„Bei manchen Sachen meine ich, ich baue ein Atomkraftwerk – aber wir bauen saubere Energie“, sagt Oberscheinfelds Bürgermeister Peter Sendner. Seine kleine Polemik könnte man auf den bürokratischen Aufwand münzen, aber auch auf die Vorbehalte, die es nach wie vor gegenüber Windrädern gibt.
Die Skeptiker unter den rund 40 Teilnehmern einer Bürgerversammlung am Mittwoch in Prühl erinnerte Sendner daran: „Wasch mich, aber mach mich nicht nass – das haut nicht hin.“ Für den Bürgermeister, ein erklärter Befürworter erneuerbarer Energien, war absehbar, dass der Strombedarf weiter wächst. Zugleich gelte es, sich von Energieträgern wie Öl und Gas zu verabschieden, die zu Abhängigkeiten von fernen Staaten führen. Wind und Sonne sind hingegen Energiequellen, die vor Ort verfügbar sind.
Die Bürgerversammlung konzentrierte sich aufs Thema Wind. Und das Thema Wind konzentriert sich in Oberscheinfeld derzeit auf den Raum nördlich von Prühl sowie zwischen Prühl und Appenfelden. Dort, so wird es seit geraumer Zeit erwogen, könnten sechs, sieben Windräder errichtet werden. Das Fürstenhaus Castell sieht auf Oberscheinfelder Gebiet ebenfalls die Chance auf eine Hand voll Anlagen, so dass es insgesamt um rund ein Dutzend geht, die eher über lang als über kurz im Oberscheinfelder Hoheitsbereich errichtet werden könnten.
Doch es gibt auch Gegenwind. Jedenfalls hakten mehrere Wortmeldungen nach den Folgen für die Natur und das Landschaftsbild nach. „Lärmarme Naturräume sind ein schützenswertes Gut“, merkte eine Bürgerin an und berief sich dabei auf eine Maßgabe der bayerischen Staatsregierung.
Ein Waldflächenverlust, eine eventuelle Belastung durch Infraschall sowie ein Nitrateintrag durch nötige Abholzungen wurden in den Raum gestellt. Sendner bemühte sich, derlei Bedenken zu zerstreuen. Manche Zweifel sah er als hinfällig an. So habe man vormals nur einen Rotmilan-Horst in der Gemeinde gezählt, inzwischen seien es fünf – trotz der vier Räder auf dem Enzlarer Berg.
Sendner betonte die guten Voraussetzungen in der Marktgemeinde, sowohl was geeignete Windrad-Standorte betrifft, als auch bezüglich der Anknüpfungsmöglichkeiten entlang der durchs Gemeindegebiet verlaufenden Hochspannungstrasse.
Festgezurrt sei bislang noch nichts, erklärte der Bürgermeister aber ebenfalls. Derzeit werde der Regionalplan überarbeitet, für den die Kommunen ihre potenziellen Windkraft-Vorrangflächen melden sollten. Die Neufassung des Regionalplans soll nach Sendners Kenntnisstand im kommenden Frühjahr in die öffentliche Beteiligungsrunde gehen. Es könne noch zu Streichungen kommen. Er sei selbst „gespannt, was übrig bleibt an Flächen“, sagte Sendner.
Er verdeutlichte auch, dass die gewaltigen Investitionen und der nötige Koordinierungsbedarf, um den produzierten Strom auch ins Netz zu bringen, wohl besser in einem gemeinsamen Vorgehen mehrerer Gemeinden, eines Projektierers und der Energiekonzerne gestemmt werden können. Dazu erwägen Oberscheinfeld, Scheinfeld, Baudenbach und Markt Bibart eine Kooperation.
Klar sei aber auch, dass die wirtschaftlich aussichtsreichsten Perspektiven jene Anlagen haben, die rasch ans Netz gebracht werden können, wie Sendner am Beispiel der Solarenergie veranschaulichte. Oberscheinfelds Bürgermeister hat deshalb auch den Ehrgeiz, möglichst vorne dran zu sein, wenn es um die praktische Umsetzung der Energiewende geht.
„Es wird sich, ob wir wollen oder nicht, der südliche Steigerwald verändern“, sagt Sendner. Ihm sei dabei daran gelegen, dass die Zügel möglichst in den Händen der heimischen Region bleiben.