Letzte Ruhe unterm Apfelbaum: Gibt es in Burgbernheim bald einen Naturfriedhof? | FLZ.de

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Veröffentlicht am 16.12.2025 16:03

Letzte Ruhe unterm Apfelbaum: Gibt es in Burgbernheim bald einen Naturfriedhof?

Roman Mollwitz (links) und Karl-Otto Mollwitz wollen sich für einen Naturfriedhof in Burgbernheim einsetzen. (Foto: Katrin Merklein)
Roman Mollwitz (links) und Karl-Otto Mollwitz wollen sich für einen Naturfriedhof in Burgbernheim einsetzen. (Foto: Katrin Merklein)
Roman Mollwitz (links) und Karl-Otto Mollwitz wollen sich für einen Naturfriedhof in Burgbernheim einsetzen. (Foto: Katrin Merklein)

Die Bestattungskultur erfährt aktuell einen Wandel. Rheinland-Pfalz hat sein Bestattungsgesetz kürzlich reformiert. Die Asche Verstorbener im eigenen Garten zu verstreuen, das darf man in Bayern zwar noch nicht, doch Naturfriedhöfe liegen auch hier im Trend. Die SPD findet: In Burgbernheim fehlt ein solches Angebot.

Immer mehr Menschen bevorzugen alternative, naturnahe Formen der Beisetzung, erklärt SPD-Stadtrat Karl-Otto Mollwitz. Er habe recherchiert: deutschlandweit gebe es mittlerweile über 300 Bestattungswälder – Tendenz steigend. Deshalb haben Ortsverein und Stadtratsfraktion der SPD einen Antrag auf Errichtung eines Bestattungswaldes oder einer naturnahen Bestattungsfläche an Bürgermeister Matthias Schwarz (Freie Bürger) und den Stadtrat gestellt. Dieser wird am morgigen Donnerstag in der Sitzung (Beginn: 19 Uhr im Bernatura) behandelt.

Es ist der mittlerweile dritte Anlauf, den die Sozialdemokraten unternehmen. Bereits 2012 und 2018 hatten sie Anträge auf die Errichtung einer Waldbestattung gestellt. Beide Male wurden diese abgeblockt. Nachdem der jüngste Antrag eingegangen war, habe der Kirchenvorstand 2018 davon Wind bekommen und beschlossen, am Friedhof eine Baumbestattung anzubieten. Noch bevor der Antrag behandelt wurde, wurden zwei Bäume gepflanzt, erinnert sich Karl-Otto Mollwitz. Die rund 70 Bestattungsplätze seien mittlerweile voll, was zeige, dass die Art der Bestattung durchaus nachgefragt werde.

Idyllisch am Waldrand gelegen

Bürgerinnen und Bürger aus Burgbernheim und der Umgebung seien schon häufiger mit dem Wunsch einer Waldbestattung in ihrem Wohnort an Mitglieder der SPD herangetreten, erzählt Ortsvorsitzender Roman Mollwitz bei einem Treffen auf einer Streuobstwiese am Fuße des Himmelfahrtsberges, hinter dem Skiliftweiher. Idyllisch am Waldrand gelegen seien die dortigen Grundstücke, „optimal für einen Naturfriedhof”, findet Karl-Otto Mollwitz, dem das Thema nach eigenem Bekunden auf den Fingernägeln brennt.

Dem kirchlichen Friedhof wolle man keinesfalls Konkurrenz machen, betonen die beiden Sozialdemokraten. „Es ist eine gute Ergänzung. Es ist einfach nicht mehr alles erzkonservativ und katholisch”, sagt Karl-Otto Mollwitz, man müsse sich dem Trend der Zeit anpassen.

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Viele Angehörige wollen keine regelmäßige Grabpflege mehr übernehmen

Ob Bestattung auf einer Streuobstwiese, die nach Ansicht der SPD sehr gut zu Burgbernheim passen würde – wobei die Wiese in Bayern als Naturfriedhof deklariert werden müsste – oder auf einem Waldstück, da sei man offen. Argumente hat die SPD gesammelt: Viele Angehörige können oder wollen keine regelmäßige Grabpflege mehr übernehmen, weil sie beispielsweise weiter weg wohnen, erklärt Karl-Otto Mollwitz. Eine Wald- oder Wiesenbestattung sei laut Roman Mollwitz zudem ressourcenschonend und „fügt sich harmonisch in den Naturraum ein”.

Die Kosten einer Waldbestattung seien zudem häufig niedriger als bei klassischen Beerdigungen, erklärt Karl-Otto Mollwitz. „Ein Bestattungswald kann die Attraktivität Burgbernheims als naturverbundene, zukunftsorientierte Kommune stärken”, heißt es im Antrag der Sozialdemokraten. Einnahmen aus Grabplatzgebühren, Kooperationen oder Pachtverträgen können der Stadt langfristig zu Gute kommen, erläutert Karl-Otto Mollwitz.

Verschiedene Kriterien und geeignete Flächen prüfen

Das Ziel der SPD sei es, die Stadtverwaltung zu beauftragen, „unter Berücksichtigung ökologischer, geologischer und wirtschaftlicher Kriterien, geeignete Flächen zu prüfen”. Die SPD fordert die „Erarbeitung eines wirtschaftlichen und organisatorischen Konzeptes, inklusive Prüfung möglicher Kooperationsformen”. Der Eigenbetrieb der Stadt, aber auch eine Kooperation mit kirchlichen Trägern oder Forstbehörden sei denkbar.

„Bürgerinnen und Bürger sowie relevante Institutionen wie Kirchen, Forst, Naturschutz und Bestatter müssen in den Planungsprozess einbezogen werden, um eine breite Akzeptanz und nachhaltige Umsetzung sicherzustellen”, heißt es im Antrag. Scheinfeld gehe mit gutem Beispiel voran, findet Karl-Otto Mollwitz: Nach rund drei Jahren der Planung sei dort, wohl ab Herbst 2026, die erste Waldbestattung im Landkreis möglich.


Katrin Merklein
Katrin Merklein
Redakteurin
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