Momentan liegen in dem eingefassten Karree aus Schotter fünf Betonwürfel. Es ist eingerahmt von hohen Bäumen, die Rezat fließt ein paar Meter weiter friedlich vor sich hin. Doch schon in wenigen Monaten soll an diesem Platz unweit der Voggenmühle ein neuer Treffpunkt für Jugendliche eingeweiht werden.
Die Situation für Heranwachsende in der Stadt ist einigermaßen ernüchternd. Es gibt nicht viele Möglichkeiten und Orte, an denen sich Jugendliche treffen können, gemeinsam Zeit verbringen, sich fernab von Erwachsenen auszutauschen und Pläne aller Art zu schmieden. Sandra Kilian, Leiterin des Jugendamtes und selbst in Ansbach aufgewachsen, mag da gar nicht widersprechen.
Bislang dient das Jugendzentrum in der Pfarrstraße als Treffpunkt, daneben haben sich in den zurückliegenden Monaten viele Teenager nach der Schule und in den Abendstunden auf dem Schlossplatz zusammengefunden. Doch dort kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen untereinander, zudem hat die Polizei aufgrund vieler Sachbeschädigungen im Umfeld längst ein Auge auf den Platz geworfen und zeigt Präsenz.
„Wir wollen den Konflikten am Schlossplatz aus dem Weg gehen“, erklärt Kilian. Um die Situation zu entzerren und Jugendlichen eine Ausweichmöglichkeit bieten zu können, haben sie und die Mitarbeiter des Jugendamtes Lösungsmöglichkeiten gesucht – und gefunden.
Nach der Besichtigung von einigen Orten, die von den Jugendlichen vorgeschlagen worden waren, ist die gemeinsame Wahl nun auf den Platz im Bürgerpark bei der Voggenmühle gefallen.
Die Planungen für den neuen Treff laufen bereits auf Hochtouren. Im September sollen letzte Details und offene Fragen in bürokratischer Gründlichkeit geklärt sein, die Fertigstellung des sieben mal sieben Meter großen Platzes ist für das Frühjahr 2024 avisiert. „Wir dürfen die Jugendlichen nicht zu lange warten lassen“, drängt Kilian.
Einigen Anwohnern hat sie bereits persönlich von dem Projekt und den neuen Teilzeit-Nachbarn berichtet. Klagen gab es bislang nicht, sollte es Beschwerden wegen einer möglichen Lärmbelästigung geben, „werden wir auch damit fertig“, sagt Kilian.
Einige Häuser stehen in Reichweite, ansonsten liegt der Platz im Bürgerpark doch etwas abseits, gleichzeitig aber nahe genug an der Innenstadt, um zu Fuß in einigen Minuten gut erreichbar zu sein.
Wichtig war und ist es den Vertretern des Amtes, dass sich die jungen Menschen aktiv in das Projekt einbringen. Ist die Entscheidung gefallen, ob der Unterstand einem Bushäuschen oder einem Pavillon gleichen soll, geht es an die Fertigung. Die wird das Berufsförderzentrum (BFZ) in der Rettistraße in Zusammenarbeit mit den späteren Nutzern übernehmen.
„Die Stadt muss lediglich für die Materialkosten aufkommen“, versichert Kilian. Der Bau soll wie die dazugehörigen Sitzgelegenheiten aus Metall sein, um einerseits Stabilität für jugendlichen Bewegungsdrang zu gewährleisten und andererseits um für den Fall eines möglichen Hochwassers gewappnet zu sein.
Das Mobiliar wird fest verankert und in Fließrichtung der Rezat aufgestellt. „Da wirft dann auch niemand eine Bank ins Wasser“, sagt Jugendamtsmitarbeiter Dieter Sommer augenzwinkernd.
Prävention ist auch aus Sicht der Polizei ein wichtiges Thema – auch in diesem Fall, wie Simone Wiesenberg betonte. „Für uns ist das schwierig, weil der Platz doch etwas entlegen ist. Aber wir unterstützen das Projekt“, bekräftigt die Erste Polizeihauptkommissarin und befindet kurz und knapp: „Gibt es Probleme, finden wir Lösungen.“
Bemerkenswert findet derweil Sandra Kilian die Energie der Jugendlichen, die an dem Projekt beteiligt sind. „Ihr Ehrgeiz ist geweckt“, erklärt Kilian. Drei fest verankerte Sportgeräte sollen ebenfalls in dem Areal platziert werden, und eine Streetworkerin wird laut Kilian „alles tun, damit es nicht ausartet.“