Drei Tote in der jüngeren Vergangenheit sind drei Tote zu viel. Da sind sich alle Akteure einig. Im Kurvenbereich am Gutenstettener Damm mussten erst am 23. Juni 2024 wieder zwei junge Biker ihr Leben lassen. Nun reagieren die zuständigen Behörden. Das Sicherheitsaudit hat bestätigt: Das Staatliche Bauamt muss handeln.
Das Problem ist demnach der Kurvenradius, wie aus einer Stellungnahme von Frank Biedermann, beim Staatlichen Bauamt Ansbach für den Landkreis zuständig, hervorgeht, das Thema der Gutenstettener Juli-Ratssitzung war. Denn dieser beträgt gerade einmal 85 Meter, richtlinienkonform wären 300 Meter. Ein Schwachpunkt der unfallträchtigen Strecke zwischen Gutenstetten und Münchsteinach. Seit einiger Zeit weisen darauf auch zwei riesige Schilder hin, auch wurde auf 70 km/h reduziert – in der Hoffnung, das Problem in den Griff zu bekommen.
Seitdem ist es auch ruhiger geworden. Trotzdem blieb das Kurven-Thema auf dem Radar der zuständigen Behörden. Nach dem Unfall mit zwei Toten im Juni 2024 hatten die Bürgermeister Gerhard Eichner (Gutenstetten) und Jürgen Riedel (Münchsteinach) in einem offenen Brief eine Reaktion auf den tragischen Vorfall gefordert. Die Kurve müsse abgeflacht werden, eine weitere Begradigung der Strecke sei aber nicht unbedingt nötig, hieß es im Schreiben. „Die Bestandswerte im weiteren Streckenverlauf sind nicht Teil des Maßnahmenumgriffs und können daher von den Mindestanforderungen des Regelwerks abweichen”, betont deshalb jetzt das Bauamt.
Das Audit – sozusagen die Bestandsaufnahme des Absprache-Gremiums – sei damit abgeschlossen, so Biedermann. „Wir werden uns im nächsten Schritt um den Grunderwerb und die Ausführungsplanung kümmern.” Derzeit laufe die artenschutzrechtliche Prüfung, die bis zum Herbst abgeschlossen werden soll.
Anschließend soll der landschaftspflegerische Begleitplan erstellt und der Grunderwerb durchgezogen werden – die Planungen seien aber so, dass möglichst wenig in den Bestand eingegriffen werden muss. Wenn es dann seitens des Staatlichen Bauamts auch noch mit den Haushaltsmitteln klappt, „können wir die bauliche Umsetzung ab dem kommenden Jahr 2026 in Aussicht stellen”.
Formal bat die Ansbacher Behörde die Räte darum, den Planungen zuzustimmen. Das geschah aber nicht ohne kleinere Diskussionen. Geplant sei demnach die nördliche Variante, erläuterte Bürgermeister Gerhard Eichner. „Für die Gemeinde entstehen keine Kosten.”
Gerhard Knöchlein sah beim Thema Wasserrückhalt noch Gesprächsbedarf. Das Staatliche Bauamt plane fürs Wasser eigens eine Kaskade, das Regenrückhaltebecken sei allerdings nur auf fünf Kubikmeter ausgelegt. Das fand der Rat mit Blick auf den Aufwand seltsam: „Da muss ich doch was Größeres machen, nicht 5000 Liter”, wenn schon ein Zulauf zur Steinach errichtet werden soll.
Zweiter Kritikpunkt: eine neue Einfahrt für die Landwirtschaft, mitten in der Kurve. „Sonst droht später eine Grunddienstbarkeit”, denn ein Feld müsste dann über ein anderes befahren werden. Derzeit sei das unproblematisch, weil beide vom selben Bauern bewirtschaftet werden. Aber ob das in der Zukunft so bleibt? Insofern verstanden die Räte den Ansatz des Staatlichen Bauamts durchaus, fanden die geplante Umsetzung aber fragwürdig: „Da machst den nächsten Unfallschwerpunkt”, befand nicht nur Knöchlein. Eichner kündigte an: „Wir klären das.”
Einstimmig signalisierten die Räte – losgelöst von den Kritikpunkten – ihr Einvernehmen zum Umbau der Kurve. Diese Maßnahme werde wahrscheinlich nächstes Jahr parallel zur Anbindung der neuen Aischbrücke am Bahnhof erledigt, da die Strecke dann ohnehin gesperrt werden muss, sagt Eichner und betont im Redaktionsgespräch: „Dann soll es geschmeidiger werden.”