Dass zwei Kunstschaffende gemeinsam in einer Ausstellung ihre Werke präsentieren, ist im Rahmen der Reihe Galerie in der Sparkasse nichts Neues. Etwas Besonderes ist es jedoch, wenn Mutter und Sohn gemeinsam ihre Arbeiten präsentieren. Brigitte und Marco Fleischmann zeigen von Oktober bis Dezember Malerei und Holzkunst.
„Mit meinen Bildern möchte ich Menschen zum Hinsehen, Nachdenken und Entspannen bewegen“, sagt Brigitte Fleischmann, Jahrgang 1957. „Ich bin kein Bilderplaner. Ich fange einfach an und dann entsteht etwas“, erläutert die Mutter zweier Kinder. Ihr ist es wichtig, Eindrücke, Blumen, Tiere, Bewegungen, schöne Momente, vor allem aber die unendliche Vielfalt der Farben auf eine Leinwand zu bannen. Sie begann zaghaft, zögerlich, fand dabei jedoch ihren ganz eigenen Stil. Kunstkurse besuchte die Klausauracherin nie, brachte sich vielmehr alle Techniken selbst bei.
„Ich mag kräftige Farben, mit denen ich meine Bilder ausfülle“, erzählt Brigitte Fleischmann. Zumeist malt sie mit Acryl. Bleistift und Kreide fließen mit ein, aber auch natürlicher Materialien und Furnier arbeitet sie mit ein. So entstehen Werke voller Energie, Farbe und Schwung.
Ihre Exponate betrachten, auf sich wirken und sich in sie hineinziehen lassen – dies rät Brigitte Fleischmann den Betrachtenden. Ruhe und Ausgleich beim Anschauen finden, sich aber auch mit dem Thema beschäftigen, das sie auf die Leinwand bannte – alles ist möglich. Die Titel der Arbeiten verraten schon viel. Es geht um Krieg, Waldsterben, Virenangriffe. Beim Bild mit dem Titel „Ahnungslos“ gehen Menschen zur Arbeit, ohne zu wissen, was unter ihnen passiert. Ab und zu malt die Künstlerin etwas Gegenständliches. „Manche Leute wollen etwas Konkretes sehen“, merkt sie an.
Das können sie auf jeden Fall, wenn sie die Arbeiten ihres Sohnes in Augenschein nehmen. Der gelernte Schreiner will Holz künstlerisch bearbeiten und daraus schöne Gebrauchsgegenstände schaffen. Nach dem erfolgreichen Abschluss einer Ausbildung übte Marco Fleischmann den Beruf in einigen Betrieben aus. Ein Jahr verschlug es ihn danach nach Australien, wo er viele Erfahrungen sammeln konnte. Auch danach zog es ihn immer wieder in die Ferne – nach Bali, Thailand, Ägypten und Kuba. „Dort habe ich viele Inspirationen erhalten und immer etwas mitnehmen können.“
Doch Heimat ist für den in Schellert lebenden Künstler, Jahrgang 1982, nach wie vor wichtig. Auch als er mit 30 Jahren noch einmal eine Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe absolvierte und einige Jahre in diversen Bädern tätig war, ließ ihn die Faszination für Holz und das Arbeiten mit diesem nicht los. Etwas mit den eigenen Händen zu schaffen, war ihm immer wichtig,
Seit 2015 ist er als Künstler aktiv, richtete sich in Schellert auf dem Anwesen seiner Großeltern eine Werkstatt ein. Großen Wert legt er auf das Außergewöhnliche. Das merkt man, wenn man den ausgestellten Tisch betrachtet: Als Untergestell dient eine alte Nähmaschine vom Nachbarn. Durch das Zusammenspiel von Holz und Epoxidharz entstand eine kunstvolle Tischplatte, in deren Mitte ein goldener Strom zu fließen scheint.
Mittels dieser beiden Materialien entstanden schon diverse ausgefallene und fantasievolle Tische sowie andere Möbelstücke. „Jedes Teil ist ein Unikat.“ Genau wie jeder Balken, den er bearbeitet, etwas Individuelles hat – einer wurde zu einer Stehlampe, ein anderer etwa zu einem Windlicht umfunktioniert. Wie seine Mutter brachte er sich vieles selbst bei, lernte durch Ausprobieren immer mehr dazu. Treppen, Kleinmöbel, Betten und Dekorationsgegenstände fertigt er nach Kundenwünschen an. Egal was er macht, eines ist ihm wichtig: „Ich will das Schönste aus dem Holz herausholen.“
Dass ihm das bei den Exponaten gelungen ist, kann Gertraud Geißendörfer nur bestätigen, die die Ausstellung, die noch bis Ende Dezember zu den Öffnungszeiten der Neustädter Sparkasse zu besichtigen ist, wieder organisierte. Schauen und genießen – so lautet denn auch die Devise für die Besucherinnen und Besucher.