Nach dem bitteren Abstieg: SV Weinberg mit Teenager-Power in der Regionalliga | FLZ.de

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Veröffentlicht am 22.08.2025 07:07

Nach dem bitteren Abstieg: SV Weinberg mit Teenager-Power in der Regionalliga

Julia Brückner steht vor der Aufgabe, eine neue Mannschaft beim SV Weinberg zu formen. (Foto: Martin Rügner)
Julia Brückner steht vor der Aufgabe, eine neue Mannschaft beim SV Weinberg zu formen. (Foto: Martin Rügner)
Julia Brückner steht vor der Aufgabe, eine neue Mannschaft beim SV Weinberg zu formen. (Foto: Martin Rügner)

Welche Gedanken ihr am 11. Mai nach dem Schlusspfiff durch den Kopf gingen, sei heute etwas schwer zu beschreiben. Zu viel war passiert und sollte noch passieren. Der SV Weinberg war aus der 2. Fußball-Bundesliga abgestiegen, Wochen später wurde dann klar, dass Julia Brückner auch noch einen Umbruch meistern muss.

An jenem 11. Mai verlor Weinberg 1:4 gegen Borussia Mönchengladbach, womit am vorletzten Spieltag der bittere Abstieg in die Regionalliga feststand. Das Spiel sei symptomatisch vor allem für die Rückrunde gewesen: viel Ballbesitz, viel zu wenig Tore. SVW-Trainerin Julia Brückner zählt aus dem Stegreif mehrere kleine Situationen aus anderen Spielen auf, die ihrer Mannschaft wertvolle Punkte im Abstiegskampf gekostet hatten. So ganz begreifen kann sie es heute – beim lockeren Gespräch am Sportheim – offenbar immer noch nicht.

Die beiden Kapitäninnen verließen den SV Weinberg

„Wir hatten uns deutlich verbessert gegenüber der Hinrunde. Es hätte keiner gedacht, dass wir so gut Fußball spielen in der Rückrunde”, sagt sie und ergänzt – wohl wissend, dass es etwas abgedroschen klingen mag: „Man muss es einfach so sagen: In den entscheidenden Momenten hatten wir viel Pech.”

Die eigentlich guten Leistungen der Mannschaft spielten vielleicht sogar eine Rolle bei den Entwicklungen in den folgenden Wochen, spekuliert die 38-Jährige. Denn nach und nach meldeten Stammspielerinnen, darunter die beiden Kapitäninnen Annika Kömm und Leonie Haberecker, Wechselwünsche an.

Emotionale Gespräche und viele Tränen

Sie hatten einfach gesehen, dass sie in der 2. Bundesliga sehr gut mitspielen können. Das wollten die Spielerinnen nicht aufgeben – und die Trainerin wollte sie nicht daran hindern. Da habe es viele emotionale Gespräche und viele Tränen gegeben, erzählt Brückner. Und es wurde auch klar, dass der SV Weinberg umdenken muss.

Am Ende waren vier absolute Stammspielerinnen weg, dazu Ellen Riess, die in der abgelaufenen Saison wegen Verletzungen nur wenig spielte, aber 15 Jahre im Verein war. Säulen des Teams waren weggebrochen. Ein sofortiger Wiederaufstieg war nun kein Thema mehr.

U16-Nationalspielerin Dana Keßler hat angeheuert

Als Ersatz angelte sich der SVW Talente. Ein Quintett, das noch keine 20 Jahre alt ist. Fünf Teenager, die Zeit brauchen. Dazu zog Brückner Lina Reinsch von der 2. Mannschaft nach oben, die ins gleiche Altersschema passt. Einzig die 27-jährige Meike Bohn, die ebenfalls aus dem Bayernliga-Team hochrückt, bringt Regionalliga-Erfahrung aus Würzburg und Crailsheim mit.

Unter den Neulingen ist mit Dana Keßler eine sehr interessante Personalie. Die 16-Jährige aus Weidenbach ist U16-Nationalspielerin. Brückner kennt sie schon viele Jahre. „Sie ist sehr wissbegierig, hört genau zu und will sich immer verbessern. Ich glaube, sie hat schon jetzt in der Vorbereitung einen Schritt nach vorne gemacht.” Natürlich soll Keßler spielen, doch gerade im zentralen Mittelfeld habe der SVW „viel Qualität”, betont die Trainerin. „Dana kennt die Körperlichkeit vom Jugendbereich bei der SpVgg Ansbach, das ist schon mal sehr gut. Aber auch sie muss man erstmal ankommen lassen. Der Sprung zum Frauenfußball ist schon sehr groß.”

Keßler kann ein Baustein im neuen Team sein, das Brückner formen muss. Gestandene Charaktere sind nicht mehr da, neue Hierarchien müssen sich entwickeln. „Das ist die große Herausforderung.” Denn als Absteiger werde dem SVW in der Regionalliga nichts geschenkt, davon ist die Trainerin überzeugt. „Jedes Spiel wird unangenehm, weil wir natürlich der vermeintliche Favorit sind.”

„Dämpfer” im Pokal trübt Vorbereitung

Die Vorbereitung auf die neue Saison geht nun dem Ende entgegen. Wo das Team steht? „Wir haben da schon wirklich gute Spiele gemacht”, sagt Brückner. Aber man sieht ihr förmlich an, dass sie es kaum einschätzen kann. Denn da war dieser „Dämpfer” mit dem Playoff-Spiel zum DFB-Pokal gegen Greuther Fürth. 2:3 nach Verlängerung ging die Partie vergangene Woche verloren. Fürth war erst von der Bayern- in die Regionalliga aufgestiegen. „Da wollten wir eigentlich schon gewinnen.”

Während die Konkurrenz nun schon dieses Wochenende um Punkte spielt, hat der SV Weinberg am 1. Spieltag frei. Bei einem Trainingslager in Ansbach besteht die Möglichkeit zum letzten Feinschliff, inklusive Testspiel gegen die U23 von Union Berlin am Sonntag (12 Uhr) auf dem A-Platz an der Vehlberger Straße in Weinberg.

Der A-Platz in Weinberg ist ein paar Meter breiter geworden

Der hat übrigens ein paar Meter in der Breite dazubekommen – teilweise finanziert über einen Spendenaufruf – und würde nun wieder die DFB-Vorgaben für die 2. Bundesliga erfüllen. Die Zeit der Heimspiele in Sachsen b. Ansbach ist damit vorbei. Das freut Julia Brückner, die seit 2015 im Verein und in Weinberg irgendwie zuhause ist, sehr. Doch an den sofortigen Wiederaufstieg denkt sie trotzdem erstmal nicht.

„Wären wir so zusammengeblieben, dann müsstest du natürlich wieder hoch. Jetzt wird das nicht so einfach. Aber es nimmt vielleicht ein bissel den Druck raus”, sagt Brückner. Im Verein sehe man die Lage entspannt, meint sie. Ihr Anspruch: „oben mitspielen”.

Abgänge: Leonie Haberecker (FC Ingolstadt), Djellza Istrefaj (VfL Bochum), Annika Kömm (FC Ingolstadt), Ellen Riess (Karriereende), Solveig Schlitter (Eintracht Frankfurt).

Neuzugänge: Martha Bittner (1. FC Nürnberg), Meike Bohn (2. Mannschaft), Dana Keßler (SpVgg Ansbach), Eva Lüttge (TSV Neuenstein), Fee Lüttge (TSG Hoffenheim), Lina Reinsch (2. Mannschaft), Lea Würth (TSG Hoffenheim).

Die ersten Spiele: Karlsruher SC – Weinberg (31. August, 14 Uhr), Weinberg – FSV Hessen Wetzlar (7. September, 14 Uhr), KSV Hessen Kassel – Weinberg (14. September, 14 Uhr), Weinberg – Eintracht Frankfurt U19 (21. September, 14 Uhr).

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