Die Initiative „Bavaria ruft!“ hat monatelang kräftig für mehr Frauen in der Kommunalwahl getrommelt. Und was hat es gebracht? Ein Durchbruch seien die aktuellen Ergebnisse nicht, heißt es in einer Mitteilung, aber immerhin ein Entwicklungsschritt. Noch nie zuvor seien so viele Frauen bereit gewesen, zu kandidieren.
Frauen müssten allerdings durch gute Listenplätze auch realistische Chancen haben, gewählt zu werden, sagte Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU), die Schirmherrin der Aktion. „Dafür braucht es faire Rahmenbedingungen, Unterstützung in den Parteien aber auch die Zustimmung der Wählerinnen und Wähler.“
Die Lindauer Oberbürgermeisterin Claudia Alfons sagte: „Wir sehen: Mehr Frauen trauen sich und treten an, aber sie werden noch nicht im gleichen Maße gewählt. Genau hier müssen wir weiterarbeiten.“ Alfons, die für eine Reihe von Parteien und Gruppierungen antritt, hatte bei der OB-Wahl am 8. März 64,3 Prozent der gültigen Stimmen geholt und deutlich gegen einen CSU-Mitbewerber gewonnen. Damit gehört sie zu den wenigen Frauen, die in Bayern ein Rathaus oder ein Landratsamt leiten.
Nach den Stichwahlen am Sonntag verlor die Augsburger Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) ihren Posten. In Regensburg folgt ein Mann der scheidenden Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) nach. Damit gibt es in Bayerns Großstädten keine Oberbürgermeisterin mehr. Auch die große Mehrzahl der Landräte in Bayern ist männlich. Im Regierungsbezirk Oberfranken zum Beispiel gibt es überhaupt keine Landrätin.
Wie es genau mit dem Frauenanteil in den kommunalen Parlamenten aussieht, steht noch nicht fest. Ersten Schätzungen zufolge ist er nicht sehr stark gestiegen.
„Leider werden Frauen noch immer häufig auf hintere Listenplätze gesetzt oder werden bei der Wahl dann von Männern „überholt“, die bevorzugt gewählt werden. Das kann frustrierend sein“, sagte Aigner in einem Interview mit dem „Straubinger Tagblatt“ (Dienstag).
„Das Thema muss gesetzt bleiben. Wir dürfen nicht aufhören, Frauen für Kommunalpolitik zu motivieren“, sagte sie in dem Interview. „Das ist gar nicht so einfach. Viele Frauen setzen andere Prioritäten. Ich will das gar nicht werten. Manche wollen sich den rauen Ton nicht antun, der mittlerweile auch im Kommunalen herrscht. Die sozialen Medien spielen dabei eine Rolle.“
Leichter ändern ließen sich die Rahmenbedingungen vor Ort: „Sitzungszeiten, Sitzungsdauer, Zuschaltung per Video. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist besonders für Frauen ein Thema, aber auch für junge Väter vielleicht nicht uninteressant.“
„Bavaria ruft!“ hatte im Vorfeld der Kommunalwahl zahlreiche Veranstaltungen organisiert. Die Initiative unterstützen neben Aigner auch Politikerinnen wie Familienministerin Ulrike Scharf (CSU) und die Fraktionschefin der Grünen im Landtag, Katharina Schulze sowie zahlreiche Verbände.
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