Bei Harrie's Pancakes in Dullstroom werden sie den blonden Deutschen schon langsam vermissen, der ein paar Wochen lang ziemlich regelmäßig zur Wiederaufnahme der im Training verheizten Kohlenhydrate vorbeischaute.
Die gute Nachricht für den Zahlkellner von Harrie's lautet: Florian Bremm kehrt bald zurück nach Südafrika. Vorher will er aber noch den einen oder anderen Deutschen Meistertitel holen.
Der Läufer aus Colmberger war nun schon so oft in Dullstroom, dass es sich wie eine Art Heimkehr anfühlt, wenn wieder die auf leistungsfördernden 2100 Metern gelegene Ortschaft ansteuert, die 250 Kilometer westlich von Johannesburg an der Straße zum Kruger National Park liegt
Die Zufuhr von schmackhaften Süß- und Fleischspeisen ließe sich leicht auch anderswo realisieren, schwieriger wird es bei derart angenehmen klimatischen Bedingungen mitten im europäischen Winter samt Höhenluft.
Also spulte Bremm beim ersten großen Trainingslager des Jahres wieder einige hundert Kilometer ab, wobei er die Trainingsumfänge gegenüber vergangenen Jahren sogar etwas reduzierte, Leistungsspitzen bewusst dosierte. Mit dem Ziel, verlässlicher in eine bestimmte Form zu kommen. „Das war früher manchmal wie eine Wundertüte. So wie ich es diesmal gemacht habe, fühlt es sich sehr gut an”, berichtet Bremm.
Das erste von nur zwei Rennen der Hallensaison hat der 25-Jährige bereits hinter sich. Beim international besetzten Indoor Meeting in Karlsruhe lief er als bester Deutscher in 7:40,39 Minuten auf Rang fünf über 3000 Meter - für den LSC Höchstadt/Aisch. „Die Form stimmt”, das nahm er mit vom ersten Wettkampf des Jahres. Da ließ es sich verschmerzen, dass er im Badischen noch unter seinem alten Verein geführt wurde.
Seit diesem Jahr startet Bremm für Franconia Athletics. Wenn es gut läuft, darf sich der neu gegründete Verein aus Erlangen bald über Deutsche Meisterschaften freuen. Das zweite und letzte Hallenrennen der Saison bestreitet Bremm bei den Deutschen Meisterschaften über 3000 Meter, die Ende Februar in Dortmund stattfinden. Im Vorjahr musste er sich dort dem Düsseldorfer Maximilian Thorwirth im Endspurt knapp geschlagen geben. Diesmal will Bremm wieder wie schon 2024 in Leipzig ganz oben auf dem Treppchen stehen.
Für den 8. März plant Bremm den Start bei der Deutschen Meisterschaft über zehn Kilometer auf der Straße in Uelzen. Der Ausflug auf die für ihn ungewohnt lange Distanz ist mit Hoffnungen auf einen weiteren Titel verbunden. „In der Mannschaftswertung wollen wir da schon um Platz eins mitlaufen”, sagt Bremm. Danach geht es wieder zum nächsten Trainingslager nach Südafrika.
Für die folgende Freiluftsaison plant Bremm mehrere Auftritte bei internationalen Rennen, die allerdings noch nicht fixiert sind. Das große Ziel 2026 ist die Europameisterschaft in Birmingham im August. Die Qualifikation dafür erfolgt über die Weltrangliste oder die erfüllte Norm. Die liegt für die EM bei 13:08 Minuten über 5000 Meter. Die persönliche Bestzeit von Bremm steht bei 13:09 Minuten. Noch. „Für dieses Jahr habe ich mir vorgenommen, eine Zeit von 13:05 zu laufen”, sagt Bremm.
Vorgenommen hat er sich außerdem, bei einem großen internationalen Rennen „mal richtig abzuliefern”. Das gelang ihm aus seiner Sicht weder bei der Europameisterschaft in Rom 2024 (Platz 23) noch bei der Weltmeisterschaft im Vorjahr in Tokio (Platz 16).
Sollte Bremm zwischendurch Hunger auf südafrikanische Küche bekommen: Die Zubereitung von Pap, ein Gericht, das die Konsistenz der so bezeichneten Speise wunderbar schon in der Aussprache transportiert, hat er sich von den Frauen zeigen lassen, die in der Wohnung in Dullstroom zwischendurch nach dem Rechten sehen. Pap ist ein Brei aus Maismehl und wird üblicherweise zum Grillgut gereicht.