Die Schilder am Eingang sind bereits abmontiert. Lediglich der Schriftzug an der Hauswand deutet auf die Vergangenheit des Hauses hin: Hotel-Pension Seitz. Seit 1968 steht das stolze Gebäude in Wolframs-Eschenbach. Maria Seitz fehlt jedoch der Nachfolger. Die Konsequenz: Das langjährige Familienunternehmen wird verkauft.
Die Inhaberin des traditionellen Hotels, Maria Seitz, sitzt in dem offenen Speisezimmer. Der Raum ist herzlich in Holzoptik und blau gemusterten Bezügen eingerichtet und erinnert an ein Gasthaus. Auf dem braunen Tisch liegt ein altes Gästebuch. Sie blättert durch die vergilbten Seiten. Die Einträge reichen bis in die 40er Jahre zurück.
Gegründet von ihrem Großvater 1947, war die Hotel-Pension Seitz damals noch im Gebäude des heutigen Hotels Parzivita ansässig. Die Familie hat vier Doppel- und drei Einzelzimmer, aber ohne sanitäre Anlagen angeboten. „Das war damals normal”, erklärt Seitz. Erst 1968 wurde ein eigenes Gebäude in der Duchselgasse 3 errichtet. Seitz’ Vater integrierte Duschen und Toiletten in den Zimmern. Etwas, das keine Pension in der Umgebung hatte. Dies sei damals noch etwas ganz Besonderes gewesen, so Seitz. Ihr Vater sei sogar ausgezeichnet worden.
Seitz selbst ist studierte Betriebswirtin und gelernte Hotelmeisterin. Die Familie renovierte immer wieder, ergänzte früh Fernseher zur Zimmerausstattung und später WLAN. In den frühen 70er Jahren folgten der Anbau mit 14 Zimmern sowie die Installation einer Sauna und der Bau des 1,30 Meter tiefen Pools.
„Die Sauna nutze ich heute immer noch. Aber nur noch für mich privat.” Die Inhaberin erzählt, dass früher viele Leute für mehrere Wochen in Wolframs-Eschenbach Urlaub machten. Vor allem wegen des Wanderns wäre die Pension sehr beliebt gewesen.
„Mittlerweile hat sich der Urlaub gewandelt.” Von langen Aufenthalten geht der Trend eher zum kurzen Verweilen. Viele machen Kurzurlaub oder sind dienstlich unterwegs, wie etwa Monteure. Seitz beteuert ausdrücklich, dass sich der Betrieb der Pension trotzdem weiterhin lohne. Die Schließung erfolge aus ganz anderen Gründen.
Die 65-Jährige hat schlicht und einfach keinen Nachfolger. Auf familiärer Seite finde sich niemand für die Weiterführung, Kinder habe sie nicht. Die Lösung? Verkaufen. Das war schon länger klar, so Seitz. Interesse bestehe durchaus an der Pension, und erste Gespräche liefen bereits. Genaueres will Seitz aber nicht verraten.
„Ich habe die Schließung lange herausgezögert. Ich hänge emotional sehr an dem Betrieb, den meine Eltern mit so viel Liebe aufgebaut haben.” Bis 2021 leitete sie die Pension zusammen mit ihrer Mutter, die jedoch im Alter von 90 Jahren starb. „Die letzten vier Jahre waren sehr hart”, gab die Leiterin zu. Sie stemmte den Pensionsalltag hauptsächlich alleine. Unterstützt wurde sie von zwei Bediensteten und einem Hausmeister.
Bereits im August 2025 feierte sie ihren Ruhestand mit rund 25 Stammgästen aus Aachen. Familie Fritsch verbringt seit über 50 Jahren ihren Urlaub in Wolframs-Eschenbach. Mit ihren fünf Kindern und zahlreichen Enkeln reisten sie vergangenes Jahr ein letztes Mal an, auch um sich von ihrer langjährigen Gastgeberin und Freundin zu verabschieden. Seitz: „Ich bin mit der Familie groß geworden. Wir sind Freunde.” Beim Abschied sei die ein oder andere Träne geflossen, so Seitz.
Niemand habe einen Garten wie sie. Das habe die Pension schon immer hervorgehoben. Seitz betont, er sei das Herzstück ihres Betriebs. „Ich werde ihn vermissen, wenn ich verkaufe”, gesteht sie mit einem Blick auf die große Wiese und die sorgfältig gepflegten Blumenbeete.
Die 65-Jährige freue sich jetzt vor allem auf ihre wohlverdiente Rente. „Ich genieße die Ruhe, hier alleine im Haus zu sein!” Sie freue sich darauf, ihre Hobbys und Freunde als oberste Priorität zu setzen. Auch wenn die jahrelange harte Arbeit schön war, ist es höchste Zeit für den Renteneintritt, verkündet Maria Seitz.