmen Wolf Bavaria arbeitet seit Längerem mit der Technischen Universität (TU) Darmstadt an der Idee eines Hauses aus Pappe. Zusammen mit der Firma Holz und Dach Leyherr aus Dillingen entstand nun der erste Prototyp. Michael Wolf, der zusammen mit seinem Vater Richard an der Spitze von Wolf Bavaria steht, ist sehr zufrieden, dass sich das Forschungsprojekt jetzt endlich anfassen lässt.
Bewohnbar ist die Hütte mit 4,30 auf 3,60 Quadratmetern Grundfläche nicht. Der Bau ist nicht an die Wasser- und Abwasserversorgung angeschlossen. Aber Strom steht zur Verfügung. Das will Michael Wolf nutzen und den Raum zu einem kleinen Wartebereich ausbauen. Er stellt sich daneben eine E-Ladesäule vor. Im Inneren kann man dann einen Kaffee trinken, während draußen der Stromer lädt. Auch das Mobiliar soll aus Papier gefertigt werden. „Dann bekommt man einen ersten Eindruck vom Wohnklima”, erklärt Wolf. Er hofft, auf diese Weise Interesse zu wecken.
Gleichzeitig kann sich das Gebäude nun im Praxistest bewähren und zeigen, dass das Baumaterial tatsächlich keine Feuchtigkeit zieht – weder bei Regen noch aus Kondenswasser, dass sich im Inneren bilden kann.
Das Häuschen in Heilsbronn steht auf einer Zementfaserplatte und wurde in 24 Einzelteilen vorgefertigt. Es dauerte nur wenige Stunden, bis alles aufgebaut war. Von einem Baukastenprinzip, an das er ursprünglich einmal gedacht hatte, ist Michael Wolf abgerück. Die Einzelteile sind zu schwer. „Ohne Kran kommst du da nicht weit.” Immerhin: Erste Campingplätze hätten schon Interesse bekundet, sagt Michael Wolf.
Geheizt wird der Raum übrigens ebenfalls ganz innovativ mit einer speziellen Papier-Elektroheizung. Die Freudenberg-Gruppe webt Kohlefasern in den Wandbelag ein, erläutert Wirtschafts-Ingenieur Michael Wolf. So wird die Tapete leitfähig und kann als Heizung dienen. Wer einen Nagel in die Wand schlägt, muss angesichts des Niedervoltsystems dennoch keine Angst haben, einen Stromschlag verpasst zu bekommen.
Nun geht es ans Feintuning. Denn beim Prototyp sind die einzelnen Komponenten der Wände noch nicht auf Effizienz ausgerichtet. Vielmehr haben die Studentinnen und Studenten einfach probiert, bis die Werte gepasst haben. Als nächster Schritt folgt die Optimierung: „Wir wollen am Ende dorthin, dass es nur noch drei Schichten sind, die aber trotzdem unseren Anforderungen Statik und Wärme genügen”, erläutert Wolf.
Eine möglichst einfache Bauweise ist wichtig. Denn sein Ziel ist es, am Ende auf einen Quadratmeterpreis von 1500 Euro zu kommen. Vor ein paar Monaten hatte er sogar noch 1000 Euro als Zielmarke gesetzt, doch das ist nicht machbar. Ohnehin: Eine Stein- oder Holzbauweise kann mit diesen Preisen heutzutage nicht mithalten.
Außerdem muss natürlich das Erscheinungsbild noch etwas hübscher gemacht werden als beim jetzigen Prototyp. Michael Wolf hat einen Architekten beauftragt, ein schickes Chalet mit etwa 50 Quadratmetern aus Papier zu gestalten. Ein solches soll idealerweise im Herbst sowohl in Mittelfranken als auch in Ungarn aufgestellt werden.
Michael Wolf: „Damit wollen wir im Januar 2027 dann auf die Messe BAU in München.” Grundsätzlich wären auch größere Bungalows denkbar, erklärt der Geschäftsführer. Nur, wenn es mehr als ein Geschoss wird, wird es schwieriger.
Und warum mischt nun ausgerechnet Baustoffproduzent und -handel Wolf Bavaria aus Heilsbronn im Papierhaus-Markt mit? Das Hauptprodukt des Unternehmens ist ein effizientes Schall-Dämmsystem namens Phonestar. Es handelt sich um eine spezielle Wellpappe, die mit feinem Sand befüllt wird. Dadurch wird die Platte fest, schwer und schluckt Lärm aller Art. Ein solcher Schallschlucker hilft im Papierhaus gegen die Hellhörigkeit.