OB-Wahl in Rothenburg: So lief das erste Aufeinandertreffen der Kandidaten | FLZ.de

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Veröffentlicht am 25.01.2026 16:52

OB-Wahl in Rothenburg: So lief das erste Aufeinandertreffen der Kandidaten

Viele grüne Karten: Das Stimmungsbild der Jugendlichen war vorwiegend positiv – manchmal gab es aber auch eine rote Karte. (Foto: Simone Hedler)
Viele grüne Karten: Das Stimmungsbild der Jugendlichen war vorwiegend positiv – manchmal gab es aber auch eine rote Karte. (Foto: Simone Hedler)
Viele grüne Karten: Das Stimmungsbild der Jugendlichen war vorwiegend positiv – manchmal gab es aber auch eine rote Karte. (Foto: Simone Hedler)

Es war ziemlich harmonisch, ab und an wurde sich sogar gegenseitig gelobt: Das erste Triell der drei OB-Kandidaten im Jugendzentrum – der „RoundTable” – hat knapp zweieinhalb Stunden gedauert. Schon am Dienstag treffen sich Oberbürgermeister Dr. Markus Naser (FRV), Florian Vogel (CSU) und Christoph Rösch (SPD) wieder.

Das Besondere am „Runden Tisch” im Jugendzentrum (JuZ): Der Termin war für alle Rothenburgerinnen und Rothenburger im Alter zwischen 13 und 27 Jahren gedacht gewesen. Rund 20 Menschen in dieser Altersspanne waren der Einladung gefolgt, sie machten es sich auf Sofas und Stühlen bequem. Doch auch etwa zehn Menschen, die älter waren, kamen zum „RoundTable”. Ganz vorne saßen leicht erhöht die drei Kandidaten – SPD-Kandidat Christoph Rösch in der Mitte – und links Moderator Daniel Rieth auf einem Barhocker.

Insgesamt acht geplante Fragen wurden vom Moderator gestellt, sie alle hatten mit dem Thema Jugend zu tun. Zuvor eingegangen waren insgesamt 46 Fragen von Kindern und Jugendlichen. Jeder Kandidat durfte (in abwechselnder Reihenfolge) dann zwei Minuten lang darauf antworten und die Zuschauenden kommentierten anschließend mit grünen und roten Karten das Gesagte. Meist wurden grüne Karten gezeigt, dem ein oder andere Kandidaten wurden aber durchaus auch mal rote Karten entgegengestreckt.

Schon viel für die Jugend erreicht

Oberbürgermeister Dr. Markus Naser (45, FRV) stellt sich zu Beginn so vor: „Ich bin seit 26 Jahren mit meiner Jugendliebe zusammen, wir sind seit zwölf Jahren verheiratet, haben eine sechsjährige Tochter. Ich stamme aus einem kleinen Dorf acht Kilometer südlich von Rothenburg. Das Dorf heißt Wolfsau.” Studiert hat er Englisch und Geschichte, seit 2020 ist er Oberbürgermeister von Rothenburg und möchte es bleiben.

Dann kommt er ganz schnell zu den Inhalten und meint, dass in den vergangenen sechs Jahren für die Jugend viel erreicht worden sei. Er zählt die neue Freizeitanlage am Steinacher Weg auf und nennt die Planung für den neuen Bikepark. Der OB wirkt entspannt, macht sich vor seinen Antworten immer wieder Notizen. Als es darum geht, wie man Jugendliche überhaupt erreichen kann, stimmt er zuerst seinem Vorredner Rösch zu, dass die Schule hier eine wichtige Rolle spielt, und meint dann aber, dass er das Digitale für noch wichtiger hält.

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Unbefriedigende Situation im JuZ-Gebäude

Hier nennt er die kommende Bürger-App der Stadt, bezweifelt aber gleich, ob das die richtige Plattform sei. Er will eine Strategie mit dem Team des Jugendzentrums ausarbeiten. Später geht es um das JuZ-Gebäude selbst: Das ist laut Naser großzügig dimensioniert, aber doch zu klein. Auch ist es nicht barrierefrei, es fehlen Außenflächen, der Keller kann nicht genutzt werden (Brand- und Lärmschutz). Sein Kommentar: „Das alles ist ziemlich wenig befriedigend.”

Dem Goethe-Institut als Begegnungszentrum auch für Jugendliche, wie von Florian Vogel vorgeschlagen, erteilt er eine Absage: „Die Barrierefreiheit im Goethe-Institut ist noch schwieriger.” Die Parksituation sei genauso schwierig und: „Es ist immer leicht, Dinge zu versprechen. Man muss die Dinge am Schluss auch finanzieren können.” Einen Umbau des Goethe-Instituts könnte sich die Stadt nicht leisten, meint er sinngemäß.

Das bestehende JuZ weiterentwickeln

Er will das bestehende JuZ weiterentwickeln. Seine Idee: Ein Jugendraum, selbst verwaltet, wo keine Mitarbeitenden des JuZ dabei sein müssten. Das findet wiederum CSU-Kandidat Vogel „unverantwortlich”.

Lob gibt es von Naser für den Jugendbeirat. Er erklärt, dass ja auch die Idee des Bikeparks aus den Reihen des Beirats käme. „Wir haben hier im ländlichen Raum das Problem, dass wir grundsätzlich vom Auto abhängig sind”, meint er mit Blick auf Mobilität und ÖPNV. „Wir müssen froh sein, dass wir überhaupt einen Bahnhof haben.” Das Hauptproblem: Der Fahrplan funktioniere oft nicht.

Es werden noch viele Themen abgefragt, die letzten Fragen des Abends – „Was nehmen Sie heute Abend mit? Was haben Sie heute gelernt? – nutzt der Oberbürgermeister, der dafür 30 Sekunden Zeit hat, für ein Lob an alle Zuschauenden, lobte die „intelligenten Fragen” und meint, er nehme eine „sehr positive Stimmung” mit.

Einsamkeit von Jugendlichen

Christoph Rösch (SPD) ist mit 33 Jahren der jüngste der drei Kandidaten. Er lebt in der Altstadt, arbeitet in Würzburg bei der Regierung von Unterfranken und kümmert sich dort um die Belange von Menschen mit Behinderung. Rothenburg sei er auch während des Studiums immer durch Familie und Ehrenamt verbunden geblieben. Er geht gleich zu Beginn auf ein Thema ein, das ihm besonders am Herzen liegt: Einsamkeit, an diesem Abend mit Fokus auf die Jugendlichen. Er möchte eine Stadt schaffen, in der sich junge Menschen zu Hause fühlen und eingebunden sind – gerade dort, wo gewisse Hürden, etwa finanziell oder sprachlich, es schwierig machen. Und genau die würden oft von alleine nicht den Weg in ein Jugendzentrum schaffen. Daher müsse man sie dort abholen, wo sie anzutreffen sind: in den Schulen, in Zusammenarbeit mit der Schulsozialarbeit.

Beim Thema „Begegnungsstätte” schließt er sich Nasers Meinung an, dass weder das aktuelle Jugendzentrum noch das von Vogel vorgeschlagene Goethe-Institut optimale Lösungen sind. Er bringt einen neuen Vorschlag ins Spiel: das Areal rund um die Sporthalle in der Erlbacher Straße. Nicht mitten im Wohngebiet (gut wegen Lärm), nahe an den Sportstätten und am Bikepark – in seinen Augen geeignet also, um mehrere Angebote zu vereinen. Eine neue Idee bringt Rösch auch beim Thema ehrenamtliches Engagement ins Spiel: ein freiwilliges soziales Schuljahr, bei dem sich Jugendliche das Jahr über regelmäßig engagieren und somit an das Ehrenamt herangeführt werden. „Am Ende gibt es ein Zertifikat, das ist auch gut für die Bewerbungsunterlagen.”

Jugendbeirat positiv bewertet

Das Modell Jugendbeirat bewertet Rösch positiv: „Wir haben die Strukturen geschaffen, um Partizipation zu ermöglichen. Die Aufgabe, die bestehen bleibt, ist, diese Arbeit immer wieder mit Leben zu füllen.” Die Probleme beim Thema ÖPNV kennt Rösch als Pendler aus eigener Erfahrung. „Oft steckt man am Ende am Bahnhof in Steinach fest.” Ruf- oder Flexibusse hält er für eine gute Option, gibt jedoch zu bedenken: „Die Stadt kann Wünsche äußern, verantwortlich ist aber der Landkreis.”

Daher sei es wichtig, „dass unsere Region auch im Kreistag gut vertreten ist.” Die Digitalisierung sieht er als eine Chance an, dass junge Menschen nach ihrer beruflichen Ausbildung wieder in die Stadt zurückkehren. Doch nicht nur der flächendeckende Breitbandausbau, sondern auch bezahlbarer Wohnraum und attraktive Freizeitangebote findet er dafür notwendig. „Ich möchte Rothenburg zu einer Stadt der Rückkehrerinnen und Rückkehrer machen”, betont er und hält am Ende noch ein kleines Plädoyer für die Vielfalt: „Wir wollen eine buntere Stadtgesellschaft, das zeichnet uns aus.”

„So viele Bäume pflanzen wie möglich”

Florian Vogel (48, CSU) bezeichnet sich bei seiner Vorstellung als „Rothenburger durch und durch”. Nachdem er beruflich zuletzt im Spessart tätig war, habe er vergangenes Jahr die Chance ergriffen, nach Rothenburg zurückzukehren. Als Förster sei für ihn der Klimawandel ein besonders wichtiges Thema. „Wir wollen ein gutes und erfülltes Leben haben, wie bereiten wir uns darauf vor?” Entsprechend zeigt er sich am Ende der Diskussionsrunde etwas überrascht, dass im Hauptteil zu diesem Themenkomplex keine Fragen kommen. Erst in der offenen Fragerunde am Schluss erkundigt sich ein Jugendlicher aus dem Publikum nach entsprechenden Maßnahmen. „So viele Bäume pflanzen wie möglich”, antwortet Vogel darauf, außerdem: Vorkehrungen für Starkregenereignisse treffen.

Sollte er Oberbürgermeister werden, sei für ihn klar: „An Ausbildung und Bildung darf nicht gespart werden.” Ähnlich wie Rösch hat er dabei besonders Kinder und Jugendliche aus sozial schwächeren Familien im Blick. Auch wenn er nicht OB werde, wolle er sich hier engagieren und sich für mehr Teilhabe einsetzen. Ihm schwebt die Gründung eines entsprechenden Vereins vor, den die Stadt unterstützt. Trotz Kritik der anderen beiden Kandidaten hält er am ehemaligen Goethe-Institut als Begegnungsstätte fest – nicht nur für Jugendliche, sondern generationsübergreifend. Wichtige Begegnungsstätten sind für ihn außerdem Bolzplätze, die er in jedem Stadtteil einrichten beziehungsweise wiederbeleben möchte.

Beim Thema „politische Beteiligung” meint er: „Da reichen zwei Minuten Redezeit nicht aus.” Daher skizziert er kurz und knapp seine Idee einer Jugendkulturwoche: „eine Konferenz, auf der wichtige Themen diskutiert werden”, gemeinsam mit Menschen aus der Politik und „auch zu Fragen, die über Rothenburg hinausgehen”.

Finanzielle Probleme beim ÖPNV

Wie seine beiden Mitbewerber sieht er beim Ausbau des ÖPNV finanzielle Probleme. Seine Lösung: eine schnelle Umsetzung des Radwegekonzeptes, so dass (nicht nur) Jugendliche diese Art der Mobilität sicher nutzen können. Das Auto bleibt seiner Meinung nach auf dem Land unverzichtbar, daher hält er Carsharing für sinnvoll. „Das haben wir in der Stadt bereits”, kommentiert Naser diesen Vorschlag. Arbeit, Freizeit, Gesundeit und Kultur: Diese vier Bereiche nennt Vogel, wenn es um Zukunftsperspektiven für Jugendliche in der Stadt geht. Hier gelte es, „Rothenburg attraktiv zu machen, dann kommen die Menschen auch zurück”. Klar ist für ihn: „Ohne Jobs kommt niemand zurück.” Am Ende appelliert er an die Jugendlichen: „Demokratie braucht die Wahl. Überlegt genau, wer in Rothenburg etwas vorwärtsbringen kann.”

Schon am Dienstag, 27. Januar, treffen Rösch, Naser und Vogel wieder aufeinander. Dieses Mal beim Triell „Fahrplan Zukunft 2.0” von formatF in einer Halle der Firma Neuberger. Moderieren wird der Moderator und Content Creator Julian Rosenberger aus Rothenburg. Beginn ist um 19 Uhr, bereits ab 18 Uhr gibt es ein Get-Together mit Getränken und Snacks. Die Fraktionen des Stadtrates werden mit Infoständen vertreten sein. In der Neuberger-Halle wird für geschätzt 600 Menschen Platz sein.


Von SIMONE HEDLER UND CLARISSA KLEINSCHROT
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