Nach Sensationsfund: Älteste Synagoge in Rothenburg ist vermessen | FLZ.de

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Veröffentlicht am 18.03.2026 16:00

Nach Sensationsfund: Älteste Synagoge in Rothenburg ist vermessen

Das Bild zeigt die schematische Rekonstruktion der Synagoge mit Saalbau, Bima und Annex für den Thoraschrein, sowie der südlich anschließenden Frauenabteilung. (Foto: Stadt Rothenburg/Grafik: Roland Linck (BLfD))
Das Bild zeigt die schematische Rekonstruktion der Synagoge mit Saalbau, Bima und Annex für den Thoraschrein, sowie der südlich anschließenden Frauenabteilung. (Foto: Stadt Rothenburg/Grafik: Roland Linck (BLfD))
Das Bild zeigt die schematische Rekonstruktion der Synagoge mit Saalbau, Bima und Annex für den Thoraschrein, sowie der südlich anschließenden Frauenabteilung. (Foto: Stadt Rothenburg/Grafik: Roland Linck (BLfD))

Die Überraschung war groß, als bei Grabungsarbeiten am Kapellenplatz im vergangenen Jahr die Fundamente der mittelalterlichen Synagoge zutage traten – damit lag der erste archäologische Nachweis für die bis dahin nur durch schriftliche Quellen belegte erste Synagoge der Stadt vor.

Knapp ein halbes Jahr später hat das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) einer Pressemitteilung zufolge die weitere Erforschung des Bodendenkmals abgeschlossen. Durch Messungen mit dem Bodenradar sind die Ausmaße der Synagoge nun genau erfasst und zeugen von der Relevanz der ehemaligen jüdischen Gelehrtenstadt und ihrer Blütezeit im Hoch- und Spätmittelalter.

Ein Grabungsfoto mit Fundamenten der romanischen Synagoge in Rothenburg am heutigen Kapellenplatz. (Foto: KT Kohler & Tomo Archäologie)
Ein Grabungsfoto mit Fundamenten der romanischen Synagoge in Rothenburg am heutigen Kapellenplatz. (Foto: KT Kohler & Tomo Archäologie)

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„Mithilfe des Bodenradars lässt sich eine Art Röntgenaufnahme der obersten Erdschichten erstellen. So gelingt es uns, neue Erkenntnisse zu sammeln, ohne das Bodendenkmal durch Ausgrabungen weiter zu zerstören”, wird Professor Mathias Pfeil, Generalkonservator des BLfD, in der Pressemitteilung zitiert. Der Grundriss der nur in Teilen ausgegrabenen Synagoge habe so vervollständigt werden können.

Saalbau von beträchtlicher Dimension

Die etwa einen Meter dicken Mauern der Synagoge bilden nach Angaben des BLfD einen rechteckigen Grundriss von 16 auf etwa elf Meter, was einem typischen Verhältnis von etwa 3:2 für aschkenasische Synagogen der Romanik entspricht, wie sie auch in Köln, Worms oder Speyer zu finden waren.

Der einschiffige Saalbau der Synagoge besaß mit rund 180 Quadratmetern eine beträchtliche Dimension. Sie zählt damit zu den größten nachgewiesenen Synagogen des Hoch- und Spätmittelalters, was für die herausragende Bedeutung der jüdischen Gemeinde im Heiligen Römischen Reich spricht.

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Insgesamt 210 Quadratmeter groß sind Innenraum, Saalbau und die südlich anschließende Frauenabteilung zusammen genommen. Damit fasste die Synagoge zwischen 320 und 380 Personen – einen Großteil der jüdischen Gemeinde der Stadt.

Umso eindrücklicher zeigt sich laut BLfD die Dimension der Gewalt: Beim Pogrom von 1298 wurden mehr als 450 Jüdinnen und Juden ermordet, die jüdische Gemeinde fast vollständig ausgelöscht.

Fundamentreste eines Lesepultes entdeckt

Die Messergebnisse zeigen weiter, dass die Synagoge freistehend auf dem heutigen Kapellenplatz errichtet wurde und ihre Ausrichtung wohl auf die umliegende Bebauung Bezug nahm. An der Ostseite des Gebäudes lässt sich ein vorspringender, rechteckiger Annex erkennen, welcher der Aufnahme des Thoraschreins gedient haben dürfte, wie dies in Frankfurt am Main, Rufach in Frankreich, Speyer und Worms bekannt ist. Die Existenz dieses Annexes lässt vermuten, dass das Bauwerk in die Zeit vor 1300 zu datieren ist, da derartige Anbauten anschließend nicht mehr belegt sind.

Exakt im Mittelpunkt der Synagoge erkennt das Bodenradar eine rechteckige Struktur von vier auf drei Metern. Dabei dürfte es sich nach Vermutungen des BLfD um die Fundamentreste der ehemaligen Bima, des Lesepultes, handeln. Auch der im frühen 15. Jahrhundert durchgeführte Umbau des Gebäudes in eine christliche Kapelle ist durch die Messungen nachzuvollziehen. Sie zeigen, dass der Kernbau der Synagoge dabei erhalten blieb und fortan als Langhaus diente.

An die Ostseite wurde ein mehreckiger Chor im gotischen Stil angesetzt. Der erfasste Grundriss der Marienkapelle stimmt mit den überlieferten Abbildungen aus dem 18. Jahrhundert überein.


Von Gerhard Krämer
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