Die bisherige Schonzeit für Felchen im Großteil des Bodensee wirkt: Die Bestände des beliebten Speisefischs zeigen deutliche Anzeichen der Erholung. „Die Felchen-Schonung hat sehr erfolgreich funktioniert“, sagte Alexander Brinker, Leiter der Fischereiforschungsstelle in Langenargen. Das sei nicht nur den Maßnahmen im Obersee zuzuschreiben – auch das Wetter und biologische Faktoren hätten geholfen.
Weil die Felchenbestände im Obersee (größerer Teil des Bodensees) immer weiter zurückgegangen sind, ist es aktuell bis Ende 2026 nicht erlaubt, dort den beliebten Speisefisch zu fischen. Die Gründe für den dramatischen Ertragsrückgang sind vielfältig. Die Felchen finden zum einen weniger Futter, weil der Bodensee wieder nährstoffarm geworden ist. Doch die aktuell größte Rolle spielte Fischexperten zufolge die Ausbreitung von Stichlingen in das Freiwasser.
„Wir hatten viel Glück, dass parallel zu den Maßnahmen die Bedingungen im See gut waren. Etwa der Zusammenbruch der Stichlingspopulation um 80 Prozent im letzten Jahr – das war natürlich einfach gut“, so Brinker weiter. Die Felchen seien in den vergangenen zwei Jahren exzellent gewachsen. Es gebe auch erste vorsichtige Anzeichen, dass sich der Bestand als Ganzes erholt, „weil wir dann im letzten Jahr doch deutlich mehr Eier am Seegrund und auch deutlich mehr Felchenlarven im See dokumentieren konnten“.
Dabei seien „tolle Fische in einem sehr guten Zustand“ gefangen worden – teilweise älter als früher: „Man sieht also, dass die Fische nicht in der Zwischenzeit an Altersschwäche gestorben sind.“
Wie gut sich die jungen Felchen entwickeln, hänge auch stark vom Wetter ab. „Die klimatischen Bedingungen sind entscheidend dafür, ob ihre Nahrung zur richtigen Zeit da ist.“ Die Felchen hätten gut gefressen und seien gut gewachsen. „Jetzt sehen wir wirklich sehr schöne Fische in exzellenter Qualität in den Fängen.“
Doch es komme auch wieder etwas Unsicherheit: Es gebe wieder vereinzelt Massenfänge von Stichlingen. Noch sei das nicht vergleichbar mit den extremen Jahren davor, „aber doch auffällig“.
Der Stichling ist ein aggressiver Nahrungskonkurrent und frisst zudem Felcheneier und -larven. Der in den 1950er Jahren von Menschen in den See eingebrachte kleine silberne Fisch hatte 2012 den Lebensraum der Felchen, das Freiwasser des Sees übernommen. Doch aus noch unbekannter Ursache gibt es im Bodensee plötzlich deutlich weniger Exemplare. Die Art hatte mal mehr als 90 Prozent der Fische im Freiwasser ausgemacht.
Brinker warnte: „Der Stichling ist natürlich eine Art, die sich rasant erholen kann.“ Trotzdem sieht er Chancen: „Wenn die Felchen gut und robust im Wasser stehen, sind sie als die Art, die besser an das Leben im Freiwasser angepasst ist, eigentlich konkurrenzstärker.“
Im Januar kommenden Jahres kommen internationale Sachverständige am Bodensee zusammen, um die Lage der Felchen zu bewerten. Dabei soll auch eine entsprechende fachliche Grundlage für die Internationale Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei (IBKF) entstehen, die die Felchenschonzeit bis Ende 2026 beschlossen hatte. Dann wird sich zeigen, ob und wenn ja, wie, Felchen wieder gefischt werden dürfen.
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