Neue große Sorgen um Rothenburger Traditionsfirma Lechner | FLZ.de

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Veröffentlicht am 23.10.2023 18:11

Neue große Sorgen um Rothenburger Traditionsfirma Lechner

Die Beschäftigten der Firma Lechner müssen wieder bangen. Das Unternehmen hat wegen der schwierigen Lage der Branche seine Umstrukturierungsziele verfehlt, weshalb nun ein Schutzschirmverfahren beantragt wurde. (Foto: Clarissa Kleinschrot)
Die Beschäftigten der Firma Lechner müssen wieder bangen. Das Unternehmen hat wegen der schwierigen Lage der Branche seine Umstrukturierungsziele verfehlt, weshalb nun ein Schutzschirmverfahren beantragt wurde. (Foto: Clarissa Kleinschrot)
Die Beschäftigten der Firma Lechner müssen wieder bangen. Das Unternehmen hat wegen der schwierigen Lage der Branche seine Umstrukturierungsziele verfehlt, weshalb nun ein Schutzschirmverfahren beantragt wurde. (Foto: Clarissa Kleinschrot)

Beim Küchenarbeitsplattenhersteller D. Lechner GmbH, der 2021 in die Insolvenz geschlittert war und im März 2022 von der Berliner Livos-Gruppe übernommen wurde, schrillen erneut die Alarmglocken. So wurde am Montagnachmittag bekannt, dass das Amtsgericht Ansbach für das Unternehmen mit zuletzt 320 Beschäftigten ein Schutzschirmverfahren angeordnet hat.

In dessen Rahmen könne der Geschäftsbetrieb uneingeschränkt fortgeführt werden. Zudem sei die Fortzahlung der Gehälter aller Beschäftigten für die Monate Oktober, November und Dezember gesichert, hieß es in einer Unternehmensmitteilung. Für das operative Geschäft ist demnach weiterhin das vor anderthalb Jahren von der Livos-Gruppe eingesetzte Management-Team um Florian Mitzscherlich zuständig.

Berliner Fachanwalt als Bevollmächtigter

Unterstützt wird dieses von Joachim Voigt-Salus, einem Berliner Fachanwalt für Sanierungsrecht, der dem Betrieb im Verfahren als Generalbevollmächtigter zur Seite gestellt wurde. Als vorläufiger Sachwalter für die amtlichen Verfahrensbelange wurde laut Mitteilung Rechtsanwalt Dr. Hubert Ampferl von der Nürnberger Kanzlei Dr. Beck & Partner bestellt. Mitzscherlich, Voigt-Salus und Dr. Ampferl saßen gestern Nachmittag in einem Konferenzraum des Betriebs zusammen, um über das weitere Vorgehen zu diskutieren.

Das Unternehmen, das seit 1991 in der Stadt ansässig ist und sich jahrelang auf Wachstumskurs befunden hatte, war 2021 wegen gestiegener Logistik- und Materialpreise in die Zahlungsunfähigkeit geraten. Nach der im März 2022 erfolgten Übernahme durch die Livos-Gruppe wurden diverse Umstrukturierungsmaßnahmen eingeleitet. Es erfolgte auch eine Reduzierung der Beschäftigtenzahl von 450 auf 350. Diese zur Produktivitätssteigerung notwendigen Schritte seien unumgänglich gewesen, „scheinen aber gut zu greifen“, hatte Florian Mitzscherlich noch vor etwa sechs Monaten bei einem Termin vor Medienvertretern erklärt.

Eine nachhaltige Erholung blieb jedoch offenbar aus. So heißt es in der nun verbreiteten Mitteilung, dass „trotz der guten Vernetzung und engen Bindung mit den Kunden“ das Unternehmen „zuletzt massive Turbulenzen am Markt erlebt“ habe. So gingen die Ursachen der „derzeit drohenden Zahlungsunfähigkeit“ unter anderem auf „veränderte Konsumgewohnheiten nach der Corona-Pandemie“ und die Auswirkungen des Ukraine-Krieges auf die Gesamtkonjunktur zurück.

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Auftragseinbruch um 35 Prozent bei Lechner

Vor allem „die massive Inflation und die aktuell hohen Zinsen“ hielten viele Endkunden derzeit vom Kauf einer neuen Küche ab, was auch den Absatz von Arbeitsplatten bremse. So sei das Auftragsvolumen des Unternehmens 2023 im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 35 Prozent eingebrochen.

Weil die bisherigen Sanierungsmaßnahmen wegen der „fortgesetzt negativen Entwicklung am Markt“ nicht zum erhofften Ergebnis geführt hätten, sei nun der Antrag auf Eröffnung eines Schutzschirmverfahrens erfolgt. Die Hoffnung bestehe darin, dass dadurch eine „zeitnahe finanzwirtschaftliche Sanierung“ möglich werde und man „einer irreversiblen Schieflage“ zuvorkomme.

Geplant sei eine weitere „Effektivierung der Produktionsprozesse“, heißt es in der Mitteilung. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien über die aktuelle Lage auf einer Versammlung informiert worden. Mit dem Betriebsrat befinde sich die Geschäftsleitung in engem Austausch.

Florian Mitzscherlich wird in der Mitteilung mit einem Dank an den Gesellschafter, also die Livos-Gruppe, zitiert. Diese habe seit der Übernahme „überobligatorisch Finanzhilfen geleistet“. Nur durch dieses Engagement habe nun auch das Schutzschirmverfahren ermöglicht werden können, so Mitzscherlich.

Keine kurzfristigen Entlassungen

Joachim Voigt-Salus, der die Geschäftsführung im Schutzschirmverfahren als Bevollmächtigter unterstützt, konkretisierte dies am Montagnachmittag in einer ersten Stellungnahme gegenüber der Redaktion. Das Unternehmen sei dank des Gesellschafters zuletzt zumindest in einer besseren Lage gewesen als 2021 und habe alle Rechnungen bezahlen können.

Nur aus dieser Position heraus sei es möglich gewesen, von einem unabhängigen Gutachter die Voraussetzungen für ein Schutzschirmverfahren unter Eigenverwaltung attestiert zu bekommen. Andernfalls wäre ein neuerliches Insolvenzverfahren mit einem externen Verwalter die Folge gewesen, so Voigt-Salus. In den nächsten Wochen werde es nun darum gehen, für das Unternehmen die Chancen für eine Neuaufstellung trotz eines weiter schwierigen Marktumfeldes zu sondieren. Eine kurzfristige Reduzierung der Beschäftigtenzahl sei nicht geplant.

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