Die Stadt Leutershausen, ohnehin knapp bei Kasse, steht vor einem weiteren Mammutprojekt. Fast 2,5 Millionen Euro wird sie in den nächsten Jahren in die Löschwasserversorgung stecken müssen. Kaum eine der Entnahmestellen ist in einem vorschriftsmäßigen Zustand. Das nun vorgelegte Konzept offenbart massive Defizite.
Zwei Jahre lang hatte sich Thomas Meyer-Vogelhuber vom Ansbacher Ingenieurbüro PfK mit den rund 100 Löschwasser-Entnahmestellen in Leutershausen und seinen 49 Stadtteilen beschäftigt, sie eingehend analysiert und bewertet. 170 Seiten umfasst sein Erläuterungsbericht, der 122 Pläne und über 1000 Fotos enthält. Sein Fazit: Für den Grundschutz würden zwar bloß gut die Hälfte der aktuell genutzten Ressourcen benötigt. Doch diese 54 entsprächen derzeit nur in wenigen Fällen der Norm; teilweise seien sie „in einem furchtbaren Zustand”. Somit stehe die Stadt, die gesetzlich zum Brandschutz verpflichtet ist, vor einer „Riesenherausforderung”.
Eine Kommune muss eine „den örtlichen Verhältnissen angemessene Löschwasserversorgung” gewährleisten, erläuterte der Ingenieur. Vorschrift sei, dass mindestens 48 Kubikmeter pro Stunde zur Verfügung stehen – und das zwei Stunden lang. Im Stadtkern und in Wiedersbach sei sogar die doppelte Menge erforderlich. Das sei dort aber im Wesentlichen gesichert.
„Wir wissen, es reicht nicht.”
Problematisch werde es dagegen in den kleineren Ortschaften, wo der Grundschutz nicht über das Leitungsnetz möglich sei. Deshalb gibt es dort zusätzliche Entnahmestellen, etwa an Teichen oder Fließgewässern, teils auch Zisternen. Und da liegt vieles im Argen. Die Defizite kennt auch die Feuerwehr. Wie Philip Nehr, Kommandant der Leutershäuser Stützpunktwehr, erläuterte, seien mit der Zeit zusätzliche Entnahmestellen entstanden, „weil wir wissen, es reicht nicht, weil manche Stellen marode sind”. Daraus resultiere die überraschend hohe Zahl von fast 100 Zapfpunkten.
Exemplarisch beleuchtete Meyer-Vogelhuber den Löschteich in Mittelramstadt. Dort habe ein Biber erhebliche Schäden hinterlassen. Das sorge für „massive Sicherheitsprobleme” bei der Nutzung. Der durchlöcherte Damm zum Bach hin drohe zu kollabieren, wenn er befahren wird – er sei „kaum noch begehbar”. Zudem sei der Teich verlandet und müsse entschlammt werden. Insgesamt sei die Anlage nicht normgerecht. Um sie zu sanieren, veranschlagte der Ingenieur etwa 120.000 Euro.
Der DIN entsprächen freilich die wenigsten Löschteiche, so der Fachmann. Fast allen fehle beispielsweise eine eingehauste, frostsichere Wasser-Entnahmestelle, die vorgeschrieben sei. In aller Regel mangle es an der Pflege: „Man hat sie einfach irgendwann angelegt und dann liegenlassen.”
Was also ist zu tun? Meyer-Vogelhuber rät der Stadt zu einer Arbeitsgruppe mit Vertretenden der Feuerwehren und der Verwaltung. In seinem Konzept hat er zudem eine Prioritätenliste vorgeschlagen. Demnach sollten im kommenden Jahr zunächst für 22 Teiche Sicherheitsfragen geklärt werden, beispielsweise Zäune oder Ausstiegshilfen. 66.000 Euro veranschlagt der Ingenieur dafür. Außerdem sollten für 92.000 Euro vier Entnahmestellen an der Altmühl eingerichtet werden, um in der Altstadt und im Bereich der Tankstelle Loos am Steinweg den Brandschutz zu gewährleisten.
Für 2027 sieht das Konzept drei Löschwasserbehälter in Jochsberg, Pfetzendorf und Kressenhof vor zu Gesamtkosten von etwa 250.000 Euro. Fast dieselbe Summe ist für weitere, kleinere Baumaßnahmen bis 2028 vorgesehen.
„Das ist schwer zu schultern.”
Für 2028 bis 2031 wird die Umgestaltung von 22 Teichen vorgeschlagen, die überwiegend durch normgerechte Betonfertigteilbehälter ersetzt werden sollten. 450.000 Euro pro Jahr sind dafür veranschlagt. Insgesamt summieren sich die Investitionen laut Meyer-Vogelhuber auf 2,4 Millionen Euro – „der Versuch, eine Zahl zu nennen”.
Eine Zahl, die laut Bürgermeister Markus Liebich „schwer zu schultern” ist. Doch wenn etwas passiert, werde die Stadt „in die Haftung genommen”, mahnte er. Das unterstrich auch der Ingenieur: „Wenn es irgendwo brennt, macht sich keiner Gedanken über die DIN-Norm. Da hält man den Rüssel dort rein, wo Wasser ist.“ Aber wenn das Wasser nicht reicht, gehe es danach um die Schuldfrage.