Richard und Michael Wolf aus Heilsbronn fertigen Dämmplatten gegen Lärm | FLZ.de

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Veröffentlicht am 04.01.2025 07:00

Richard und Michael Wolf aus Heilsbronn fertigen Dämmplatten gegen Lärm

Die Fertigung von Wolf Bavaria in Heilsbronn läuft dank weier Industrieroboter weitgehend automatisiert ab. (Foto: Robert Maurer)
Die Fertigung von Wolf Bavaria in Heilsbronn läuft dank weier Industrieroboter weitgehend automatisiert ab. (Foto: Robert Maurer)
Die Fertigung von Wolf Bavaria in Heilsbronn läuft dank weier Industrieroboter weitgehend automatisiert ab. (Foto: Robert Maurer)

Der Erfolg der Firma Wolf Bavaria ist auf Sand gebaut. Und auf Papier. Im wörtlichen Sinn. Das in Heilsbronn beheimatete Unternehmen fertigt Dämmplatten aus diesen beiden Komponenten und sorgt damit für jede Menge Innovation in der Baubranche.

Die Idee ist ebenso einfach wie genial. Man nehme Wellpappe und befüllt die Zwischenräume mit extrem feinen Sand. Das Ergebnis ist eine enorm schwere Platte, die allein schon aufgrund ihres Gewichts eine schalldämmende Wirkung hat. Das lose in den Kammern liegende Material tut sein Übriges, um den Schall sozusagen weiter versanden zu lassen. Wenn man mit einem Hammer in eine Sandfläche schlägt, ist das auch wesentlich leiser als bei einem Schlag auf einen Stein.

Erste Experimente vor 20 Jahren

Vor 20 Jahren in einem Stall in Külbingen haben Richard und Michael Wolf – Vater und Sohn – damit begonnen, mit der Technik zu experimentieren. Über einen Zwischenschritt im Petersauracher Ortsteil Frohnhof landeten sie schließlich im Gewerbegebiet in Heilsbronn, wo sie sich seit 2018 mehr und mehr ausbreiteten.

Das Unternehmen hat dort kräftig investiert. Vor einigen Wochen ist eine zusätzliche Fertigungshalle in Betrieb gegangen. Nun verfügt man über rund 3500 Quadratmeter Hallenfläche. Mit zwei neuen Hightech-Robotern läuft die Produktion nunmehr weitgehend automatisiert ab. Alles in allem eine Investition im unteren siebenstelligen Bereich, wie Michael Wolf erklärt.

Aktuell beschäftigt das Baustoffunternehmen rund 50 Menschen in Heilsbronn. Weltweit sind es etwa 150. Zuletzt erwirtschaftete man einen Jahresumsatz von rund zehn Millionen Euro. Michael Wolf sieht ein potenzielles Wachstum von 30 Prozent durch die jüngsten Investitionen.

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Vielfältige Möglichkeiten

Bedarf an der wirksamen Schalldämmung ist auf jeden Fall gegeben. Bei der Umgestaltung alter Industriegebäude zu Wohnraum ebenso wie bei modernen Tiny-Häusern, die in enge Siedlungen gestellt werden, oder bei Reihenhäusern, die akustisch voneinander entkoppelt werden müssen. „Wir sind in Gesprächen mit Fertighausanbietern“, erklärt Seniorchef Richard Wolf. Auch die an Bedeutung gewinnende Modulbaubranche, die auf in Produktionshallen vorgefertigte Elemente setzt, zeigt Interesse. Nicht nur im Wohn- auch im Funktionsbereich, zum Beispiel beim Bau von Kindergärten oder Schulen.

Die Lösung aus Heilsbronn ist dabei nicht nur sauber und kompakt, sie ist auch ökologisch problemfrei. Chemikalien kommen nicht zum Einsatz, nur sieben Schichten Papier und sechs Schichten Sand dazwischen. „Das ist absolut umweltfreundlich“, betont Richard Wolf.

Platten werden schwimmend verklebt

Die vorgefertigten Platten werden Stoß an Stoß schwimmend oder verklebt verlegt. Um auf die jeweiligen Raummaße zu kommen, lassen sie sich einfach zurechtschneiden. Klebeband verhindert, dass der Sand heraus rieselt.

Ein Quadratmeter der Schalldämmung bringt es auf 18 Kilogramm Gewicht. Bei einer Stärke von 15 Millimetern. Unter dem Namen Phonestar gibt es die Platten im Baustoffhandel für Unternehmen ebenso wie im Baumarkt für den Endverbraucher.

Baukosten werden gesenkt

Die Möglichkeiten sind enorm: Michael Wolf erzählt vom Bau eines Hauses mit zwölf Wohnungen. Der Planer hat gerechnet und festgestellt, dass er durch den Einbau von Phonestar-Platten die Betondecken und -wände deutlich dünner gießen konnte – bei gleichbleibender Schalldämmung. Das senkte die Baukosten enorm und sorgte gleichermaßen dafür, dass mehr Wohnraum entstand, weil die Wände nicht so viel Volumen hatten.

Bemerkenswert ist, dass weder Michael noch Richard Wolf aus der Baubranche kommen. Michael Wolf (44) ist Wirtschaftsingenieur und hat im Bereich Maschinenbau und Betriebswirtschaftslehre angefangen. Richard Wolf (71) ist ebenfalls Wirtschaftsingenieur, hat seine Wurzeln in der Landwirtschaft und war viele Jahre im Management von Siemens tätig. Aber beide Geschäftsführer sind Typen mit einem Draht zu praktischen Lösungen.

Die Phonestar-Platte ist das Fundament des Unternehmens. Aber sie ist längst nicht mehr das einzige Produkt. In den vergangenen zwei Jahrzehnten sind immer neue spezialisierte Lösungen für die verschiedenen Herausforderungen auf dem Bau entstanden. „Wir entwickeln ständig etwas Neues“, betont Richard Wolf. Das beeindruckt auch die Fachwelt: Für die One-Block-Wall mit einer Schalldämmung von beachtlichen 66 Dezibel hat das Unternehmen den Innovationspreis auf der Bau München im Jahr 2023 erhalten.

Ganz einfach zur Fußbodenheizung

Neben der Schallentkopplung in verschiedenen Variationen hat sich Wolf Bavaria mit einem System für den nachträglichen Einbau einer Fußbodenheizung ein sehr erfolgreiches zweites Standbein geschaffen. Es handelt sich um ähnliche Platten aus Papier und Sand, aber diese haben Vertiefungen, um die Leitungen der Heizung aufnehmen zu können.

Laminatboden raus, die Wolf-Bavaria-Platten rein, neuer Fußbodenbelag drauf, fertig. Der zusätzliche Bodenaufbau beträgt gerade einmal zwei Zentimeter. Dabei sind die Platten absolut druckstabil. Natürlich funktioniert das Ganze auch in der Senkrechten als Wandheizung.

Gerade im Hinblick auf so manch anstehenden Heizungstausch im Altbau hat die Technik enormes Potenzial. Denn moderne Wärmepumpen funktionieren mit Flächenheizungen eben am besten.

Netzwerk reicht über Europa hinaus

Von Mittelfranken aus hat Bavaria Wolf ein großes Netzwerk aufgebaut. „In Europa sind wir ziemlich flächendeckend vertreten“, sagt Richard Wolf. Es gibt fast überall Vertriebspartner. Aber auch weit entfernt liegende Märkte wie jüngst Neuseeland, Südkorea oder die Vereinigten Arabischen Emirate haben die Heilsbronner im Blick – mit unterschiedlichen Kooperationsmodellen.

Michael und Richard Wolf können nicht still halten. Sie sind ständig auf der Suche nach neuen Marktfeldern. Seit einiger Zeit arbeiten sie an einem Forschungsprojekt zum Thema Haus aus Papier mit. „Wir überlegen, ob wir bei uns in der Gegend einen Protypen aufstellen, um das auszuprobieren“, sagt Michael Wolf. Die Ideen für neue Geschäftsfelder gehen ihm und seinem Vater definitiv nicht aus.

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