Neujahrsempfang in Neustadt/Aisch: Großer Abschied von Bürgermeister Klaus Meier | FLZ.de

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Neujahrsempfang in Neustadt/Aisch: Großer Abschied von Bürgermeister Klaus Meier

Mit Geschenkgutscheinen wurde Bürgermeister Klaus Meier (Zweiter von links), von seinen drei Co-Gastgebern bei seinem letzten städtischen Neujahrsempfang auf der Bühne verabschiedet.  (Foto: Patrick Lauer)
Mit Geschenkgutscheinen wurde Bürgermeister Klaus Meier (Zweiter von links), von seinen drei Co-Gastgebern bei seinem letzten städtischen Neujahrsempfang auf der Bühne verabschiedet. (Foto: Patrick Lauer)
Mit Geschenkgutscheinen wurde Bürgermeister Klaus Meier (Zweiter von links), von seinen drei Co-Gastgebern bei seinem letzten städtischen Neujahrsempfang auf der Bühne verabschiedet. (Foto: Patrick Lauer)

Einmal erwähnte er es, dann war es gut: Sein letzter Neujahrsempfang als Neustädter Bürgermeister sei dies, sagte Klaus Meier ziemlich zu Beginn seiner Ansprache am Donnerstagabend. Wehmütig klang das nicht und auch in der Folge ließ Meier keinerlei Anflug von Sentimentalität erkennen. Im Gegenteil.

Schon bei der Begrüßung wurde klar, dass Meier seinem Stil auch beim letzten großen Auftritt in der NeuStadtHalle treu bleiben würde. „Reingeschlichen, auch ohne Anmeldung, hat sich unser Landtagsabgeordneter Harry Scheuenstuhl. Harry, du bist uns trotzdem willkommen.” Und spätestens jetzt war jedem der über 300 geladenen Gäste klar: Meier stand nicht am Rednerpult um sich selbst und seinen Abschied zu zelebrieren, sondern um Tacheles zu reden – so wie in den bald 16 Jahren zuvor.

Eigentlich sei er ja, so startete der Bürgermeister, ein „positiv eingestellter” und „optimistischer Mensch”. Doch „dank” des amerikanischen Präsidenten und seinen Allmachtsphantasien verwandele sich die Welt in atemberaubender Geschwindigkeit in einen beängstigenden Ort, in dem nur noch das Recht des Stärkeren zähle. Man dürfe sich nicht wundern, so Meier, dass sich auch hierzulande viele Menschen rücksichtsloser und aggressiver gebärdeten, wenn sie diese Verhaltensmuster „täglich in den Medien vom mächtigsten Mann der Erde vorgelebt bekommen”.

Reformen und neue Ansagen

Für Deutschland bedeute dies: Er sehe „klare Parallelen” zum Jahr 1997, in dem der damalige Bundespräsident Roman Herzog einen „Ruck” gefordert habe, der durchs Land gehen müsse. Man brauche Reformen, man benötige neue Ansagen, eine gemeinsame Kraftanstrengung. Wenn man Veränderungen nicht bald anstoße, dann werde eine Regierungsbeteiligung der AfD irgendwann nicht mehr zu verhindern sein.

„Uns Deutschen geht es immer noch besser, als 90 Prozent der Weltbevölkerung” und dies möge man sich bitte ab und an vor Augen halten, so Meier, der genau an dieser Stelle von spontanem Applaus unterbrochen wurde. Es gelte, unsere Demokratie gegen die Extreme von rechts und links zu verteidigen, es gelte, .näher zusammenzurücken und zusammenzuhalten.

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„Nach bestem Wissen und Gewissen”

Vergleichsweise kurz hielt Meier seinen Blick auf „seine” Stadt, wollte auch hier offenbar gar nicht erst den Eindruck aufkommen lassen, es gehe jetzt um sein „Vermächtnis”. Die positive Bevölkerungsentwicklung streifte er, den Glasfaserausbau, Straßensanierungen, das neue Feuerwehrhaus. Herzlich fiel sein Dank an seine Mitarbeiter, seine beiden Stellvertreter, den Stadtrat aus, dankbar sei er für die lobenden Rückmeldungen der Bürger. „Nach bestem Wissen und Gewissen und mit ganzem Herzblut habe er sein Amt ausgeführt” sagte Meier und „es war mir eine große Ehre, so lange Bürgermeister meiner Heimatstadt sein zu dürfen.”

Auf Meiers Ansprachen folgten die Reden der weiteren Gastgeber des Abends, denn traditionell hatten zum Neujahrsempfang auch das IHK-Gremium, die Kreishandwerkerschaft und die Werbegemeinschaft NEA Aktiv geladen. Seinen „Einstand” gab dabei der bislang in Neustadt noch nicht ganz so bekannte Oliver Zeilinger, dessen Firma in Dietersheim residiert, und der im vergangenen Jahr Dr.Norbert Teltschik an der Spitze des IHK Gremiums abgelöst hatte.

Bewährungsprobe erfolgreich absolviert

Um es vorweg zu nehmen: Seine erste Bewährungsprobe vor dem sicherlich nicht unkritischen Neustädter Publikum meisterte Zeilinger mit Bravour. So bewies er gleich zu Beginn ein gutes Gespür, als er seinen in Neustadt überaus beliebten Vorgänger an der IHK-Spitze würdigte und überraschte anschließend mit einer Rede, die fast vollständig auf Floskeln verzichtete. Als IHK verstehe man sich als Stimme der Wirtschaft und als Partner der Politik und für 2026 habe man sich seitens des Gremiums sechs Schwerpunkte gesetzt.

So fordere man dringend mehr Gewerbe-und Industrieflächen, so Zeilinger und nannte als Beispiel die Neustädter Kühnl-Group, die seit Jahren eine Erweiterungsfläche suche. Es könne doch nicht sein, „dass ein Unternehmen jahrelang kämpfen und warten muss, bis es investieren darf”. Die zweite Forderung bestehe in einem „echten Bürokratieabbau statt leerer Worte”. Um Behörden zu animieren, könne man doch vereinbaren, dass ein Antrag, wenn für diesen nach drei Monaten noch kein Bescheid da ist, als genehmigt zu gelten habe. „Das schafft Tempo”, war sich Zeilinger sicher – der aufbrandende Beifall dürfte ihn in dieser Sichtweise bestätigt haben.

Dritter IHK-Schwerpunkt sei die „Integration in Arbeit” – pragmatisch und sicher. Man brauche in der Region weiterhin dringend Fachkräfte, aber auch Menschen, die einfache Tätigkeiten übernehmen. Vor künftigen Abschiebungen möge man doch bitte in Zukunft die Arbeitgeber und die Gemeinden anhören, um blinden und sinnlosen Aktionismus zu Lasten der Betriebe zu verhindern. Das vierte und fünfte Anliegen betrafen die Infrastruktur: Glasfaserverbindungen und stabiles Internet seien kein „nice-to-have”, sondern unverzichtbar im Wettbewerb und Grundvoraussetzung für den Erfolg. Dies gelte auch für die eigene Stromerzeugung der Betriebe, denn es könne doch nicht angehen, dass sie Netzentgelte für jenen Strom zahlen müssten, den sie mit PV-Anlagen selbst produzierten statt ihn selbst nutzen zu dürfen. „Das treibt die Produktionskosten völlig unnötig in die Höhe”, so Zeilinger.

„Müssen mehr Menschen in Arbeit bringen”

Sein letzter Punkt dürfte durchaus seine Kritiker haben, doch das dürfte Zeilinger an diesem Abend nicht geschreckt haben: Dass viele Geflüchtete, die arbeitswillig seien und ein für den Alltag bereits ausreichendes Deutsch sprechen, an den sprachlichen Hürden der komplexen Fachbegriffe in den Berufsschulen scheiterten, sei einfach Blödsinn: „Wir müssen mehr Menschen in Arbeit bringen, statt sie an der Theorie scheitern zu lassen.”

Abschließend vertrat der neue IHK-Chef noch einmal die Position vieler Unternehmer, als er davor warnte, Deutschland in Sachen Klimaschutz zum moralischen Überflieger zu erheben. Man dürfe die Industrie nicht durch zu hohe Anforderungen und Auflagen aus dem Land treiben, denn „wenn wir hier schließen und woanders dreckiger produzieren, ist dem Weltklima auch nicht geholfen”.

Mit überaus herzlichem, Applaus erhielt Oliver Zeilinger anschließend den verdienten Lohn für seine mutige und inhaltsreiche Ansprache, bevor Georg Gerhäuser ans Mikrofon trat: Der Chef der Kreishandwerkerschaft sprach von einer „nicht so stabilen Auftragslage”, erinnerte aber gleichzeitig an die Fähigkeit seines Berufsstandes, Krisen durch Fleiß und Zusammenhalt zu überstehen. Sorgen bereite ihm allerdings, dass „die Attraktivität der Selbstständigkeit unter Druck gerät”: Die hohen Zusatzkosten, die Bürokratie und die sich ständig ändernden gesetzlichen Anforderungen seien schwierig zu verarbeiten und ließen viele junge Berufstätige vor einer Unternehmensgründung zurückschrecken.

Kampf gegen die Internetgiganten

Kurz und knapp hielt sich Richard Dollinger, der namens der Neustädter Werbegemeinschaft NEA aktiv den Zusammenhalt beschwor und appellierte, gerade in den Zeiten der großen Internethändler dem städtischen Einzelhandel weiterhin treu zu bleiben. Nur so könne gewährleistet werden, dass auch die kommenden Generationen noch ein lebendiges und attraktives Neustadt erlebten. In seiner Eigenschaft als CSU-Ortsvorsitzender und Stadtratsmitglied würdigte Dollinger ausdrücklich den Bürgermeister. Obwohl dieser als SPD-Mitglied eine andere politische Grundfärbung aufweise, habe er sich als um die Stadt und ihre Bürger verdient gemacht und mit allen politischen Kräften gleichermaßen gut und kollegial zusammengearbeitet. Dollingers Ausruf: „Unser Bürgermeister ist einer von uns.”

Bevor zu Sekt und Häppchen ging und die wieder einmal blendend aufgelegte Stadtkapelle Frankenland zum letzten Halali des Abends blies, musste Klaus Meier dann noch einmal die Bühne erklimmen. Doch auch durch Schulterklopfen und weitere lobende Worte sowie die Überreichung von Geschenkgutscheinen durch Zeilinger, Gerhäuser und Dollinger ließ sich Meier nicht zu einem emotionalen Ausbruch verleiten. Ein kurzer Dank, ein beruhigendes Abwinken nach mehreren Minuten stehender Ovationen – damit beendete der Bürgermeister den offiziellen Part. Sein Schlusssatz ließ dann keine Fragen mehr offen: „Das Büffet ist eröffnet.”


Patrick Lauer
Patrick Lauer
Redakteur
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