Die Idee besteht schon seit Jahrzehnten, jetzt hat der Windsbacher Stadtrat den Startschuss für das Projekt gegeben. Mit großer Mehrheit hat das Gremium beschlossen, beim Stadtteil Hergersbach ein neues Gewerbegebiet zu entwickeln.
Der Wunsch, bei Hergersbach neue Betriebe anzusiedeln, kommt nicht von ungefähr. Einerseits liegen der Stadtverwaltung schon konkrete Anfragen von Unternehmen vor, die sich hier niederlassen wollen, wie Bürgermeister Matthias Seitz (SPD) in der Sitzung des Stadtrates berichtete: „Es ist tatsächlich ein Bedarf da.” Andererseits ist die Kommune auf die Einnahmen durch den Grundstücksverkauf angewiesen. Mit dem Geld soll die Sanierung der Stadthalle zum Teil finanziert werden.
Einen großen Vorteil hat die Verwaltung mit Blick auf das geplante Gewerbegebiet. Laut Seitz befinden sich mittlerweile alle dafür benötigten Flächen im Besitz der Kommune. Deshalb bedankte sich der Bürgermeister auch bei den Eigentümern, dass sie die Flächen zur Verfügung gestellt haben, um hier eine gewerbliche Nutzung stattfinden zu lassen.
Entstehen soll das Gewerbegebiet mit einer Gesamtfläche von rund 27 Hektar östlich von Hergersbach, wie Jörg Bierwagen vom Büro Christofori und Partner erklärt. Es grenzt an die Bundesstraße 466 und die Staatsstraße 2220. Auch er betonte, dass die Gedankenspiele nicht grundsätzlich neu sind: „Die Idee ist schon sehr alt.” Bierwagen verwies auf den bestehenden Flächennutzungsplan, der aus dem Jahr 1992 stammt. Schon damals habe man erkannt, dass das Areal aufgrund der Verkehrsanbindung interessant sein könnte für die Entwicklung eines Gewerbegebietes.
Gedacht ist das Gebiet nach seinen Worten für Firmen, die nach dem Emissionsschutzrecht genehmigungspflichtig sind oder mehr als drei Hektar Fläche brauchen. Der kleine Handwerksbetrieb wird sich hier also nicht ansiedeln können, wie Bierwagen betonte. „So gerne ihn wir hier vielleicht hätten.”
Bislang befindet sich das Projekt nur auf einer informellen Ebene. Sprich: Bisher haben sich die Verantwortlichen nur Gedanken gemacht, ob man hier überhaupt Gewerbe ansiedeln kann, wie man das realisieren kann und wo die Ansatzpunkte wären. Jetzt solle das auf eine formelle Ebene gebracht werden, so der Fachmann. Was Bierwagen meint: Die Bauleitplanung soll gestartet und in diesem Zuge ein Bebauungsplan aufgestellt werden.
Im Vorfeld hat es schon Gespräche mit den wesentlichen Fachbehörden gegeben, ob es überhaupt möglich ist, das Projekt an Ort und Stelle zu verwirklichen. „Vom Grundsatz haben wir eine positive Rückmeldung bekommen”, erklärte Bierwagen. Das bedeutet freilich nicht, dass jede Behörde sofort Ja gesagt hat. „Wir haben Hausaufgaben bekommen”. Als Beispiele nannte der Fachmann den Emissionsschutz, die Verkehrserschließung und das Umweltrecht. Eine Hürde, die das Projekt komplett verhindert, ist nach seinen Worten aber nicht aufgetaucht.
Wie das Gebiet einmal aussehen wird, das werden die Planungen zeigen. In diesem Rahmen wird auch klar, ob das Gebiet wirklich die vollen 27 Hektar ausschöpfen wird. Kritisch äußerte sich Horst Ulsenheimer (Grüne) zu dem Vorhaben. Flächenverbrauch und Anbindegebot „spielen bei uns offenbar keine Rolle”. Norbert Kleinöder (Umland) zeigte sich ob dieser Äußerung verwundert. Das Thema habe „uns die vergangenen fünf Jahre beschäftigt. Wir haben keine anderen Flächen, auf denen so etwas möglich ist.”
Positiv äußerte sich derweil Lisbeth Zwick (SPD/UW). Sie sei grundsätzlich auch dafür, den Flächenverbrauch zu reduzieren. Aber „wir kaufen da draußen seit 30 Jahren Flächen”, hielt sie fest. Da sei es doch ein Highlight, dass man endlich mit dem Vorhaben beginne: „Das braucht unsere Stadt.” Letztlich stimmte der Stadtrat gegen eine Stimme dafür, das Bauleitverfahren zu beginnen und den Flächennutzungsplan zu ändern. Auch für den Landkreis Ansbach sei das ein Stück weit ein wichtiges Gewerbegebiet, sagte Bürgermeister Matthias Seitz.